Häupl in ÖSTERREICH am Sonntag: „Kurz hasst Wien“

Ludwig und sein Vorgänger fordern dennoch nach der Wahl Gespräche mit der ÖVP

Wien (OTS) - Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und sein Vorgänger Michael Häupl (beide SPÖ) bewerten den laufenden Wahlkampf im ÖSTERREICH-Doppelinterview (Sonntagsausgabe) anlässlich des 70. Geburtstages von Häupl extrem kritisch, sind aber dafür, dass die SPÖ nach der Wahl mit der ÖVP ernsthafte Koalitions-Gespräche führt. So sagt Häupl über FPÖ und ÖVP: „Das jüngste Beispiel (von fokussierter Unintelligenz im Wahlkampf, Anm.) ist, dass eine nicht amtsführende Stadträtin zu einer politischen Demonstration geht, dort spricht und nachher behauptet, sie hätte nicht gewusst, wo sie war. Das ist ein ganz krasses Beispiel dafür, was es so an Unintelligenz in Wahlkämpfen gibt. Aber es sind ja andere Sachen auch. Da wird plötzlich eingebrochen in den Internetbereich einer Partei und kein Mensch kann wirklich nachvollziehen, was sich tatsächlich abgespielt hat.“

Zu ÖVP-Chef Sebastian Kurz und dessen Aussagen im Wahlkampf, er komme aus Niederösterreich, sagt Häupl: „Der Großteil der Wiener Bürgermeister, der jetzige ist eine Ausnahme, ist nicht in Wien geboren. Beim Kurz zeigt das natürlich schon ein bisschen, wie sehr er Wien hasst, wie sehr er sich von Wien distanziert. Er bekennt sich nicht einmal dazu, dass er in der Stadt geboren ist.“

Ludwig wiederum findet den Wahlkampf der ÖVP „für Wien bedrohlich“:
„Ich finde ihn vor allem sehr bedrohlich für die Stadt Wien. Da möchte ich Ihnen ein Zitat von Sebastian Kurz nicht vorenthalten:
„Schauen wir uns den Finanzausgleich an, den möchte ich beim nächsten Mal ändern. Ganz Österreich finanziert die Wiener U-Bahn und anderes, und Wien schafft es trotzdem, mehr Schulden zu machen als alle anderen Bundesländer.“ Das ist eine deutliche Drohung, was Wien betrifft, um Wien zu schwächen.“

Trotzdem treten Ludwig und Häupl dafür ein, dass die SPÖ gesprächsbereit bleibt: „Pamela Rendi-Wagner ist sehr engagiert und punktet nicht nur bei den Fernsehdiskussionen. Wir haben keine Großspender, die uns unterstützen. Aber mittel- und langfristig wird es sich rentieren, dass wir auf Inhalte und Ehrlichkeit in der Politik setzen. Das unterscheidet uns von anderen. Wir sollten auf jeden Fall auch in den kommenden Verhandlungen, die dann zu einer neuen Bundesregierung führen werden, immer zeigen, dass wir gesprächsbereit sind, wir haben immer Verantwortung im Sinne des Staatsganzen übernommen, aber nicht um jeden Preis.“ Und Häupl meint:
„Wir sind ja nicht der Hofer, der jetzt schon nichts anderes macht, als zu schauen, dass er Vizekanzler in ¬einer Regierung mit dem Herrn Kurz wird. Ja, ich bin dafür, dass die SPÖ nach der Wahl auch mit der ÖVP spricht, dass man auslotet, wo es Gemeinsamkeiten gibt und wo nicht und dann wird man inhaltlich sehen, geht das, kann das funktionieren, gibt es hier diese entsprechenden Übereinstimmungen? Also ich denke, da kann man nicht vorher Ja oder Nein sagen, das ist auch nicht die Aufgabe. Jetzt hat man sich zu bemühen, dass die SPÖ möglichst optimal abschneidet. Wenn sich Türkis-Blau ausgeht, werden die das wieder machen.“

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