Spart Klasnic Kommission an einer Verstorbenen?

Verfahren verzögert, schwerkrankes Opfer verstorben, Angehörige gehen leer aus. Plattform kritisiert Unvereinbarkeit von Bierlein als Mitglied der Klasnic-Kommission.

Wien (OTS) - Nicht nur Klasnics Söhne mussten sich “Detschn” bei ihrer offenbar gewalttätigen Mutter abholen, wie Klasnic kürzlich in einem Zeitungsinterview freimütig gestand; auch Missbrauchsopfer erhalten Ohrfeigen, wenn auch nur bildlich gesprochen, dafür jedoch nicht weniger demütigend. Anders ist folgende Geschichte einer Abfuhr nicht zu deuten: Ein Entschädigungsverfahren gegenüber Josefine F., einer Frau, die als Kind in einer kirchlichen Einrichtung missbraucht wurde, hat die Klasnic Kommission so lange hinausgezögert, bis die Schwerkranke starb. „Es war ausdrücklicher Wunsch meiner Mutter, dass sie noch vor ihrem Tod ihre Leidens-Geschichte öffentlich machen kann und auch eine kleine Wiedergutmachung erhält“ sagt ihre Tochter. Doch dazu kam es nicht. Josefine F. trug ihr Anliegen zwar vor der Kommission vor, bekam auch eine Heimopferrente zugesagt, doch diese zögerte die formale Entscheidung so lange hinaus, bis die Antragstellerin verstarb. Ansprüche von ihrer Tochter werden jetzt ebenfalls abgelehnt, wie einem nun ergangenen Schreiben von Klasnic zu entnehmen ist. Diese Haltung empört die unabhängige Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt (Mutter und Tochter hatten sich an die Plattform gewendet): „Das widerspricht der Gesetzeslage und ist überdies unmoralisch“, so Obmann Sepp Rothwangl.

Waisenkind von Nonnen verprügelt

Josefine Fs. Leben stand unter einem schwierigen Stern. Sie wurde 1941 geboren, ihre Eltern sind früh gestorben. Mit vier kam sie ins Kinderheim, weitere folgten. Übel erging es ihr im Wiener Neudorfer katholischen Erziehungsheim "Unserer lieben Frau von der Liebe zum Guten Hirten", in das sie im Alter von 14 Jahren kam. Dort wurde ihr von den Nonnen Gewalt angetan: sie musste mit Büchern auf ihren ausgestreckten Armen stramm stehen und wurde geschlagen, wenn diese hinunterfielen.

Zu Oral- und Analverkehr genötigt

Eines Tages sperrte sich der Pfarrer mit ihr in eine Kammer und missbrauchte sie. Ein anderes Mal steckte er ihr eine Altarkerze in den After. Als Josefine vor Schmerz schrie, ohrfeigte er sie. Die Schwestern seien wohl eingeweiht gewesen, meinte Josefine später gegenüber der Klasnic Kommission. Gegenüber Waisenkindern hatten Pädophile damals leichtes Spiel. Der wiederholte Missbrauch blieb nicht ohne Folgen: Während der Heimzeit beging sie mehrere Selbstmordversuche, später litt sie an Panikattacken, hatte Angst vor Männern, vor der Dunkelheit und wenn es an der Tür läutete.

Kommission handelt nicht gesetzeskonform

Als sie diese Erlebnisse 2019 - also im Alter von 78 Jahren - zu Protokoll gab, wurde ihr von Seiten der Kommission eine Entschädigung zugesichert, doch das Prozedere verzögerte sich. Als sie einige Monate später aufgrund einer schweren Erkrankung starb, erhob ihre Tochter Anspruch auf die Entschädigungszahlung, da diese ihre traumatisierte Mutter unterstützt hatte. Doch die Kommission lehnte ab - unverständlich für Opfer-Anwalt Roman Schliesser: "Im Zivilrecht sind Schadenersatzansprüche genauso vererblich, wie sonstige Ansprüche auch. Die Klasnic-Kommission behauptet tatsachenwidrig, dass gemäß der Judikatur entschädigt wird. Dies ist umso befremdlicher, als in dieser Kommission auch hochrangige Juristen (Ex-VfGH Präsidentin Bierlein, die Präsidentin des LG für Strafsachen Graz Caroline List und Ex-Jugendgerichtshofpräsident Jesionek Mitglieder sind", kommentiert er diese Vorgangsweise.

Bierlein soll aus untragbarer Kommission ausscheiden

Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt kennt dieses Spiel bereits. "Offensichtlich will die Kirche bei Entschädigungsansprüchen von Missbrauchsopfern auf Zeit spielen, um Kosten durch das Versterben der Opfer zu sparen. Das ist beschämend und eine Detschn für alle Betroffenen. Übergangskanzlerin Bierlein ist nach wie vor Mitglied der Klasnic-Kommission. Bierlein soll das nicht länger mittragen und ihre Funktion zurücklegen”, fordert Rothwangl.

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