GLOBAL 2000 warnt vor Bemühungen der Gentechnik-Industrie EuGH-Urteil zu lockern.

Warum CRISPR auch ein Jahr nach dem EuGH-Urteil noch als Gentechnik zu bezeichnen ist

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Wien/Brüssel (OTS) - Der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 wurde ein Leitfaden der Gentechnik-Industrie für die Kommunikation zu CRISPR zugespielt. Diese gefährliche Gentechnik-Technologie soll mit sprachlichen Tricks aus der Gentechnik-Richtlinie 2001/18 rausgeschummelt werden.

Vor einem Jahr, am 25. Juli 2018, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) klar entschieden: Neue gentechnische Verfahren wie CRISPR sind als Gentechnik einzustufen und entsprechend der EU-Gentechnik-Richtlinie 2001/18 zu regulieren. Das Urteil stützt sich auf das in der Richtlinie verankerte Vorsorgeprinzip, das dazu dient, Schaden von der Umwelt oder der menschlichen Gesundheit fern zu halten. Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 warnt vor Bemühungen der Industrie, diese Regulierung zu lockern oder aufzulösen.

"Das EuGH-Urteil hat den Lobby-Bestrebungen der Gentechnik-Industrie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es ist aber das beste, was uns für den Schutz der Umwelt und unser aller Gesundheit passieren konnte.", erklärt GLOBAL 2000 Gentechnikexpertin Heidemarie Porstner. Bereits vor dem Urteil gab es seitens der Gentechnik-Industrie massive Bemühungen, CRISPR und Co. von der Gentechnik-Regulierung fernzuhalten. Sie entwickelten irreführende Begriffe, um davon abzulenken, dass es sich bei CRISPR um Gentechnik handelt. Jetzt versucht die Industrie mit diesen sprachlichen Tricks ihre neuen Verfahren aus der Richtlinie wieder herauszulösen. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat sich anlässlich des Jahrestags des EuGH-Urteils die Kommunikationsstrategie der Gentechnik-Industrie angesehen, die hinter diesen Vorstößen steckt.

Ablenkmanöver durch irreführende Begriffe
Ein Kommunikations-Leitfaden, der GLOBAL 2000 zugespielt wurde, bietet Einblick in die Strategie der Industrie. Verfasst wurde er von der International Seed Federation (ISF). Unter dem Dach des weltweiten Verbandes befinden sich namhafte Gentechnik-Konzerne wie Bayer-Monsanto, Syngenta, Dow Agroscience oder DuPont Pioneer.

Der Leitfaden bildet die Basis für eine breit angelegte Offensive der Gentechnik-Lobby, möglichst viel Positives über die Techniken zu erzählen. Zahlreiche Behauptungen und Versprechen in Bezug auf CRISPR, die seither kursieren, finden ihren Ursprung in genau dieser Kommunikationsstrategie. Über neue Begriffe soll darüber hinaus davon abgelenkt werden, dass es sich bei CRISPR und ähnlichen Verfahren um Gentechnik handelt. Nach dem Motto: Was nicht Gentechnik heißt, muss auch nicht als Gentechnik reguliert werden. Während im Englischen Begriffe wie "Plant Breeding Innovation" etabliert werden sollen, hat sich im Deutschen der Begriff "Neue Pflanzenzüchtungstechniken" verbreitet.

"Die Gentechniklobby hat uns jetzt fast 2 Jahre vorgekaut, dass wir andere Begriffe verwenden sollen, weil sie massive Eigeninteressen damit verfolgen. Sie wollen damit erzielen, dass all diese Techniken nicht als Gentechnik reguliert werden.", beschreibt Porstner die Hintergründe. Die Regulierung unter der EU-Gentechnik-Richtlinie 2001/18 bedeutet Überprüfungen auf Umwelt- und Gesundheitsrisiken, die Absolvierung eines Zulassungsverfahrens und eine verpflichtende Kennzeichnung von Gentechnik-Produkten.

Porstner abschließend: "Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, woher die ganzen tollen Versprechen rund um CRISPR kommen. Die neue EU-Kommission darf sich von ausgeklügelten Kommunikationsstrategien nicht irre leiten lassen. Sie muss sich dringend für den Erhalt der Regulierung der neuen Gentechniken unter der EU-Gentechnik-Richtlinie einsetzen und weiteren Vorstößen der Gentechnik-Industrie Einhalt gebieten."

Den zugespielten Kommunikationsleitfaden finden Sie hier.


Rückfragen & Kontakt:

Manuela Ruzicka, manuela.ruzicka@global2000.at, +43 664 65 793 78
Heidemarie Porstner, Gentechnikexpertin GLOBAL 2000, heidemarie.porstner@global2000.at, +43 699 14 2000 52

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