Urteil gegen Dr. L.: So günstig ist Kinderquälen in der Steiermark

4 Kinder 20 Jahre gequält macht 1000 EUR für jedes verpatze Leben und 4 EUR Strafe pro Tag

Graz/Hartberg (OTS) - Die Teil-Verurteilung des steirischen Arztes Dr. L. ist eine späte erste Genugtuung für dessen Opfer, seine vier mittlerweile erwachsenen Kinder. Auch wenn vieles, was ihnen und anderen angetan wurde, nie weiter untersucht und angeklagt wurde. Wieso es kein Schuldspruch für die nicht-medizinische indizierte Verabreichung von z.B. Morphium erfolgte, und der damit verbundenen Abhängigkeit, ist den Opfern schleierhaft. „Positiv zumindest ist, dass es überhaupt zu einer Verurteilung gekommen ist. Das Strafausmaß selber hätte aber nicht mehr geringer sein können – und ist eigentlich ein Hohn für uns“ so eine Tochter. 4 EUR Tagsatz, bei einem gerichtlich angenommen Immobilienvermögen von EUR 4 MIO ist abenteuerlich. Auch wenn Dr. L. nun angab, von Notstandshilfe zu leben und kein Einkommen, Ausschüttungen etc. aus seinen Immobilien lukrieren würde - was der Richter offenbar geglaubt hat“, so die Kinder. "Der ganze Fall lässt uns eine Art Zwei-Klassen-Justiz vermuten und das Urteil erscheint uns ein extra-mildes Urteil für einen prominenten Täter.“

Unverständlich ist das Strafausmaß auch für Opfer-Anwältin Andrea Peter: „Der Beschuldigte zeigte bis zuletzt keine Reue und keine Einsicht. Er hat seine vier Kinder über 20 Jahre hinweg gequält. Sie leiden bis heute darunter, was auch die gerichtlichen Gutachten belegen. Hier hätte man deutlich höher bestrafen können.“ - „Durch all das, was er uns angetan hat, haben wir längst lebenslänglich bekommen“ sagt eine der Töchter. Ihrer Meinung nach wurde hier ein grausamer Täter mit Samthandschuhen angefasst. Das zeigt allein der Umstand, dass 4 Monate der Freiheitsstrafe wegen des „langen Verfahrens“ abgezogen wurden. (Dr. L. ist der Bruder eines bekannten ÖVP-Nationalratsabgeordneten, worauf auch mehrfach in den Polizeiprotokollen hingewiesen wurde).

Eingeschüchterter Gutachter?
Ein psychiatrischer Gutachter legte wegen der Vielzahl an Interventionen den Auftrag zur Begutachtung von Dr. L´s Opfern, nämlich seinen Kindern, zurück. Nachdem es – durch den medialen Druck - zu Ermittlungen gekommen war, wollte sich dieser Gutachter an die Identität jener, die Interventionen getätigt hatten, nicht mehr erinnern. Auch Hinweise, dass Dr. L. vor einer bevorstehenden Hausdurchsuchung gewarnt wurde, interessierten das Gericht nicht. Dass bei der Hausdurchsuchung in der Ordination von Dr. L. dann nur mehr ein PC mit ausgebaute Festplatte vorgefunden wurde, hat offenbar auch niemanden interessiert.

Manipulierte Zeugen?
Die Gutachterin Dr. Kastner wollte keine höhere Abartigkeit bei Dr. L. feststellen und meinte, er sei nur innerhalb seiner Familie „auffällig“, obwohl auch eine ehemalige Ordinationsmitarbeiterin ihn massiv belasteten. Drei Zeugen, die Dr. L. gegenüber der Polizei massiv belastet hatten, wirkten vor Gericht eingeschüchtert und relativierten ihre Aussagen, obwohl letztere auf einem Tonband festgehalten war.

Dr. L.s erschreckendes Tagebuch
Auch Dr. L.s Tagebuch wollte der Richter nicht als Beweismittel akzeptiert. Dort schrieb Dr. L. am 3.11.86: "Ich habe keine Liebe in mir. Allen die fröhlichen Herzens sind tun mir weh. Ich beneide sie, aber ich verachte sie – die lieben können. In mir ist das Böse. Ich bin böse. Ich bin der Hass. Ich kann nicht lieben...Gott schenke meiner Mutter den gerechten Lohn. Auch mir, diesem dreckigen Schwein – nein ich bin nicht würdig mich so zu nennen (...)“

Und ein Mord ohne Täter
Sonderbar sind außerdem die Umstände, unter denen Dr. L.´s Nachbar starb: Er wurde mit Dr. L.s nicht registrierter Waffe ermordet. Die Polizei vor Ort interessiert sich nicht für den Besitzer der Waffe. Erst durch die Unnachgiebigkeit der Tochter des Ermordeten konnte gezeigt werden, dass es sich hier nicht um Suizid, sondern um Mord handelte. Dr. L. wurde nur äußerst einsilbig zum Verbleib seiner Waffe befragt, geschweige denn in U-Haft genommen.

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Trailer: https://vimeo.com/347281735


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