Österreichweite Umfrage zeigt: Der Bedarf an Hebammen ist hoch, aber nicht optimal gedeckt

Die Tatsache, dass 12,2 Prozent der befragten Eltern keine Hebammenleistungen in Anspruch genommen haben, weil sie keine Hebamme finden konnten, gibt zu denken und weist darauf hin, dass der Bedarf hoch, aber zurzeit nicht immer optimal gedeckt ist.
Beate Kayer, Vorstandsmitglied des Österreichischen Hebammengremiums
Damit es eine ausreichende Versorgung der Mütter nach der Geburt zu Hause gibt, brauchen wir mehr Kassenhebammen. Vor allem für jene Frauen, die sich keine Wahlhebamme leisten können. Gerade bei ungeplant früher Entlassung aus dem Krankenhaus sollte auch die Nachbetreuung durch Hebammen mit Kassenvertrag gesichert werden
Beate Kayer, Vorstandsmitglied des Österreichischen Hebammengremiums

Wien (OTS) - Wissen Paare, die ein Kind erwarten, über das Leistungsangebot von Hebammen Bescheid? Wann zwischen Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett planen sie, eine Hebamme in Anspruch zu nehmen? Wie einfach ist es, eine Hebamme zu finden und werden die Erwartungen und Bedürfnisse an die Versorgung durch das Angebot gedeckt? Von Februar bis März 2019 war der Fragebogen auf hebammenumfrage.at online. Nun liegen die Antworten von 8.183 Frauen und Männern vor, die bereits Kinder haben, aktuell ein Kind erwarten oder einen Kinderwunsch hegen.

Hebammen sind Ansprechpartnerinnen Nummer Eins

Werdende Eltern wünschen sich die Begleitung durch eine Hebamme. 90 Prozent der 8.183 Befragten gaben an, Hebammenleistungen in Anspruch nehmen zu wollen oder bereits in Anspruch genommen zu haben. Bei Fragen rund um das Neugeborene - zum Stillen, zur Ernährung und Pflege - sind Hebammen für 88,7 Prozent der Befragten die ersten Ansprechpartnerinnen, gefolgt von Freunden und Familie (59,6 Prozent) und KinderärztInnen (54 Prozent). Die Zufriedenheit der Befragten mit der Betreuung durch ihre Hebamme ist groß. 91,9 Prozent würden Hebammenbegleitung weiterempfehlen.

„Es ist wichtig, dass Schwangere und vor allem Wöchnerinnen und Neugeborene in ganz Österreich einfachen Zugang zur Versorgung durch Hebammen, d.h. durch medizinisches Fachpersonal, haben. Der hohe Nutzen einer solchen Versorgung im Bereich der Geburtshilfe ist durch zahlreiche Studien belegt“, sagt Beate Kayer, Vorstandsmitglied des Österreichischen Hebammengremiums, „Die Tatsache, dass 12,2 Prozent der befragten Eltern keine Hebammenleistungen in Anspruch genommen haben, weil sie keine Hebamme finden konnten, gibt zu denken und weist darauf hin, dass der Bedarf hoch, aber zurzeit nicht immer optimal gedeckt ist.

Hebammen-Betreuung vor allem im Wochenbett benötigt

Im Wochenbett, also in den ersten acht Wochen nach der Geburt, ist die Hebamme für die Mutter und das Neugeborene von besonderer Bedeutung. In dieser Phase würden 87,6 Prozent der Befragten eine Hebamme zu Rate ziehen bzw. haben dies bereits getan. Während der Schwangerschaft ist sie für 77,8 Prozent der Befragten eine relevante Vertrauensperson. Als wichtigste Leistungen einer Hebamme werden Hausbesuche im Wochenbett (91,7 Prozent), die Geburtsvorbereitung (89,6 Prozent) und die Begleitung bei der Geburt (87,4 Prozent) genannt.

Versorgungsdefizite in einigen Bundesländern

Aus den Umfrageergebnissen ist zu erkennen, dass sich die Suche nach einer Hebamme nicht immer einfach gestaltet. Fast ein Drittel (28,7 Prozent) aller Befragten bezeichnet die erfolgreiche Suche nach einer betreuenden Hebamme als schwierig, 5,8 Prozent gar als sehr schwierig. Aussagekräftig sind auch die Antworten jener Befragten, die zum Zeitpunkt der Erhebung gerade schwanger waren oder deren Partnerin ein Kind erwartet. Die Versorgung durch eine Hebamme tatsächlich sicherzustellen, empfinden 41,2 Prozent als schwierig, 8,1 Prozent meinen, sie sei sehr schwierig.

Hebammenbetreuung als Kassenleistung ist für viele Eltern in Österreich von großer Bedeutung. Unter den Befragten hatten 820 keine Hebamme zur Begleitung. In dieser Erhebungsgruppe gaben 12,7 Prozent an, dass sie sich keine Hebamme leisten können oder konnten. Weitere 33,0 Prozent meinten, dass sie nicht wussten, dass die Krankenkasse für einzelne Hebammenleistungen aufkommt. „Damit es eine ausreichende Versorgung der Mütter nach der Geburt zu Hause gibt, brauchen wir mehr Kassenhebammen. Vor allem für jene Frauen, die sich keine Wahlhebamme leisten können. Gerade bei ungeplant früher Entlassung aus dem Krankenhaus sollte auch die Nachbetreuung durch Hebammen mit Kassenvertrag gesichert werden“, weist Beate Kayer auf ein Versorgungsdefizit im Wochenbett hin, das in einigen Bundesländern wie z.B. dem Burgenland, der Steiermark, Salzburg, Wien und Vorarlberg in gravierendem Ausmaß besteht.

Weitere Informationen:

Fokus Kind Medien, MAM Babyartikel und Hebplus initiierten gemeinsam die bislang größte österreichweite Umfrage zum Hebammenberuf unter (werdenden) Eltern, mit Unterstützung des Österreichischen Hebammengremiums. Die Ergebnisse der Befragung von 8.183 TeilnehmerInnen zeigen, dass Hebammen ­– noch vor Familie, FreundInnen und ÄrztInnen – als wichtige AnsprechpartnerInnen rund um die Geburtshilfe fungieren. Der vollständige Bericht zur Umfrage steht online unter hebammenumfrage.at zur Verfügung.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichisches Hebammengremium
Elli Schlintl
PR-Beauftragte
+43 699 15050700
elli.schlintl@hebammen.at

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