Lebensgefährliche Übersetzungen aus dem Springer Verlag

Berufsverband vergibt ÜbeLsetzungspreis 2019

Wien (OTS) - Der renommierte Springer Verlag wollte, wohl mit den besten Intentionen, seinen Beitrag zum schwierigen Alltag in der Pflege leisten und gab eine Sprachfibel unter dem Titel „Dolmetscher für Pflegende“ heraus. Damit soll Pflegenden die Kommunikation mit fremdsprachigen PatientInnen erleichtert werden. Das Problem: Die zahlreichen Übersetzungen sind weitestgehend unbrauchbar. „Die Jury hat diesem haarsträubenden Werk den ÜbeLsetzungspreis für die katastrophalste Übersetzung des Jahres 2019 verliehen,“ sagt dazu María Palma, Generalsekretärin von UNIVERSITAS Austria, Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen. „Es wurde auf eine Mischung aus minimal Sprachkundigen und maschineller Übersetzung gesetzt – mit verheerendem Ergebnis. Und das bei einem Verlag, der sich hohe Qualität auf die Fahnen heftet.“

Etwa strotzt der Text vor Grammatik- und Tippfehlern, es fehlen diakritische Zeichen, es werden wiederkehrende Termini stets anders übersetzt, es finden sich derbe Ausdrücke – wie etwa „Arsch“ im Spanischen –, die vorgeschlagenen Formulierungen pendeln zwischen der Du- und Sie-Form, im Russischen wird die „Patientenverfügung“ zum rätselhaften „medizinischen Testament“ und Medikamente werden durch andere als in der deutschen Version ersetzt. Im Spanischen werden aus Inkontinenzvorlagen kurzerhand Schuheinlagen, im Portugiesischen wird der Verbandwechsel bei Wunden zu einem Wechsel des Vereins. In der „serbokroatischen“ Version werden die Antithrombose-Strümpfe schlicht zu „Socken“ und es werden für Laien unverständliche Fachbegriffe vorgeschlagen. Besonders negatives Highlight: In einigen Sprachen wird empfohlen, vor der Operation lediglich keinen Alkohol zu trinken – eine Falschübersetzung für das im Deutschen mehrdeutige „nüchtern“. Der Hinweis auf das Verbot jeglicher Nahrungsaufnahme fehlt, was bei einer OP gravierende Folgen haben kann.

Hilfestellung zur Erleichterung der mehrsprachigen Kommunikation im medizinischen Alltag, wenn keine DolmetscherInnen zur Verfügung stehen, ist äußert begrüßenswert. Aber: „Wer sich an dieses Büchlein hält, gefährdet im schlimmsten Fall Leib und Leben und macht sich im allerbesten Fall lächerlich,“ unterstreicht Dagmar Jenner, die Präsidentin des Verbandes. UNIVERSITAS Austria ruft den Springer Verlag dringend auf, dieses verunglückte Buch vom Markt zu nehmen. Gerne stehen die professionellen ÜbersetzerInnen, die im Verband Mitglied sind, für eine überarbeitete Neuauflage des Buches zur Verfügung.

Der Berufsverband UNIVERSITAS Austria mit über 800 Mitgliedern ist die größte Interessensvertretung von DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen in Österreich. Seit bald 65 Jahren setzt er sich für bessere Rahmenbedingungen der Berufsausübung, Information der Öffentlichkeit über das Berufsbild, Professionalisierung und ständige Weiterbildung der Mitglieder ein.

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