Sexualpädagogik: Grenzüberschreitung als Lösungsmodell

Wien (OTS) - Die aktuelle parlamentarische Diskussion, professionelle Sexualpädagogik an Österreichs Schulen verhindern zu wollen, indem Expertinnen aus den Schulen verdrängt werden, zeigt in erschreckendem Ausmaß, dass hier reaktionäre Politik auf dem Rücken von Kindern und von Pädagog*innen ausgetragen wird. Gerade in einer Zeit, wo sexuelle Inhalte aus Internet und Medien ungefiltert auf Kinder und Jugendliche nahezu aller Altersklassen treffen, braucht es kompetente Antworten von Fachpersonen, die aufgrund ihrer Ausbildung befähigt sind, über sexuelle Themen mit Jugendlichen ernsthaft, respektvoll und unaufgeregt reden zu können. Es kann nicht sein, dass Lehrer und Lehrerinnen in den Schulen zusätzlich zu den vielen Herausforderungen, die zunehmend auf Pädagog*innen zukommen, auch noch dieses sensible Thema übernehmen sollen.

Gerade eine "weltanschaulich neutrale" und nicht von persönlichen Meinungen, Werthaltungen und Ideologien getragene Sexualpädagogik, die sich an der ressourcenorientierten Unterstützung der Eigenverantwortung einer Zielgruppe orientiert, ist dann gewährleistet, wenn ausgebildete Fachleute junge Menschen professionell begleiten und bezüglich unterschiedlichster Fragestellungen fundierte und fachlich jederzeit argumentierbare Informationen vermitteln können. Dazu braucht es interdisziplinäre Kompetenzen: biologisches, medizinisches, sexualwissenschaftliches, psychologisches, gruppendynamisches, pädagogisches, medienkundliches, didaktisches und methodisches Knowhow.

Die Arbeit von Lehrkräften zu diesem Themenfeld ist sehr zu begrüßen und kann unterstützend sein, so sie respektvoll und untendenziös erfolgt, eine transparente Auseinandersetzung ermöglicht und eine oftmals heterogene Lehrer*innen-Schüler*innen-Vertrauensbeziehung differenziert und reflektiert genutzt wird. Allen Fragen und Anliegen junger Menschen professionell und inhaltlich fundiert zu begegnen ist jedoch von dieser Seite nicht möglich, nicht zuletzt, weil die oben genannten Kompetenzen in pädagogischen und auch psychosozialen Ausbildungen nicht themenspezifisch vertiefend vermittelt werden. Unerlässlich ist damit die Arbeit externer Fachleute, die nicht nur auf alle Fragen eine professionell fundierte Antwort haben, sondern auch ihren Status als klassenfremde Personen außerhalb des schulischen Bewertungssystems nutzen, um im Hinblick auf besonders intime und verunsichernde Fragen junger Menschen zur Verfügung zu stehen. Die Nähe zu Bezugspersonen macht viele Themen möglich andere jedoch unmöglich, damit unterscheidet sich der Möglichkeitsrahmen von Lehrkräften und externen Sexualpädagog*innen. Unzählige Lehrkräfte und Schulen schätzen, fordern und fördern deshalb die Zusammenarbeit mit außerschulischen Expert*innen seit vielen Jahren, sowohl in der Begleitung von Schüler*innen, als auch in der supervisorischen Unterstützung von Eltern und Pädagog*innen.

Das Curriculum eines einzelnen Vereins, dessen Veröffentlichung fragwürdige Inhalte transparent gemacht und damit den Stein des generalisierten In-Frage-Stellens des Berufsbildes Sexualpädagogik ins Rollen gebracht hat, darf nicht ursächlich sein für die Vernichtung eines ganzen Berufsstandes und damit das Brachliegen wertvoller Kompetenzen.

„Das Wegfallen externer Sexualpädagogik an Schulen gefährdet eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, da viele relevante Themen zur Sexualität nicht von notengebenden Bezugspersonen besprochen werden können. In meiner Funktion als Leiterin der Opferschutzgruppe im AKH und als Sexualmedizinerin bin ich täglich mit den Auswirkungen der Tabuisierung von Sexualität konfrontiert. Ein Verbot externer Sexualpädagogik leistet der Tabuisierung dieses Themas Vorschub.“

(Ass.Prof. Dr. Daniela Dörfler, AKH Wien)

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