Beiträge zu Wohnbauprojekten nicht ausreichend als Werbung gekennzeichnet

Wien (OTS) - Nach Meinung des Senats 1 des Presserats verstoßen fünf Beiträge zu Wohnbauprojekten, erschienen am 10.10.2018 in der Rubrik „Wohnen Wien/NÖ“ in der Tageszeitung „OE24“, gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

In den Beiträgen werden verschiedene Wohnbauprojekte vorgestellt, wobei jeweils auch Kontaktdaten der Bauträger angegeben werden. Im Beitrag mit dem Titel „Neu in Bau und Planung“ werden etwa unter dem Zwischentitel „Traumhafte Erstbezüge im Eigentum“ sieben Wohnungen im 23. Bezirk folgendermaßen beschrieben: 55-92 m², alle mit Freiflächen und einem Tiefgaragenplatz im Kaufpreis inkludiert, Niedrigenergiebauweise, Echtholzparkett, Solaranlage, Gemeinschafts-SAT-Anlage, elektrische Senkrechtmarkisen etc, bezugsfertig.

In einem weiteren Beitrag mit der Überschrift „Eigentumswohnungen in grüner Ruhelage“ wird berichtet, dass 50 neue Eigentumswohnungen „unweit des Nationalparks Donau-Auen“ entstehen. Zu Beginn des Artikels wird der Name des Wohnbauprojekts genannt und angemerkt, dass hier moderne Singlewohnungen, Familienresidenzen, Penthäuser mit Terrassen oder Balkonen sowie Gartenwohnungen für ganzjährig entspannte Lebensqualität für Jung und Alt verwirklicht werden. Die Lage der Wohnungen wird damit beschrieben, dass man „[u]mgeben von vielen Grünflächen […] trotzdem eine gute Verbindung in die Wiener Innenstadt“ habe, und „mit der U-Bahn-Linie U2 (Station Aspernstraße) in wenigen Minuten ins Zentrum“ gelange. „Trotz der gesuchten Grünruhelage“ seien „Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten und öffentliche Verkehrsmittel fußläufig erreichbar.“

Im Beitrag mit dem Titel „Jetzt Rendite sichern – die neue Jägerstraße 58“ wird über ein Projekt von „192 freifinanzierten Eigentumswohnungen“ berichtet; im Anriss heißt es: „Beste Infrastruktur, kurze Wege und modernes Flair im aufstrebenden Bezirk“. Das „Baurechtsmodell als Alternative zu steigenden Immobilienpreisen“ zeige „große Akzeptanz der Interessenten“ – nur 40 Wohnungen seien noch erhältlich. Es würden „Wohnungen für jeden Bedarf und jeden Geschmack“ angeboten, bei der Gestaltung sei „großer Wert auf Wohnkomfort und Helligkeit gelegt“ worden.

Die Medieninhaberin hat im Verfahren eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Darin bringt sie vor, dass die „Einschaltung“ „Neu in Bau & Planung“ mit dem Hinweis „Angebot“ gekennzeichnet und zur Unterscheidung von redaktionellen Beiträgen in einer anderen Schriftart abgedruckt und mit gelber Farbe hinterlegt sei. Die übrigen Beiträge seien aus der Perspektive der Meinungsäußerungsfreiheit uneingeschränkt zulässig.

Der Senat hält zunächst fest, dass es den Lesern möglich sein muss, zwischen (bezahlter) Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden zu können. Die Medieninhaberin hat in Ihre Stellungnahme selbst eingeräumt, dass es sich beim Beitrag „Neu in Bau & Planung“ um eine Werbeeinschaltung handelt. Die Kennzeichnung als „Angebot“ reicht nach Ansicht des Senats nicht aus, um diesen Beitrag hinreichend als Werbung zu kennzeichnen. Dies gilt auch für die farbliche Hinterlegung und den Abdruck in einer anderen Schriftart, weil in der Zeitung auch andere redaktionelle Beiträge auf eine vergleichbare Art und Weise farblich hinterlegt und teilweise ebenfalls in derselben Schriftart gestaltet sind.

In den vier weiteren Beiträgen werden die verschiedenen Wohnprojekte völlig unkritisch und unreflektiert präsentiert. Der Senat erkennt weder eine entsprechende sachliche redaktionelle Aufbereitung noch die erforderliche journalistische Distanz. Die Sprache und die Formulierungen klingen wie aus einer Werbebroschüre. Der Werbecharakter wird durch die Angabe der jeweiligen Kontaktdaten der Bauträger verstärkt. Der Senat stuft daher auch diese Beiträge als Werbeeinschaltungen ein. Eine Kennzeichnung als „Werbung“, „Anzeige“ oder „entgeltliche Einschaltung“ ist in keinem der vier Beiträge erfolgt, auch das Schriftbild oder das optische Erscheinungsbild unterscheidet sie nicht von den redaktionellen Artikeln der Zeitung.

Daraus ergibt sich, dass bei allen der fünf zu prüfenden Beiträge gegen das Gebot, redaktionelle Beiträge von Werbung zu trennen, verstoßen wurde (siehe die Punkte 3 und 4 des Ehrenkodex). Werbung wurde hier wie objektive und unabhängige Berichterstattung aufbereitet.

Der Senat fordert die betroffene Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig in der Tageszeitung „OE24“ zu veröffentlichen.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall führte der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der Tageszeitung „OE24“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht.

Die Medieninhaberin der Tageszeitung „OE24“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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