Zeitgemäßes Denkmal Seeklause Steeg am Hallstätter See

Grundlagenstudie von Wasserbauexperten zeigt Lösungen für die Zukunft des einzigartigen technischen Denkmals im UNESCO-Welterbe

Wien (OTS) - Für die Seeklause Steeg am Hallstätter See sind technisch machbare und denkmalverträgliche Lösungen möglich. Eine Grundlagenstudie und Diskussionen von Fachexperten vor Ort zeigen Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich Hochwasserschutz und Automatisierung auf.

Bedeutung der Seeklause

Die Seeklause Steeg am Hallstätter See ist ein weltweit einzigartiges technisches Denkmal und Teil des UNESCO-Welterbes ‚Hallstatt-Dachstein / Salzkammergut Kulturlandschaft‘. Seit mehr als 500 Jahren wird damit der Wasserstand des Hallstätter Sees und der Traun unterhalb des Sees geregelt – damals, um flussabwärts die Salzschifffahrt zu ermöglichen.

Aufgrund ihres Alters sowie durch Hochwassersituationen in den letzten Jahren wurde die Seeklause als ‚nicht zeitgemäß’ gedeutet. Auch bestanden Ansinnen einer kompletten Neukonzeption zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Zur Erhaltung dieses weltweit einzigartigen technischen Denkmales sind Lösungen gefordert, die auf der Basis des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes den historischen Bestand mit den heutigen Anforderungen verknüpfen.

TICCIH Austria, die österreichische Sektion des internationalen Denkmalrates für technische Denkmäler, initiierte und begleitete eine Grundlagenstudie zur Abflussregulierung durch die Seeklause Steeg am Hallstätter See. Ende 2018 diskutierten Fachexperten vom Gewässerbezirk Gmunden, dem Land Oberösterreich, dem Bundesdenkmalamt sowie von TICCIH Austria die in der Studie vorgeschlagenen Maßnahmen hinsichtlich deren Umsetzbarkeit. Nun einigte man sich auf die nächsten Schritte zur Erhaltung dieses weltweit einzigartigen Bauwerkes bei gleichzeitiger Adaptierung an die heutigen Anforderungen hinsichtlich Hochwasserschutz und Automatisierung.

Grundlagenstudie zur Abflussregulierung der Seeklause

Die Ideen zur Grundlagenstudie stammen von ICOMOS Österreich und TICCIH Austria. Um die Vereinbarkeit von historischem Denkmal und heutigen Anforderungen auszuloten und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wurde die Konzeptstudie zur Abflussregulierung mittels Seeklause durch die WasserbauexpertInnen DI Swantje Dettmann und Univ.Prof. Dr. Stephan Theobald (Universität Kassel) erstellt und Ende 2018 präsentiert. Darin erfolgte die Analyse von fünf Hochwasserereignissen zwischen 2002 und 2013. Darauf aufbauend wurden mögliche Maßnahmen wie beispielsweise Vorabsenkung des Seestandes aufgrund Vorhersagen oder Maßnahmen zur Erhöhung der Abflusskapazität und Vereinfachung des Betriebes untersucht. Diese Vorschläge untersuchten nun Fachexperten vom Gewässerbezirk Gmunden, dem Land Oberösterreich, dem Bundesdenkmalamt sowie von TICCIH Austria hinsichtlich Umsetzbarkeit unter den Gesichtspunkten der Erhaltung dieses technischen Denkmales von weltweit außergewöhnlichem Wert. Nach einer Besichtigung der Seeklause Ende 2018 wurden nun gemeinsam die weiteren Schritte erörtert und festgelegt.

Die Studie wurde durch die österreichische UNESCO-Kommission sowie der oberösterreichischen Landesregierung finanziert. In Kürze kann die Untersuchung auf der Internetseite der österreichischen UNESCO-Kommission eingesehen werden.

Maßnahmenvorschläge zur Verbesserung des Hochwasserschutzes

Von den vorgeschlagenen Maßnahmen werden nun die Machbarkeit einer weiteren Eintiefung der bestehenden automatischen Wehrklappe sowie deren Verbreiterung in das linke Vorland im Detail weiter untersucht. Ebenfalls weiter untersucht wird der Vorschlag zur Automatisierung des Schließvorgangs der historischen Tore der Seeklause mittels eines verdeckt eingebauten Schließmechanismus; diese werden in Abstimmung mit dem Denkmalamt nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die anderen vorgeschlagenen Maßnahmen sind derzeit aufgrund der aufgezeigten geringeren Wirksamkeit zum Hochwasserschutz zunächst zurückgestellt. Entsprechend der Grundlagenstudie ist für eine Gesamtbetrachtung ebenfalls zu berücksichtigen, dass es zu keiner Verschärfung der Hochwassersituation für die Unterlieger kommt.

Für die Zukunft der Seeklause im UNESCO-Welterbe

Alle Akteure sind sich einig, dass das gemeinsame Ziel sowohl die Erhaltung der Seeklause als auch die Sicherstellung der heutigen Anforderungen wie beispielsweise des Hochwasserschutzes sein muss. „Mit der Grundlagenstudie, der Analyse der vorgeschlagenen Maßnahmen und der nunmehrigen Einleitung der weiteren Vorgangsweise sind nun wichtige Schritte für die Erhaltung dieses weltweit einzigartigen technischen Denkmales gemacht worden - als auch die Einbeziehung und Sicherstellung eines Hochwasserschutzes am See. Die Grundlagenstudie zeigt, dass auch mit einem technischen Denkmal zeitgemäße Anforderungen erfüllt werden können.“ fasst Günter Dinhobl von TICCIH Austria zusammen.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Günter Dinhobl
"TICCIH Austria - österreichischer Denkmalrat für das kulturelle Erbe von Industrie und Technik"
c/o Univ. f. Bodenkultur, Institut f. Landschaftsarchitektur
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