- 04.06.2019, 11:10:58
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„Alte Heimat Kärnten“ – Ein Roadmovie von Friedrich Orter
Am 6. Juni um 21.05 Uhr in ORF 2 in „Menschen & Mächte“
Utl.: Am 6. Juni um 21.05 Uhr in ORF 2 in „Menschen & Mächte“ =
Wien (OTS) - Genau vor 100 Jahren, am 6. Juni 1919, besetzten Truppen
des Königreichs Jugoslawien die Stadt Klagenfurt, um ihre
Gebietsansprüche auf die slowenischsprachigen Teile Süd- und
Südostkärntens neuerlich militärisch durchzusetzen. Auf Befehl der
Siegermächte mussten sie sich jedoch wieder zurückziehen. Die
Besetzung Klagenfurts war der Höhepunkt bewaffneter Konflikte
zwischen den Kärntner Abwehrkämpfern und dem Königreich der Serben,
Kroaten und Slowenen um die Südgrenze.
100 Jahre nach dem Kärntner Abwehrkampf, dem geschichtsträchtigen
Mythos der Kärntner Seele, begibt sich der ehemalige
ORF-Kriegsreporter Friedrich Orter in der „Menschen &
Mächte“-Dokumentation „Alte Heimat Kärnten“ am Donnerstag, dem 6.
Juni 2019, um 21.05 Uhr in ORF 2 auf Spurensuche in seine eigene
Heimat. Er reist in der Beiwagenmaschine eines alten Motorrads,
gesteuert von Heinz Schottak. Optisch dokumentiert und visualisiert
vom international tätigen Kameramann Stephan Mussil. Ein sehr
persönlich gehaltenes Roadmovie mit tiefen Einblicken in ein Land,
das alten Klischees heute nicht mehr entspricht, auch wenn der
Kärntner Historiker Hellwig Valentin im ORF-Interview meint: „Es
fehlt in Kärnten ein selbstbewusstes Bauern- und Bürgertum, es fehlt
auch eine selbstbewusste Arbeiterschaft, möglicherweise eine Folge
der wirtschaftlichen Schwäche des Landes.“
Orter, seit seiner Wiener Studienzeit ein „Karawanken-Flüchtling“,
trifft in den Orten seiner Jugend auf ein auch mental verändertes
Land, das mit verklärter Deutschtümelei nicht mehr viel anzufangen
weiß. In seiner engeren Heimat, dem Lavanttal, besucht Orter mit
seinem ehemaligen Schulkollegen Peter Simonischek das Stiftgymnasium
St. Paul, in dessen Konvikt der 2016 mit dem „Europäischen Filmpreis“
Ausgezeichnete seine ersten Bühnenauftritte feierte.
In die Welt der Kärntner Ausnahmedichterin Christine Lavant führt die
Schauspielerin Brigitte Karner, eine gebürtige Völkermarkterin.
Nach den polarisierenden Haider-Jahren herrscht im Land, wo man laut
Landeshymne „mit Blut die Grenze schrieb“, ein neues Klima, wie die
offen zur Schau gestellte Eintracht ehemals politischer Gegner
bestätigt. Marjan Sturm, der langjährige Obmann des Zentralverbandes
slowenischer Organisationen in Kärnten, sagt heute: „Die große Masse
will keinen Streit mehr. Ich merke schon, wenn ich auf die Straße
gehe, gibt es einen großen Unterschied. Vor 20 Jahren habe ich
gemerkt, wenn Blicke töten könnten, wäre ich einige Tode gestorben.“
Zu diesem Stimmungswandel trug auch die 2011 ausgehandelte Lösung des
Ortstafel-Konflikts wesentlich bei. „Natürlich wird es immer
Randgruppen geben, die mit dem Weg der Versöhnung nicht einverstanden
sind“, meint der Obmann des Kärntner Heimatdienstes, Josef Feldner,
heute gemeinsam mit Marjan Sturm Proponent eines Versöhnungswerks.
Der Abwehrkampf, der von Kärntnerinnen und Kärntnern mitgetragene
Überfall Hitler-Deutschlands auf Jugoslawien 1941, die Annexion von
Teilen Sloweniens an Kärnten, die Verfolgung der slowenischen
Minderheit und der Partisanenkrieg – die Aufarbeitung dieser zum Teil
verdrängten Geschichte hat begonnen.
Über seine „Alte Heimat Kärnten“ und deren Verwandlungsprozesse
führte Friedrich Orter auch Gespräche mit dem Maler Manfred
Bockelmann, dem Bruder von Udo Jürgens, aber auch mit dem
österreichischen Spitzendiplomaten Wolfgang Petritsch, dem jungen
Zeithistoriker Alexander Verdnik, dem Film- und Theaterregisseur
Bernd Liepold-Mosser, dem Autor Josef Winkler, der Schriftstellerin
Anna Baar und dem Komponisten und Saxofonvirtuosen Edgar
Unterkirchner.
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