37. Wiener Landtag (2)

Aktuelle Stunde zum Thema „Neue Lernräume für Wiener Kinder“

Wien (OTS/RK) - Das Thema der aktuellen Stunde hatte diesmal die SPÖ eingebracht, es lautete „Neue Lernräume für Wiener Kinder“.

„Wien wächst“, sagte LAbg Heinz Vettermann (SPÖ). Damit würden zahlreiche Herausforderungen einhergehen. Damit Bildung weiterhin möglich ist, würde die Stadt für mehr Räumlichkeiten sorgen: Wien habe sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 100 zusätzliche Klassen zu schaffen. Es gebe zudem bereits sechs Bildungscampus-Standorte, bis 2023 würden insgesamt 14 realisiert werden. Im Bildungscampus gebe es ein Cluster-Prinzip: Die Vernetzung von Kindergarten-, Schul- und Freizeitpädagogik an einem zentralen Standort würde die Bildungsqualität steigern, sagte Vettermann. Die Stadt schaffe neben neuen Schulklassen auch Turnsäle, multifunktionale Räume, eine vielfältige Nachmittagsbetreuung, Jugendzentren und vieles mehr – „Davon profitiert Wien“, betonte Vettermann. Die Stadt schaffe die notwendigen materiellen Voraussetzungen für kindgerechte Pädagogik, damit qualitative Bildung in Wien glückt. Ziel sei ein offenes und selbstorganisiertes Lernen in den Wiener Schulen, so Vettermann.

LAbg Mag. Bettina Emmerling, MSc (NEOS) pflichtete ihrem Vorredner Vettermann (SPÖ) bei: Die Stadt würde auf das Bevölkerungswachstum in Wien reagieren und den notwendigen Schulausbau umsetzen. Zu kritisieren sei die Verteilung des Bildungsangebots in der Stadt: „Eltern suchen sich ihren Wohnort oft nach einer guten Schule aus“, sagte Emmerling und wies auf eine „schlechte soziale Durchmischung über alle Schulen hinweg“ hin. In Döbling etwa gebe es dreimal so viele Allgemeinbildende höhere Schulen wie in der Donaustadt. Zudem hätte die „Neue Mittelschule“ in Wien ein „schlechtes Image“. Die Bildungschancen müssten hier „gerechter verteilt werden“, sagte Emmerling. Ferner forderte sie mehr SchulpsychologInnen und –therapeutInnen.

LAbg Sabine Schwarz (ÖVP) begrüßte die laufende Sanierung und Erweiterung von Wiener Schulgebäuden. Sie kritisierte allerdings, dass die Bauarbeiten bei laufendem Schulbetrieb stattfinden würden. Als Beispiel nannte sie einen Schulzubau in einer Volksschule in der Vorgartenstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk. Man müsse beachten, dass Bildungseinrichtungen – auch während einer Sanierung – die „besten Voraussetzungen fürs Lernen bieten“. Dazu würden neben Unterrichtsklassen auch ausreichend Freiflächen und Turnsäle zählen, sagte Schwarz.

LAbg David Ellensohn (Grüne) sagte, aufgrund der steigenden Geburtenrate in Wien brauche es auch entsprechend mehr Lehrpersonal. „In Wien herrscht ein beeindruckendes Tempo bei den Maßnahmen, um das Bevölkerungswachstum zu stemmen“, sagte Ellensohn. Es würden etwa laufend neue Bildungscampus-Standorte gebaut, unter anderem in der Berresgasse und in Atzgersdorf. Zudem lobte er den Anteil an AHS-SchülerInnen in Wien: Dieser sei höher als in allen anderen Bundesländern. Ellensohn sagte, die Politik müsse sich mehr mit dem beschäftigen, was die Kinder und Jugendlichen in Wien brauchen, und verwies auf die aktuellen Klima-Demos. „Denn: Geht’s den Kindern gut, geht’s uns allen gut“, betonte Ellensohn.

LAbg Maximilian Krauss (FPÖ) meinte, die rot-grüne Stadtregierung hätte im Bereich Schulausbau bereits vor zehn Jahren tätig werden müssen, „und nicht erst jetzt“. Dem Cluster-Prinzip der Bildungscampi fehle eine „grundlegende Voraussetzung, und zwar, dass die Schüler ein und dieselbe Sprache sprechen“, sagte Krauss. Aufgrund von fehlenden Deutschkenntnissen hätten SchülerInnen oft Probleme beim Lesen und würden ihren Schulabschluss nicht schaffen. Ferner kritisierte Krauss, dass die Stadtregierung mehr in Berufsschulen investieren müsse: Die SchülerInnen würden dort oft nicht gut ausgebildet – das sei Schuld der rot-grünen Politik.

LAbg Mag. Ursula Berner, MA (Grüne) sagte: „Deutschklassen sind sinnlos.“ Kinder würden die deutsche Sprache im gemeinsamen Unterricht mit anderen Kindern lernen. Die Schule müsse ein demokratisierter Ort bleiben, wo gesellschaftlicher Diskurs stattfinden könne. Das SchülerInnenparlament habe erst kürzlich das Recht auf Streik gefordert, sagte Berner. Sie kritisierte die Bundesregierung darin, die Finanzierung im Bildungsbereich reduziert zu haben: „Jedes Jahr muss Wien streiten, damit der Bund uns genügend Ressourcen und Personal im Bildungsbereich zur Verfügung stellt.“

LAbg Dr. Wolfgang Aigner (FPÖ) merkte an, dass sich die Kinder und Jugendlichen vor allem in ihrer Schulzeit für Klimathemen interessieren würden: „Ich bin gespannt, ob es die Klima-Demos in den Sommerferien genauso geben wird“, sagte Aigner. Er widersprach seiner Vorrednerin: Es sei offensichtlich, dass das Deutschlernen im Unterricht selbst nicht funktionieren würde. Deutschklassen seien wichtig, „um sich in allen Unterrichtsfächern zurecht zu finden“, sagte Aigner. Im baulichen Bereich sei „einiges weitergegangen“, aber im Klassenzimmer selbst herrsche Wiener LehrerInnen zufolge „ein Kulturkampf“. Die Stadtregierung müsse sich der Realität bewusst werden, und LehrerInnen in Wien mehr unterstützen, damit „Vorkommnisse wie jene aus der Ottakringer HTL nicht mehr möglich sind“.

LAbg Christian Deutsch (SPÖ) sagte, die Stadt gebe Antworten auf die Bedürfnisse der wachsenden Wiener Bevölkerung: Als Beispiel nannte er die Wohnbauoffensive, durch die leistbarer Wohnbau in den Bezirken geschaffen werde. Gleichzeitig führe die Stadt unter anderem das Ausbauprogramm für Pflichtschulen weiter. Damit ziele die Stadt auf eine „möglichst wohnortnahe Versorgung“ ab. Er kritisierte ein fehlendes Schulentwicklungspaket auf Bundesebene: Die Bildungsdirektion hätte bereits vor über einem Jahr ein diesbezügliches Konzept mit Vorschlägen für Erweiterungsprojekte und Neubauten ausgearbeitet. „Geschehen ist bisher nichts, die Bundesregierung ist hier nach wie vor untätig.“

(Forts.) exm

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