Burschenschafter ehren Nazi-Soldaten an Uni-Wien

Deutscher Rechtsextremer hält geschichtsrevisionistische Totenrede am 8.Mai

Polizei und Verfassungsschutz lassen diese rechtsextremen Umtriebe nicht nur Woche für Woche zu, sondern untersagen auch noch antifaschistischen Protest dagegen. Selbst ausgewiesene Journalist_innen wurden wiederholt an der Dokumentation des völkischen Aufmarsches gehindert
Lena Köhler, Vorsitzteam der ÖH Uni Wien
Burschenschaften sind reaktionäre Männerbünde, die in der Tradition des völkischen Antisemitismus stehen. Auch personell dienen die Burschenschaften als Scharnier zwischen dem parlamentarischen Rechtsextremismus der FPÖ und dem Neonazismus.
Magdalena Taxenbacher, Vorsitzteam der ÖH Uni Wien
Als Vertretung aller Studierenden finden wir eine solche Rede auf dem Boden der Universität Wien untragbar. Am 8.Mai und an jedem anderen Tag. Gerade an diesem geschichtsträchtigen Datum stellt ein solcher Geschichtsrevisionismus eine offene Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus dar, die nicht hinzunehmen ist
Sandra Velebit, Vorsitzteam der ÖH Uni Wien

Wien (OTS) - Am 8. Mai gedenken wir der Befreiung vom Nationalsozialismus, dem Ende einer siebenjährigen Schreckensherrschaft, die Millionen Menschen den Tod brachte. Doch nicht für alle ist dieser Tag ein Grund zu Feiern: Für ewiggestrige Burschenschafter ist der 8.Mai ein Tag der Trauer, der Niederlage. Sie veranstalteten gestern Mittag ein „Totengedenken“ auf der Rampe der Universität Wien. Dabei gedachten sie nicht etwa der Opfer des Holocaust – sondern betrauerten die Täter des Nationalsozialismus und heroisierten ihr Handeln. Und das in aller Öffentlichkeit unter dem Schutz der Polizei.

Seit vielen Jahren versammeln sich die Burschenschaften jeden Mittwoch an der Universität Wien, um ihre reaktionäre Ideologie zur Schau zu stellen. „Polizei und Verfassungsschutz lassen diese rechtsextremen Umtriebe nicht nur Woche für Woche zu, sondern untersagen auch noch antifaschistischen Protest dagegen. Selbst ausgewiesene Journalist_innen wurden wiederholt an der Dokumentation des völkischen Aufmarsches gehindert“, kritisiert Lena Köhler vom Vorsitzteam der ÖH an der Universität Wien das Hofieren von Rechtsextremen.

Dass die Burschenschaften diese Bühne nun für ihre Geschichtsverzerrung genutzt haben, zeigt einmal mehr die Kontinuitäten auf, die sie verkörpern: „Burschenschaften sind reaktionäre Männerbünde, die in der Tradition des völkischen Antisemitismus stehen. Auch personell dienen die Burschenschaften als Scharnier zwischen dem parlamentarischen Rechtsextremismus der FPÖ und dem Neonazismus.“, erklärt Magdalena Taxenbacher vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien.

Die Totenrede der Burschenschafter, die von der Plattform "Presseservice Wien" dokumentiert wurde, ist hierfür exemplarisch. Sie war eine einzige Überhöhung der Soldaten von Wehrmacht und SS und damit eine Heroisierung der Täter des Nationalsozialismus. So ehrte der Redner mit expliziter Bezugnahme auf den letzten Bericht der Wehrmacht zu Kriegsende die „Leistungen und Opfer der deutschen Soldaten zu Wasser, zu Land und in der Luft“. Diese hätten getreu ihrem „Eid im höchsten Einsatz für sein Volk für immer Unvergessliches geleistet“ und würden dafür „in einem späteren gerechten Urteil der Geschichte ihre endgültige Würdigung der Geschichte finden“. Die Rede diffamierte weiters die Feierlichkeiten zum endgültigen Sieg der Alliierten über die NS-Truppen als „kleine aggressive hasserfüllte Minderheit, die Freudenfeste feiert und auf den Gräbern unserer Gefallenen tanzt.“ Zum Ende der Rede wurde das Vermächtnis der gefallenen Wehrmachtssoldaten zum Auftrag für die Zukunft erklärt.

„Als Vertretung aller Studierenden finden wir eine solche Rede auf dem Boden der Universität Wien untragbar. Am 8.Mai und an jedem anderen Tag. Gerade an diesem geschichtsträchtigen Datum stellt ein solcher Geschichtsrevisionismus eine offene Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus dar, die nicht hinzunehmen ist“, zeigt sich Sandra Velebit vom Vorsitzteam der ÖH an der Universität Wien empört und fordert die Universität Wien auf, dieses völkische Treiben im Zukunft zu unterbinden.

Dass derzeit diverse Burschenschafter in den Ministerien sowie im Parlament und damit an den Schaltkreisen der politischen Macht sitzen, verdeutlicht die Bedrohung, die von diesen rechtsextremen Seilschaften ausgeht. „Umso unglaubwürdiger ist es, wenn Vizekanzler Strache, selbst deutschnationaler Burschenschafter, heuer ein Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus heuchelt, hielt er doch vor Jahren selbst beim Trauermarsch der Deutschnationalen die Totenrede für die gefallenen Soldaten.“, stellt Bini Guttmann von der Jüdischen österreichischen Hochschülerschaft (JÖH) klar und betont, dass ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nur ohne der FPÖ möglich ist.

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