• 25.04.2019, 09:18:53
  • /
  • OTS0026

ÖAMTC testet Nachrüstlösungen für Lkw-Abbiegeassistenten (+Fotos, +Grafik, +Video)

Technik funktioniert, Verantwortung liegt jetzt bei Politik, Lkw- und Busunternehmen

Utl.: Technik funktioniert, Verantwortung liegt jetzt bei Politik,
Lkw- und Busunternehmen =

Wien (OTS) - Weil es beim Aufeinandertreffen von Lkw und Bussen mit
ungeschützten Verkehrsteilnehmern immer wieder zu gefährlichen
Situationen kommt, hat der ÖAMTC gemeinsam mit seinen Partnern die
Leistungsfähigkeit von vier nachrüstbaren Abbiegeassistenten
untersucht. Das Fazit: Die Systeme sind in der Lage, ungeschützte
Verkehrsteilnehmer zu erkennen und einen Unfall zu verhindern. "Auch
wenn nicht jeder Assistent in jedem Szenario gleich zuverlässig
arbeitet, erfüllen alle vier getesteten Systeme die Voraussetzungen,
die etwa in Deutschland gelten, um eine Förderung für die Nachrüstung
zu erhalten", fasst Gerhard Blümel, Lkw-Experte des ÖAMTC, zusammen.

ÖAMTC-Test zeigt: Radar mit Vorteilen gegenüber Ultraschall

Im ÖAMTC-Test besonders überzeugt hat das Nachrüst-System AAS von
MEKRA Lang. Blümel erklärt: "Die Kombination aus Radarsensor und
Kamera-Monitor-System hat sich als sehr zuverlässig erwiesen. Diese
Technologie kann mehrere stationäre und bewegliche Objekte
gleichzeitig erfassen und differenzieren und es kam auch bei den
Versuchen im realen Verkehrsgeschehen zu keiner Fehlauslösung."

Auch die Nachrüst-Lösungen Mobileye Shield+ und LUIS Technology Turn
Detect funktionierten im Test zufriedenstellend. "Das System von
Mobileye beobachtet mit zwei Kameras das Verkehrsgeschehen und warnt
den Fahrer mittels optischen Signals auf der A-Säule. Errechnet die
Software eine bevorstehende Kollision, gibt es zusätzlich eine
akustische Warnung", erklärt Blümel. Die Rate der Fehlauslösungen lag
bei rund sechs Prozent. Der Abbiegeassistent von LUIS Technology
verfügt über eine Kamera und einen Monitor in der Fahrerkabine, auf
dem ungeschützte Verkehrsteilnehmer im Gefahrenbereich rot
hervorgehoben werden. Ist das beim Abbiegevorgang der Fall, wird der
Fahrer auch akustisch gewarnt. Hier lag die Rate der Fehlauslösungen
bei rund 22 Prozent.

Am Abbiegeassistenten von Wüllhorst Fahrzeugbau/EDEKA zeigten sich
hingegen die Schwächen von Ultraschallsensoren: Mit fast 60 Prozent
Fehlauslösungen schnitt das System in der realen Straßensituation am
schwächsten ab. "Diese Technologie kann nicht zwischen ungeschützten
Verkehrsteilnehmern und Objekten wie Ampeln unterscheiden. Auch wenn
ein Monitor dem Fahrer bei der Identifizierung hilft, bindet eine
solche Fehlerrate zu viel Aufmerksamkeit und schadet der Akzeptanz
des Systems", sagt Blümel.

Serienausstattung und Nachrüstung – beides kann noch heuer
beginnen

Die EU sieht die verpflichtende Serienausstattung mit
Abbiegeassistenten erst spätestens ab 2022 in allen neuen
Fahrzeugtypen und ab 2024 in allen Neufahrzeugen vor. Aus Sicht des
Mobilitätsclubs bedeutet das allerdings nicht, dass die
Lkw-Hersteller bis dahin warten müssen. "Eine Typisierung von Lkw mit
neuen Abbiegeassistenten sollte nach jetzigem Kenntnisstand ab
Oktober 2019 möglich sein. Bis dahin werden voraussichtlich die
genauen Spezifikationen stehen, die die Systeme ab 2022 erfüllen
müssen. Somit steht einer freiwilligen Serienausstattung, die noch
heuer beginnen kann, nichts entgegen", erklärt ÖAMTC-Direktor Oliver
Schmerold.

Was die Nachrüstung des Fahrzeugbestandes betrifft, wurde eine
entsprechende Förderung von Verkehrsminister Norbert Hofer bereits
zugesagt. Nun geht es darum, die Regeln festzulegen, wie die Frächter
und Busunternehmen dazu kommen – die Kosten liegen bei den getesteten
Nachrüstsystemen zwischen ca. 800 und 2.500 Euro (dazu kommen noch
die Kosten für den Einbau). "Aus unserer Sicht könnte man sich dabei
im Wesentlichen an der Förderrichtlinie des deutschen
Verkehrsministeriums orientieren. Dann liegt es in der
Eigenverantwortung der Transport-Unternehmen. Rein technisch steht
einer Nachrüstung der Lkw- und Busflotten in Österreich nichts mehr
im Wege", sagt Schmerold.

Unabhängig davon erneuert der Mobilitätsclub seinen beim
Lkw-Sicherheitsgipfel vorgebrachten Wunsch, das Thema "toter Winkel"
verstärkt in die Praxisinhalte der Berufskraftfahrer-Weiterbildung
aufzunehmen, die 2020 novelliert wird. "Generell wird nur ein
gesamtheitlicher Ansatz zum Erfolg führen, wenn man die Zahl der
Opfer des toten Winkels reduzieren will", so der ÖAMTC-Direktor.
Neben dem möglichst flächendeckenden Einsatz von Abbiegeassistenten,
den der Mobilitätsclub nach wie vor auch auf nationaler Ebene
fordert, sollten Kampagnen, Förderungen und
Verkehrssicherheitsprogramme zur Bewusstseinsbildung beitragen.

Aviso an die Redaktionen: Eine Übersicht der getesteten Systeme, den
Versuchsaufbau sowie Fotos und ein Video zu diesem Thema gibt es
unter www.oeamtc.at/presse bzw. auf Anfrage an
[email protected].

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OCP

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel