Ein Viertel bis ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in Österreich sind armuts- und ausgrenzungsgefährdet!

Die Österreichischen Kinderschutzzentren beziehen Stellung zum aktuellen Bericht „Fokus Jugend“ des ÖIF - Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien.

Max hasst Schifahren – immer schon, sagt er. Und wird deshalb von der Schiwoche durch seine Eltern entschuldigt. Lisa hat leider so gut wie nie Zeit zu einem Geburtstagsfest ihrer Freundinnen zu gehen. Samuel hat wieder den Beitrag für den Ausflug vergessen und lässt die Schelte der Lehrerin einmal mehr über sich ergehen. Karin darf mit ihren dünnen Schuhen nicht zum Ausflug in den nasskalten Wald mit. Und den Snack, den jeder zur Party mitbringen soll, hat Franz auch diesmal nicht dabei. Und nein, ein Treffen mit den Jungs bei ihm zu Hause erlauben seine Eltern auch heute nicht. Außerdem hat er heute Kopfschmerzen und legt sich lieber nieder.

Der aktuelle Bericht „Fokus Jugend des ÖIF“ beziffert die Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung von Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren mit 21-26%. Diese mehreren hunderttausend Kinder sind von einer schlechteren Gesundheitsvorsorge betroffen oder haben weniger gute Bildungschancen.

Sie leiden vor allem unter großen Einschränkungen in sozialen, Freizeit- und kulturellen Belangen.

Viele dieser Kinder haben enormen Stress ihre Armut zu kaschieren, nehmen lieber immer wieder Rügen von LehrerInnen in Kauf, als ihre Eltern um das Geld für die Klassenkasse zu bitten. Eltern stellen aus Angst vor Stigmatisierung keine Anträge über Elternvereine oder sonstige Fördermöglichkeiten. Jugendliche vermeiden Treffen mit FreundInnen, weil sie sich schämen, nichts konsumieren zu können oder nichts zur Party mitbringen zu können. Von dem Besuch eines Sportkurses oder eines Instrumente-Unterrichts ganz zu schweigen.

Das Nicht-Teilhaben oder -Teilnehmen-Können schließt Kinder von zentralen kindlichen Lebensbereichen aus und schränkt Kontakte und Beziehungen ein. Die Gefahr ausgegrenzt und isoliert zu werden, ist drastisch erhöht. In der Folge läuft, wer in der Schule nicht dazu gehört, Gefahr die Schule vorzeitig abzubrechen, weil die Einsamkeit innerhalb einer Gruppe nicht auszuhalten ist. Diese Belastungen sind massiv und können zu Beeinträchtigungen des emotionalen, sozialen, somatischen und physischen Wohlbefindens führen.

Kinderarmut ist für DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN eine Form struktureller Gewalt:
„Die Entwicklungs- und Lebenschancen von einem Viertel bis einem Fünftel aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren werden strukturell behindert oder gar verhindert“.

Die Kinderschutzzentren verweisen diesbezüglich auch auf den neuen Entwurf des Sozialhilfegesetzes, das direkt und indirekt gerade die Unterstützungsleistungen für Kinder und insbesondere Kinder aus Mehrkindfamilien drastisch reduziert.

Wir feiern heuer 30 Jahre Kinderrechte und trotzdem ist die Existenzgrundlage vieler Kinder und Jugendlichen gefährdet. Kinder, egal welcher Nationalität sie angehören und welchen Aufenthaltsstatus sie haben, haben ein Recht auf Teilhabe in unserer Gesellschaft!

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DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN
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Martina Wolf
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