Oberkirchenrat Schiefermair zum Ethikunterricht: „Erwarte keinen Kampf um die Schülerinnen und Schüler“

Evangelische Kirchenleitung begrüßt neue Regelung

Wien (OTS) - Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair sieht im von der Bundesregierung präsentierten „Ethikunterricht“ keine Konkurrenzsituation zum schon bestehenden Religionsunterricht. „Ich erwarte keinen Kampf um die Schülerinnen und Schüler“, sagte der in der in der evangelischen Kirchenleitung für Bildungsfragen zuständige Oberkirchenrat im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Schiefermair begrüßt die Einführung von Ethik als Pflichtfach für Schülerinnen und Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden, für ein allgemeines Pflichtfach Ethik sieht er keine Notwendigkeit. „Junge Menschen versäumen in Sachen Ethik nichts, wenn sie in den evangelischen Religionsunterricht gehen“, ist der Oberkirchenrat, der selber viele Jahre im Religionsunterricht und als Fachinspektor tätig war, überzeugt.

Zu wenig ausgebildetes Personal

Kritisch beurteilt Schiefermair den Beginn der schrittweisen Einführung für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ab dem Herbst 2020: „Es ist nicht möglich, auf wirklichem Lehramtsniveau in kürzester Zeit Menschen für so ein wichtiges Fach auszubilden.“ Aktuell gebe es jedenfalls noch zu wenige qualifizierte Lehrpersonen. Immer wieder aufkommende Kritik, dass auch ReligionslehrerInnen Ethik unterrichten dürften, lässt der Oberkirchenrat nicht gelten: „Ich wüsste keine Situation, in der man es Religionslehrerinnen und -lehrern verbieten würde – weil sie solche sind – nach entsprechender Ausbildung auch Ethikunterricht anzubieten. Das wäre eine krasse Diskriminierung.“

„‚Die‘ Ethik gibt es nicht“

Den wesentlichen Unterschied von Religions- und Ethikunterricht erkennt Schiefermair in der Betonung des normativen Charakters von Religion: „Uns ist klar, dass das Christentum für uns nicht nur Schaffer der Kultur ist, in der wir leben, sondern auch gelebt werden will, heute und jetzt, und wir der Überzeugung sind, dass das der richtige Weg ist.“ Zugleich sei der Ethikunterricht nicht frei von Normativität, deren primäre Säule bildeten hier aber die Menschenrechte. Unglücklich ist Schiefermair mit dem Namen „Ethikunterricht“, da er suggeriere, es gebe eine konkrete Ethik, die gelehrt würde. „‚Die‘ Ethik gibt es nicht. Es gibt verschiedene Ethiken, wie es verschiedene Religionen gibt.“ Schiefermair hätte daher den Namen „Ethik und Religionskunde“ präferiert, da eben auch Religionen in den Blick genommen werden sollen.

Auch wenn Schiefermair künftig keinen Kampf um die SchülerInnen zwischen Ethik- und ReligionslehrerInnen erwartet, sieht er vor allem an Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) eine organisatorische Herausforderung: „Wenn hier der Ethikunterricht eine günstigere Stundenposition bekommt als der Religionsunterricht, dann kann man die Schülerinnen und Schüler verstehen, die diesen Unterricht besuchen und nicht den ganz am Rande gelegenen Religionsunterricht. Da kann es sein, dass diese eine Stunde an den BMHS für uns auch noch wegfällt.“


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