Stichwort: Apostolischer Nuntius

Die Diplomaten des Papstes haben eine Doppelfunktion als Gesandte bei der Ortskirche und Botschafter bei einem Staat - In Wien ist der Nuntius auch Doyen des Diplomatischen Corps

Wien (KAP) - Der Apostolische Nuntius ist in Doppelfunktion Gesandter des Papstes bei einer Ortskirche und zugleich Botschafter bei einem Staat oder einer öffentlichen Autorität. Als Mittelsmann des Papstes soll er in erster Linie die Verbindung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Kirche seines Gastlandes halten und stärken. Zudem soll er nach den Normen des internationalen Rechts das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den Staatsautoritäten pflegen, Staat-Kirche-Fragen behandeln und etwa durch Konkordate oder andere Vereinbarungen regeln.

Seit dem 17. Jahrhundert stehen Apostolische Nuntien für gewöhnlich im Rang eines Titularerzbischofs. Der Nuntius wird dabei vom Papst in sein Gastland nicht als Botschafter des Vatikanstaats, sondern des Heiligen Stuhls entsandt, dem weltweit als Völkerrechtssubjekt anerkannten Leitungsorgan der katholischen Weltkirche. Er ist den Botschaftern weltlicher Mächte gleichgestellt, genießt wie diese diplomatische Immunität und Ex-Territorialität seines Amtssitzes. Wie alle Diplomaten muss er durch Überreichung eines Beglaubigungsschreibens an das jeweilige Staatsoberhaupt akkreditiert werden. Pflegt ein Gesandter des Papstes nur den Kontakt zu den kirchlichen Institutionen und Personen in einem Land, so heißt er Apostolischer Delegat.

In Österreich und vielen anderen Ländern ist der Papstbotschafter auch Doyen des Diplomatischen Corps. In dieser Ehrenfunktion spricht er bei offiziellen Anlässen - in Wien etwa beim traditionellen Diplomaten-Neujahrsempfang des Bundespräsidenten - als Vertreter der in einem Land akkreditierten Diplomaten und vertritt insbesondere die Interessen der kleineren Staaten. Dieses Ehrenrecht eines Nuntius geht auf den langen Streit der Staaten darüber zurück, wem der erste Platz einzuräumen sei. Man löste dies durch das "Wiener Abkommen", in dem man dem Vertreter des Papstes dieses Vorrecht einräumte.

Bei Verhandlungen mit staatlichen Stellen ist der Nuntius laut dem Kirchenrecht gehalten, die Ortsbischöfe um Rat zu fragen und über den Verhandlungsverlauf zu informieren. Zu seinen innerkirchlichen Aufgaben gehört es, den Vatikan über die Lage der Ortskirche zu informieren und die Bischöfe des Landes zu unterstützen. Zudem soll er auf gute Kontakte zu anderen Kirchen und Religionen hinwirken und sich für Frieden und das weltweite Gemeinwohl einsetzen.

Wichtige Rolle bei Bischofsbesetzungen

Eine zentrale innerkirchliche Rolle kommt dem Nuntius bei der Ermittlung von Kandidaten für das Bischofsamt zu. Er muss Informationen über geeignete Kandidaten einholen und bei einer anstehenden Ernennung durch den Papst in Rom einen Dreiervorschlag vorlegen. Zusammen mit seinem eigenem Votum teilt der Nuntius dem Heiligen Stuhl mit, was der Metropolit und die einzelnen Diözesanbischöfe der Kirchenprovinz (zu der die zu besetzende Diözese gehört) vorschlagen, ebenso hat er das Votum des Vorsitzenden der Bischofskonferenz einzuholen. Darüber hinaus werden auch die Meinungen der Mitglieder des jeweiligen Domkapitels und - nach Auswahl durch den Apostolischen Nuntius - auch die von Welt- und Ordenspriestern sowie von Laien einzeln und geheim eingeholt.

Die Nuntiatur in Wien begründete Papst Clemens VII. im Jahr 1529, als er Erzbischof Vincenzo Pimpinella zu seinem Vertreter am Wiener Hof von Ferdinand I. ernannte. Der spanische Vatikandiplomat Erzbischof Pedro Lopez Quintana ist der 14. Apostolische Nuntius in der Republik Österreich bzw. - die Nuntien am Kaiserhof in Wien eingerechnet - der 89. Nachfolger von Erzbischof Pimpinella.

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