„kulturMontag“ am 4. März zum Weltfrauentag

Junge Frauen, die die Welt verändern, eine mögliche Frauenquote am Theater und „The Happiness Machine“

Wien (OTS) - Rund um den Weltfrauentag stehen im „kulturMontag“ mit Martin Traxl am 4. März 2019 um 22.30 Uhr in ORF 2 starke Frauen im Mittelpunkt. Greta Thurnberg, Malala Yousafzai und Emma González sind drei junge Frauen, die wichtigen Themen ihre Stimme geben und damit für Aufmerksamkeit sorgen. Mehr Frauen in leitenden Funktionen am Theater wünschen sich zahlreiche Künstlerinnen und Künstler. Kann eine Frauenquote helfen und ist diese in der Kulturwelt überhaupt möglich? Und wie zehn Filmemacherinnen und elf Komponistinnen mit ihrer „The Happiness Machine“ für insgesamt drei Stunden Glück sorgen, erzählt Jacqueline Kornmüller live im Studio. Anschließend an das Magazin steht eine neue Folge der zehnteiligen Dokureihe „CineKino“ über das Filmland „Frankreich“ (23.30 Uhr) auf dem Programm.

Pippis neue Freundinnen – Mädchen als Mahnerinnen

Sie sind selbstbewusst und mutig, unangepasst und eigenständig und trotz ihres zarten Alters haben sie ein ziemlich ausgeprägtes Verantwortungsgefühl – ganz so wie Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf. Doch anders als die Heldin aus Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker agieren jene junge Damen im Hier und Jetzt. Die eine kämpft für den Klimawandel, die andere für Bildung, die Dritte gegen Waffengewalt an Schulen. Greta Thunberg, Malala Yousafzai oder Emma González heißen sie. Sie alle sind Mädchen, die als Galionsfiguren die Weltpolitik kräftig aufmischen. Die Geschichte der 16-jährigen Schwedin Greta Thurnberg liest sich wie ein modernes Märchen. Das Mädchen mit den Zöpfen pfeift auf Konventionen wie die Schulpflicht, pilgert lieber zum Weltwirtschaftsforum nach Davos und redet der versammelten Politelite schonungslos zum Thema Klimawandel ins Gewissen. Eine andere junge Mahnerin ist Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, die in ihrem Blog über den Alltag unter der Herrschaft der Taliban in Pakistan schrieb und für das Recht von Bildung für Mädchen eingetreten ist. Oder Emma González, die nach dem Amoklauf an einer US-amerikanischen Schule, den sogenannten Parkland-Shootings, in Richtung Präsident Donald Trump rief: „Schämen Sie sich!“ und damit einen Protestmarsch Hunderttausender Schülerinnen, Schüler und Studierender auslöste. Warum es gerade junge Frauen sind, die diese Worte finden, analysieren die deutsch-österreichische Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow und Birgit Sauer, Gender-Forscherin der Universität Wien.

Frauen auf dem Vormarsch – Wo sind die Chefinnen?

Frauen am Theater – sowohl auf den Spielplänen als auch in leitender Funktion – sind deutlich unterrepräsentiert, wie eine Studie aus Deutschland zeigte. Dort gibt es eine Männerquote von 78 Prozent bei den Intendanzen. Wie schaut es in Österreich aus? Wenn Karin Bergmann das Burgtheater verlässt, werden sämtliche Bundestheater fest in männlicher Hand sein. Bleibt abzuwarten, ob die Nachbesetzung im Volkstheater die Quote etwas verbessern kann. Hoffnung vermitteln die Bundesländer: Mehr als die Hälfte der Landes- bzw. Stadttheater werden von Frauen geleitet. In Deutschland fordert „Pro Quote – Bühne“, eine stetig wachsende Gruppe von Bühnenregisseurinnen, -regisseuren und Theaterschaffenden, eine paritätische Besetzung. Sie fordert eine 50-prozentige Frauenquote in allen künstlerischen Theaterressorts und wird dabei von zahlreichen Menschen aus Kunst, Politik, Medien und Gesellschaft unterstützt. Die Wiener Theaterregisseurin Berenice Hebenstreit hat gemeinsam mit zwei Kolleginnen die größeren österreichischen Bühnen hinsichtlich Geschlechterverhältnis durchforstet und eine Schieflage entdeckt. Die Wissenschafterin Eva Flicker der Universität Wien kommt bei ihrem Film-Gender-Report auf ähnliche Ergebnisse, und Literaturwissenschafterin Daniela Strigl stellt trocken fest:
Überall, wo im Literaturbetrieb Geld zu verdienen ist, sind Männer im Einsatz. 100 Jahre nach der Errungenschaft des Wahlrechts für Frauen, darf Frau hierzulande zwar wählen, von einer Gleichberechtigung scheint man jedoch meilenweit entfernt. Wo geht die Reise hin, nicht nur im Theater, sondern im Kulturbetrieb generell? Kann eine „Quote“ helfen und ist diese in der Kulturwelt überhaupt möglich?

Unbeschreiblich weiblich – „The Happiness Machine“

Volle drei Stunden Glück versprechen zehn Filmemacherinnen und zehn Komponistinnen aus elf europäischen Staaten im Wiener Konzerthaus. „The Happiness Machine“ heißt das Projekt, das sich die deutsche Regisseurin Jacqueline Kornmüller mit dem Klangforum Wien zum Thema Gemeinwohl ausgedacht hat. Sowohl die filmischen als auch musikalischen Auseinandersetzungen beruhen dabei auf Christian Felbers Wirtschaftsmodell der „Gemeinwohl-Ökonomie“, das der österreichische Autor und Tanzperformer als Systemalternative zur kapitalistischen Markt- und Planwirtschaft entwickelt hat. Nach Felber beruht jene auf denselben Verfassungs- und Grundwerten, die unsere Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen. Diese Bewegung ist heute in mehr als 20 Staaten in Europa, Lateinamerika und Afrika aktiv. Die Grundidee einer liberalen wie vollethischen Marktwirtschaft nehmen die Künstlerinnen unter die Lupe und wollen laut darüber nachdenken, wie wir in Zukunft leben wollen.
In ihren Animationsfilmen und Vertonungen stellen sie der kapitalistischen Konkurrenz die Forderung nach Kooperation entgegen. Zehn akustisch-visuelle Projekte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Über die Gier als Antrieb reflektieren etwa Elizabeth Hobbs und Carola Bauckholt in „Die Flunder“, einer Neuinterpretation des Märchens „Der Fischer und seine Frau“. Joanna Kozuch und Ying Wang zeigen in „Music Box“ die Versuche einer Truppe von Zirkusakrobaten, eine perfekte menschliche Pyramide zu gestalten, und Ana Nedeljkovic und Hanna Hartman dekonstruieren in ihrem titelgebenden Knetplastik-Beitrag „The Happiness Machine“ ein Videospiel. Über das glücksversprechende Projekt erzählt Jacqueline Kornmüller live im Studio.

Dokumentation „CineKino – Frankreich“ (23.30 Uhr)

Frankreich und das Kino, das ist eine traditionsreiche und leidenschaftliche Liebesgeschichte, von der seit jeher entscheidende Impulse für das europäische Filmschaffen ausgehen. Eine weitere Folge der internationalen TV-Reihe „CineKino“ präsentiert mit Filmausschnitten, Interviews mit Filmschaffenden und Archivmaterial einen lebendigen Eindruck der Besonderheiten des Filmlandes Frankreich – von der Erfindung des Kinos durch die Brüder Lumière bis zu dessen technischer Erneuerung durch Jean-Pierre Jeunets Welterfolg „Die fabelhafte Welt der Amélie“. „CineKino“ beleuchtet außerdem die Gründung der ersten Filmhochschule Frankreichs, der IDHEC, die berühmte Regisseure wie Louis Malle, Alain Resnais, François Ozon oder Volker Schlöndorff hervorbrachte. Und selbstverständlich dürfen in der „CineKino“-Frankreich-Ausgabe die Schauspielerlegenden Catherine Deneuve, Gérard Depardieu und Pierre Richard nicht fehlen.

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