Kommentar in „Salzburg-Krone“ diskriminiert afrikanische Flüchtlinge

Wien (OTS) - Der Senat 3 des Presserats beschäftigte sich mit dem Kommentar „Jedermann in Salzburg“, erschienen in der Salzburg-Ausgabe der „Kronen Zeitung“ vom 08.07.2018. Nach Auffassung des Senats verstößt der Artikel gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Kommentar wird berichtet, dass in Salzburg oftmals afrikanische Asylwerber an der Alpenstraße zu sehen seien, meist nur junge Männer. Das könne ja auch ein Zufall sein. Auch wenn die karitativen Fans aufschreien: Die „Migrationswelle“ habe den Terror „in unser friedliches Land gebracht“. Noch immer gebe es keinen genauen Überblick, wie viele Menschen von unklarer Identität sich im Land befinden und auch die „Kosten für die sündteuren Quartiere“ würden verschleiert werden. Der Kommentar schließt mit der Frage, wer diese Entwicklung stoppe.

Ein Leser hat sich an den Presserat gewandt und kritisiert, dass der Kommentar die afrikanischen Asylwerber in Salzburg zu Unrecht mit Terror in Verbindung bringe. Die Medieninhaberin hat von der Möglichkeit, am Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.

Der Senat hält zunächst fest, dass es sich hier um einen Kommentar handelt. Die Meinungsfreiheit reicht hier grundsätzlich weit. Dennoch kann es auch in Kommentaren zu irreführenden Darstellungen oder Diskriminierungen von Personengruppen kommen. Im vorliegenden Kommentar ist davon die Rede, dass die Migrationswelle „den Terror in unser friedliches Land“ gebracht habe. Auch wenn einige Personen in Österreich versucht haben, sich dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen, ist es in Österreich bisher zu keinem einzigen islamistischen Terroranschlag gekommen. Die Darstellung im Artikel ist daher nach Meinung des Senats irreführend und verzerrend. Dies widerspricht Punkt 2 des Ehrenkodex, wonach Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in Wiedergabe von Nachrichten und Kommentaren oberste Verpflichtung von Journalistinnen und Journalisten ist. Zudem werden in dem Kommentar afrikanische Asylwerber aus Salzburg in gewisser Weise pauschal mit islamistischem Terrorismus in Verbindung gebracht. Im Kommentar wird zumindest unterschwellig der Eindruck erweckt, dass alle afrikanischen Asylwerber gefährlich sind. Dies kommt einer Diskriminierung dieser Personengruppe gleich (siehe Punkt 7 des Ehrenkodex). Der Senat stellt den Verstoß gegen den Ehrenkodex fest und fordert die Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig in der Zeitschrift „Krone Extra“ bekannt zu geben.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 3 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der „Kronen Zeitung“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht. Die Medieninhaberin der „Kronen Zeitung“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

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