Anti-Missbrauchs-Gipfel: Schöne Worte ohne konkrete Taten lassen die schwere Wunde nicht heilen

Kukacka: Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände (AKV) für umfassende konkrete Maßnahmen

Wien (OTS) - Der Anti-Missbrauchs-Gipfel der katholischen Kirche sei ein notwendiger und dringender erster Schritt zur Überwindung der massiven Vertrauenskrise, die durch die Verbrechen der Missbrauchsfälle und ihre Vertuschung und Verdrängung innerhalb der katholischen Kirche entstanden sind. Sie habe immensen Schaden an ihrer Glaubwürdigkeit angerichtet. Mit diesem Gipfel sei aber endlich ein Anfang zur Bewältigung der Krise gemacht worden, wenngleich das vorläufige Ergebnis – und nur davon kann derzeit gesprochen werden – noch viel zu unbestimmt und vage geblieben ist. Schöne Worte ohne konkrete Taten werden diese schwere Wunde nicht heilen erklärte heute AKV-Präsident Staatssekretär a.D. Helmut Kukacka.

In den nächsten Monaten müssen deshalb die vielen richtigen Vorschläge, die es dazu gegeben hat, konkret in operative Maßnahmen und verpflichtende Richtlinien umgesetzt werden. Papst Franziskus und die Bischöfe sind ab nun gefordert, Klarheit zu schaffen und durch den Beschluss schärferer und verbindlicher kirchenrechtlicher Regelungen gegenüber Tätern und Vertuschern, den Reinigungsprozess voranzutreiben, fordert Kukacka.

Die AKV unterstützt den Vorschlag von Kardinal Reinhard Marx auf weltkirchlicher Ebene für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit durch die Einrichtung kirchlicher Verwaltungsgerichte zu sorgen. Kardinal Marx erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass nach Missbrauchsermittlungen Akten formell vernichtet werden, oder erst gar nicht erstellt wurden und Tätern und Opfern einfach Schweigen auferlegt wurde, sowie festgelegte Verfahren und Prozesse zur Verfolgung der Vergehen außer Kraft gesetzt wurden. Deshalb tritt die AKV für die Einrichtung kirchlicher Verwaltungsgerichte auf Ebene der örtlichen Bischofskonferenzen ein.

Auch eine neue, spezialisierte kirchliche Gerichtsbarkeit für Missbrauchsfälle muss diskutiert werden, damit die Verfahren für Priester nicht verschleppt, sondern schneller erledigt werden. Natürlich brauche es in allen strafrechtlich relevanten Fällen eine intensive Kooperation mit staatlichen und anderen zivilen Behörden und Institutionen, stellte der AKV-Präsident fest. In Frage gestellt werden muss ebenso – auch darauf hat Kardinal Marx hingewiesen –die Anwendung des „päpstlichen Geheimnisses“ bei kirchlichen Prozessen gegen Missbrauchstäter. Es gibt keine nachvollziehbaren und zwingenden Gründe, warum das „päpstliche Geheimnis“ bei der Verfolgung von Missbrauchstaten Anwendung finden müsste. Es wird vielmehr als ein Instrument der Verhinderung von Transparenz und Nachvollziehbarkeit in Missbrauchsfällen verstanden.

Die AKV begrüßt die Aussage von Papst Franziskus bei seiner Abschlussrede, dass die Kirche keine Mühen scheuen wird, alles zu tun was notwendig ist, um jeden Missbrauchstäter der Justiz zu übergeben. Diese Klarstellung sei auch deshalb notwendig, weil noch immer viele hohe Amtsträger weltliche Strafverfahren gegen geistliche Missbrauchstäter als einen Akt der Verfolgung gegen die Kirche betrachten, wie Kardinal Ruben Salazar (Kolumbien) auf dem Gipfel selbstkritisch feststellte.

Um eine umfassende Transparenz zu ermöglichen und der von Papst Franziskus kritisierten Klerikalisierung entgegen zu treten, ist grundsätzlich eine größere Teilhabe von Laien an der Leitung der Kirche zu schaffen.

Die AKV tritt deshalb für eine stärkere Beteiligung von fachlich kompetenten Laien bei der Beurteilung der Rechenschaftspflicht für Bischöfe ein, wofür sich auch die vatikanische Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni ausgesprochen hat. Eine überprüfbare Rechenschaft von Bischöfen wird deren Autorität nicht schmälern, vielmehr wird dies seine Aufgabe als Hirte stärken, weil der Bischof dadurch besser in die Gemeinschaft seiner Ortskirche eingebunden wird. Auch der Vorschlag für das Gebiet jeder Bischofskonferenz unabhängige Gremien, besetzt mit Laien und Klerikern zu schaffen, die Bischöfe beraten und assistieren, muss weiterverfolgt werden, fordert Kukacka.

Dieser Anti-Missbrauchs-Gipfel hat jedenfalls als erstes wichtiges Ergebnis gebracht, dass es innerkirchlich beim Missbrauchsproblem zu einem gemeinsamen Bewusstseinsstand gekommen ist. Beim nächsten notwendigen Schritt – weltweit und in den einzelnen Diözesen gleiche Standards zu erreichen – kommt der Kirche in Österreich, dank der Bemühungen von Kardinal Christoph Schönborn und der bereits umgesetzten Richtlinien der Bischofskonferenz, eine wichtige Vorreiterrolle zu. Was in Österreich Standard beim Opferschutz ist, ist es in vielen anderen Ländern noch nicht. Insofern kann die österreichische Kirche ihre diesbezüglichen Erfahrungen als „Best Practise“ in die Weltkirche einbringen. Insbesondere sei dabei auf die ausschließlich mit Laien besetzte Opferschutzkommission (Klasnic-Kommission) als positives Beispiel verwiesen.

Positiv wertet die AKV auch die Feststellung von Kardinal Schönborn, dass es hinsichtlich der Gewaltenteilung in der Kirche großen Reformbedarf gebe und entsprechende Kontrollmechanismen notwendig sind. Diverse Gremien, wie etwa Bischofsräte oder Pfarrgemeinderäte, seien zwar vorhanden, trotzdem sei die Gewaltenteilung im Sinne von Synodalität noch zu wenig entwickelt. Die AKV teile diese Einschätzung und schlage deshalb einen umfassenden Gesprächs- und Diskussionsprozess zwischen Kirchenspitze und Laien vor, um zu gemeinsamen und umsetzbaren Vorstellungen bei diesem Thema zu gelangen. Die AKV ist jedenfalls gerne dazu bereit, sagt Kukacka.

Im Übrigen war es Kardinal Schönborn der in seiner medialen Stellungnahme nach dem Missbrauchsgipfel den richtigen persönlichen und wertschätzenden Ton für die Opfer gefunden hat. Dieser sollte künftig beispielgebend für die Bewältigung dieser schwierigen Problematik sein, stellte Kukacka fest.

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