• 24.02.2019, 16:17:44
  • /
  • OTS0030

Schönborn: Anti-Missbrauchsgipfel brachte "Qualitätssprung"

Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz zieht positive Bilanz nach viertägiger Kinderschutzkonferenz im Vatikan: "Es geht dem Papst um weltweit verbindliche Standards und deren Überprüfung"

Utl.: Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz zieht
positive Bilanz nach viertägiger Kinderschutzkonferenz im
Vatikan: "Es geht dem Papst um weltweit verbindliche Standards
und deren Überprüfung" =

Rom (KAP) - Der von Papst Franziskus einberufene Kinderschutzgipfel
brachte einen "Qualitätssprung in der Auseinandersetzung mit einem
schweren, sehr belastenden Thema." Das betonte Kardinal Christoph
Schönborn am Sonntag im Interview mit "Kathpress" und zog dabei
insgesamt ein positives Resümee: "Ich habe noch nie eine so offene,
direkte, ehrliche, unverschlüsselte Begegnung erlebt wie in diesen
vier Tagen", so der Wiener Erzbischof. Er habe "Synodalität erlebt",
alles konnte gesagt werden. "Das starke Erlebnis war die große
Einmütigkeit. Es gab keine Parteien, wie man das bei anderen Themen
schon erlebt hat", hielt der Kardinal fest.

Das wichtigste Ergebnis der vier Tage sei gewesen, dass es eine
"gemeinsame Betroffenheit" durch das direkte Hören und Sehen von
Missbrauchsbetroffenen gegeben habe. "Dass die Opfer im Mittelpunkt
stehen, beginnt jetzt wirklich ein gemeinsames Bewusstsein zu
werden." Als direkte Folge daraus sei die Überzeugung nach der
"Verbindlichkeit gemeinsamen Handelns" klar geworden. "Es geht dem
Papst um weltweit verbindliche Standards. Aber wir brauchen nicht nur
diese Standards, sondern auch deren Überprüfung", betonte der
Kardinal. Das dritte Hauptthema des Tagung sei die Prävention
gewesen: "Was wird getan, dass so etwas künftig nicht mehr
geschieht."

Dabei erwartet der Kardinal konkret Vorschläge im Blick auf die
Einhaltung der jetzt schon weltkirchlich verbindlichen Standards im
Kampf gegen Missbrauch: "Es geht auch darum, uns auf nationaler Ebene
zu helfen und uns gegenseitig auf die Finger zu schauen. Wir haben
das in Österreich versucht und praktizieren das auch." Dazu werde es
"sicher in den nächsten Tagen von Rom konkrete Vorschläge geben", so
Schönborn.

Beeindruckt und zugleich nachdenklich gemacht hätten ihn beim Gipfel
Berichte von Bischöfen aus afrikanischen Ländern, wie man in den
dortigen dörflichen Strukturen versuche, ein Zusammenleben von Opfern
und Tätern zu ermöglichen. Dieses schwierige Thema sei nicht dadurch
zu lösen ist, indem man sagt: "Jetzt seid wieder nett zueinander."

Schönborn: "Christliches Verzeihen geht nur, wenn es eine wirkliche
Aufarbeitung von Schuld gegeben hat, eine echte Einsicht, ein
Schuldbekenntnis und eine Wiedergutmachung in irgendeiner Form. Das
andere Extrem wäre die Situation: Da ist das Opfer, da ist der Täter
- und es geht nichts mehr. Beides sind keine Lösungen. Da können und
müssen wir noch lernen."

O-Töne vom Interview mit Kardinal Schönborn in Kürze unter
www.kathpress.at/audio

Aus Anlass des Anti-Missbrauchsgipfels hat Kathpress ein Themenpaket
veröffentlicht, dass laufend aktualisiert wird und unter
www.kathpress.at/anti-missbrauchs-gipfel abrufbar ist.

((ende)) PWU/GPU
Copyright 2019, Kathpress (www.kathpress.at). Alle Rechte vorbehalten

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KAT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel