• 18.02.2019, 09:55:37
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SPÖ NÖ stellte Grundsatzpapier zu gesundheitspolitischen Herausforderungen vor

Miteinander gegen drohenden Ärztemangel

Utl.: Miteinander gegen drohenden Ärztemangel =

St. Pölten (OTS) - Die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zum Thema
„Gesundheit“ stellten heute die stellvertretende
Landesparteivorsitzende der SPÖ Niederösterreich, Landesrätin Ulrike
Königsberger-Ludwig, sowie die Gesundheitssprecherin des NÖ
Landtagsklubs, Landtagsabgeordnete Mag. Karin Scheele, im Rahmen
eines Pressegesprächs vor.

„In den letzten Monaten haben wir uns gemeinsam mit Expertinnen und
Experten hinsichtlich der aktuellen gesundheitspolitischen
Herausforderungen intensiv ausgetauscht“, betonte Königsberger-Ludwig
zunächst. Zwar habe das Bundesland NÖ eine gute medizinische
Versorgung, meinte das zuständige Landesregierungsmitglied für
Gesundheit, trotzdem müsse heute im Miteinander auf bestimmte
Entwicklungen reagiert werden, um morgen noch ein leistungsstarkes
öffentliches Gesundheitswesen zu haben. „Besondere Aufmerksamkeit
wurde deshalb in den Gesprächsrunden dem drohenden ÄrztInnenmangel
gewidmet, sind doch momentan landesweit 15 Kassenstellen für
Allgemeinmedizin nicht besetzt“, erklärte Königsberger-Ludwig.

„Es steht eine Pensionierungswelle in der Allgemeinmedizin an.
Darüber hinaus zeichnen sich zunehmend Nachwuchsprobleme in dieser
Disziplin ab“, skizzierte Königsberger-Ludwig die Situation. 46
Prozent der MedizinerInnen seien derzeit über 50 Jahre alt, 26
Prozent älter als 60 Jahre. „Wenn sich die Prognosen bewahrheiten,
braucht es ein Bündel an Maßnahmen. Das Drehen weniger Schrauben wird
nicht reichen.“ Einzelne Aktionen, wie die Initiative Landarzt, seien
zwar begrüßenswert, aber auch da gebe es bei der Umsetzung noch viel
Verbesserungspotenzial, merkte Königsberger-Ludwig an: „Nach einem
Jahr Projektlaufzeit bloß einen praktischen Arzt zu finden, der fünf
Stunden zusätzliche Versorgung in einer Gemeinde leistet, wo ohnehin
eine Arztpraxis vorhanden ist, muss als bescheidener Erfolg
bezeichnet werden.“

Um kurzfristig mehr junge Ärztinnen und Ärzte für die
Allgemeinmedizin zu gewinnen, sieht Königsberger-Ludwig etwa in der
Forcierung der Primärversorgungszentren einen vielversprechenden Weg.
Zudem würde eine Imagekampagne mit „Role Models“ sowie die Bewerbung
der Lehrpraxen-Regelung keineswegs schaden, zählt Königsberger-Ludwig
weitere Vorschläge aus der Arbeitsgruppe auf. Gleichfalls wurde als
zielführend erachtet, zusätzliche Anreizsysteme zu schaffen, wie die
Verknüpfung der finanziellen Unterstützung von Studierenden mit einer
Verpflichtung, einige Jahre als AllgemeinmedizinerInnen in NÖ zu
praktizieren, oder spezielle Prämien, wenn im ländlichen Raum eine
Arztpraxis eröffnet wird.

Auf lange Sicht sei über die Anzahl der Studienplätze zu diskutieren,
sagte Königsberger-Ludwig, wobei vorerst Maßnahmen gegen die fehlende
Attraktivität des Berufsbildes Allgemeinmedizin höhere Priorität
zukämen. Weitere Punkte, die in Angriff zu nehmen sind, betreffen die
Überarbeitung der Aufnahmeprüfungen an den Medizinunis in Bezug auf
eine stärkere Berücksichtigung sozialer Kompetenzen sowie die bessere
Einbindung neuer Technik in den Ordinationsalltag. Auch wurde die
Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an
öffentlichen Universitäten in den Gesprächen als sinnvoll erachtet,
um die Allgemeinmedizin innerhalb des Medizinstudiums aufzuwerten.“

Landtagsabgeordnete Scheele wies darauf hin, dass die
Sozialdemokratie für ein sachleistungsorientiertes Gesundheitssystem,
in dem sich Menschen nicht selbst Grundleistungen zahlen müssen,
stehe. Die SPÖ Niederösterreich spreche sich deswegen klar gegen eine
Sonderklasse in Spitalsambulanzen aus, hielt Scheele fest: „Fast
Lanes oder Selbstbehalte in Ambulanzen kommen für uns nicht infrage.
Stattdessen befürworten wir eine flächendeckende, dezentrale
Versorgungstruktur, die unter Bedachtnahme der Bedürfnisse in der
jeweiligen Gesundheitsregion zu gewährleisten ist.“

Ein weiteres Thema in der Arbeitsgruppe war die
Leistungsharmonisierung in der Sozialversicherung. Es dürfe
angesichts der Kassenzusammenlegung zu keiner 3-Klassen-Medizin
kommen, unterstrich Scheele, sondern vielmehr müsse das Motto
„Gleiche Leistung für gleiche Beiträge gelten“. Außerdem sei es
notwendig, Wahlärzten verstärkt Angebote zu stellen, um sie wieder
ins Kassensystem zurückholen zu können. Auch die Sorgen des
Gesundheitspersonals müssten entsprechendes Gehör finden. „Damit die
Beschäftigten in den Gesundheitsberufen ihre Arbeit optimal ausüben
und anderen Menschen helfen können, ist sicherzustellen, dass sie
ihre Aufgabe gesund und zufrieden erledigen können. Bestimmte
berufsbedingte Belastungen können verringert werden, wenn
beispielsweise Arbeitsabläufe, Arbeitsanforderungen sowie
Arbeitsumgebung verbessert und optimiert werden“, so Scheele
abschließend.
(Schluss) ha

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