Verfälschtes Bild von Michel Reimon während Demo

Wien (OTS) - Der Artikel „Grünen-Politiker in Salzburger Gipfel-Randale“, erschienen am 21.09.2018 auf „krone.at“, verstößt nach Meinung des Senats 2 des Presserats gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel wird berichtet, dass es während einer Demonstration beim EU-Gipfel in Salzburg offenbar zu einem Zwischenfall mit einem Grünen-Politiker gekommen sei. Einer der Veranstalter habe getweetet, dass beim Protestzug durch die Stadt der EU-Abgeordnete Michel Reimon von einem Polizisten mit einem Schlagstock auf den Vorderkopf geschlagen worden sei. Dem Artikel ist ein Video beigefügt, das ein Foto als Standbild enthält. Dieses Foto zeigt den Grünen-Politiker in einer orangefarbenen Warnweste. Im Hintergrund sind schwarz vermummte Demonstranten mit orangefarbenen Transparenten zu sehen. Offenbar handelt es sich bei dem Foto um eine Montage. Das Original-Foto zeigt Michel Reimon in seiner Alltagskleidung, im Hintergrund sind Polizisten und ein Fotograf zu sehen. Der Chefredakteur von „krone.at“ bezeichnet das bearbeitete Bild als eine „Collage“.

Der Senat merkt zunächst an, dass Fotomontagen grundsätzlich als solche gekennzeichnet werden müssen, um eine Irreführung der Leserinnen und Leser auszuschließen (siehe Punkt 3.3 des Ehrenkodex). Bei drastischen, sinnverändernden Bildbearbeitungen trifft dies ganz besonders zu. Eine entsprechende Kennzeichnung erfolgte hier nicht; die tatsächlichen Verhältnisse wurden verfälscht. Michel Reimon trug weder eine orangefarbene Weste, noch sind auf dem Originalfoto im Hintergrund schwarz vermummte Personen mit orangefarbenen Transparenten abgebildet. Damit liegt gleichzeitig ein Verstoß gegen Punkt 2.1 des Ehrenkodex vor, wonach die gewissenhafte und korrekte Darstellung von Informationen oberste Verpflichtung für Journalisten ist. Anscheinend wollten die Redakteure den Grünen-Politiker gezielt mit vermummten und gewaltbereiten Demonstranten in Verbindung bringen, so der Senat weiter. Dies kommt auch einem Eingriff in den Persönlichkeitsschutz gleich; das Persönlichkeitsbild des Politikers wurde verfälscht (siehe Punkt 5 des Ehrenkodex). Der Senat stellt den Verstoß gegen den Ehrenkodex fest und fordert die „Krone Multimedia GmbH & Co KG“ auf, die Entscheidung freiwillig auf „krone.at“ zu veröffentlichen.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND MEHRERER MITTEILUNGEN VON LESERINNEN UND LESERN

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 2 des Presserats aufgrund mehrerer Mitteilungen von Leserinnen und Lesern ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin von „krone.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht. Die Medieninhaberin der „Kronen Zeitung“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

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