Femizid: Ist Selbstverteidigung die Lösung?

Selbstverteidigungsexpertin warnt davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen, da die meisten dieser Situationen gar nicht unter dem Aspekt der Selbstverteidigung zu sehen sind.

Wien / Österreich (OTS) - Die Zahl weiblicher Mordopfer ist im Ansteigen, dies belegt die derzeitige Kriminalitätsstatistik. Auch dass die Mehrzahl der Täter-Opfer-Beziehung im familiären Umfeld angesiedelt ist, ist eine bekannte Tatsache. Durch die in den letzten Wochen verstärkte Berichterstattung über die jüngsten Frauenmorde in Österreich erleben Selbstverteidigungskurse einen starken Aufschwung. Viele Selbstberufene, sowie auch etablierte Institutionen bieten Kurse, Sicherheitstools und Plattformen an mit der Intention, Frauen mehr Sicherheit zu vermitteln.

Mag. Irmengard Weckauf-Hanzal, Kampfsport- und Selbstverteidigungstrainerin, Sonder- und Heilpädagogin und systemischer Coach warnt davor, sich durch solche Maßnahmen in falscher Sicherheit zu wiegen, da viele dieser Situationen nicht unter dem Aspekt der Selbstverteidigung zu sehen sind. Sie unterliegen einer extremen Verstrickung von emotionalen Beziehungssituationen, sodass für die betroffenen Frauen an eine körperliche Verteidigung gar nicht zu denken ist und dies auch – wenn abgekoppelt von anderen Maßnahmen – schlichtweg der falsche Weg wäre, so Weckauf-Hanzal. Unbestritten ist die Tatsache, dass die Kenntnis einer entsprechend effektiven Selbstverteidigung natürlich hilfreich ist und einer Frau auch ein selbstsicheres Auftreten verleihen kann, jedoch gibt es auch hier Kriterien zu beachten. WAS wird vermittelt? Und von WEM wird vermittelt?

Selbstverteidigung hat immer auch etwas mit der Bewältigung von emotionalen Ausnahmesituationen zu tun. Oft entscheiden gerade die Kompetenzen, die dazu befähigen mit Selbstsicherheit und Entschlossenheit in den unterschiedlichen Konflikt- und Gewaltsituationen aufzutreten – und gar nicht ausgeklügelte Nahkampftechniken – darüber, ob ein Angriff erfolgreich abgewehrt werden kann. Ob dies nun ein tatsächlich körperlicher Angriff ist oder aber auch ein emotionaler Übergriff, eine Diskriminierung oder Beziehungsstress.

In ihrem zwanzigjährigen Wirken als Selbstverteidigungstrainerin, im Kampfsport und der Kampfkunst hat Mag. Weckauf-Hanzal die Erfahrung gemacht, dass Frauen eine ganz spezielle Zielgruppe sind, bei der nicht nur die technische und taktische Vermittlung der Inhalte wichtig sind, sondern allem voran die Psyche der Frau von zentraler Bedeutung ist. Angstbewältigung, Überwindung von Hemmungen, Entdecken des Selbstwertes und das daraus resultierende selbstsichere Auftreten spielen hier eine wesentliche Rolle.

Mag. Weckauf-Hanzal vertritt den, in der Selbstverteidigungsszene wenig beliebten, Standpunkt, dass männliche Trainer – deren Expertise und technische Fähigkeiten oft unbestritten sind - nicht immer in der Lage sind, sich in die Situation einer Frau im Angstfall zu versetzen, bzw. Frauen sich nicht in dem erforderlichen Maße männlichen Trainern gegenüber öffnen würden und somit die tatsächliche Thematik in diesem Umfeld nur unzureichend bearbeitet werden kann. Daher rät die Selbstverteidigungsexpertin zu Kursen, die von Frauen mit entsprechender Ausbildung geleitet werden. Kurse, in denen nicht nur Technik als Mittel der Selbstverteidigung gelehrt wird, sondern besonderer Fokus auf den psychologischen und pädagogischen Aspekt gelegt wird.

Mag. Weckauf-Hanzal bildet selbst geeignete Instruktorinnen aus, bevorzugt Frauen, die einen Hintergrund in einem psychologischen oder pädagogischen Feld nachweisen können. Sie selbst betreibt seit 2001 mit ihrem Mann das international tätige Selbstverteidigungs- und Kampfsportinstitut SAMI.

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