• 15.01.2019, 11:03:32
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Kündigungsschock führte zu Dauerdepression – AK hilft

Anderl: „Trotz Boom am Arbeitsmarkt verbessert sich Situation für Über-50-Jährige kaum“

Utl.: Anderl: „Trotz Boom am Arbeitsmarkt verbessert sich Situation
für Über-50-Jährige kaum“ =

Wien (OTS) - „Es war mehr als ein Job, es war der Mittelpunkt meines
Lebens“, sagt Herbert R. Als er mit 57 Jahren plötzlich gekündigt
wurde, brach seine Welt zusammen. Dabei hätte er seinen Traumjob als
Kaffeelieferant in Österreich und Deutschland gerne bis zur
Pensionierung ausgeübt. Als er nach der Kündigung keine Arbeit mehr
fand, verfestigte sich seine Depression und führte im Zusammenspiel
mit starken Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall zu einer
befristeten Pension. Die Pensionsversicherung lehnte Ende 2017 die
Verlängerung ab. Nach Einschreiten der Arbeiterkammer erhielt der
mittlerweile 60-Jährige schließlich doch die Pension. AK Präsidentin
Renate Anderl sagt: „Trotz des Booms am Arbeitsmarkt verbessert sich
die Situation für Arbeitslose über 50 Jahre kaum. Wir stellen uns als
AK schützend vor diese Gruppe: in der Beratung genauso wie bei der
Interessenvertretung.“

Schnell ist bei Invaliditätspension aufgrund psychischer Erkrankungen
von Missbrauch die Rede. Doch das Gefühl nicht mehr gewollt zu werden
und die Existenzangst durch eine länger andauernde Arbeitslosigkeit
hinterlässt oft tiefe Wunden in der Psyche der Betroffenen. Herbert
R. arbeitete als Kaffeelieferant für ein niederösterreichisches
Unter-nehmen, das Gastronomie- und Tourismusbetriebe belieferte. Er
hätte nur zu gerne weitergearbeitet: „Es war eine schöne Zeit. Es war
mein Traumjob, denn ich fahre irrsinnig gern Auto und ich bin in ganz
Österreich herumgekommen.“

12 von 42 Arbeitsjahren widmete Herbert R. „seiner“ Firma: „Ich war
keinen Tag im Krankenstand, nicht einmal, als ich eine gröbere
Verletzung an der Hand hatte. Ich habe viele sehr nette Menschen
kennengelernt.“ Dank der persönlichen Betreuung durch Herbert R.
blieben auch die Kunden der Firma treu.

Doch nachdem der Betrieb aufgrund des Alters des Inhabers verkauft
wurde, wurde plötzlich alles ganz anders: Als Herbert R. eines Tags
nach einer Tour nachhause kommt, trifft er den Briefträger im
Stiegenhaus, der ein Einschreiben für ihn hat: Er geht in seine
Wohnung und öffnet den Brief: die Kündigung. „Ohne Angabe von
Gründen, aus heiterem Himmel!“ Seine letzte Arbeitsstelle hatte er
mit 44 Jahren verloren, als in seiner Firma der Fuhrpark aufgelöst
wurde. „Aber da ist vorher mit uns geredet worden! Das hat mich nicht
überraschend getroffen und ich hatte genügend Zeit, mir vorher was
anders zu suchen.“

Pflichtbewusst arbeitete er die drei Monate bis zum Ablauf der
Kündigungsfrist weiter. „Aber vom neuen Chef kam kein Wort! Hätte ich
ihn nicht angesprochen, hätte er wohl nie etwas gesagt.“ Bei dem
Gespräch schien es, als würde es sich der neue Dienstgeber eventuell
doch noch anders überlegen. Schließlich habe er immer positive
Rückmeldungen der Kunden bekommen. Doch als Herbert R. nach seinem
Urlaub wieder zurück kam, war wieder alles ganz anders: „Er hat mich
groß angeschaut und gesagt: Was machst du da? Verschwinde!“ Er habe
ihm vorgeworfen, dass er die Firma bei den Kunden schlechtgemacht
habe. Das Dienstauto habe er nicht mehr benutzen dürfen. Zu Fuß
musste er eine Stunde bis zur nächsten Bahnstation gehen. „Danach war
ich am Boden“, schildert Herbert R., wie er durch die traumatisch
erlebte Kündigung in eine Depression verfiel.

Herbert R. ging in Therapie, nahm Antidepressiva. Wegen starker
Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall musste er für längere Zeit
ins Spital. „Wenn man depressiv ist, dann wirkt sich das auf den
ganzen Körper aus. Man wird insgesamt schwächer.“ Dazu kamen die
Existenzängste aufgrund der Arbeitslosigkeit: „Mit 57 braucht man
sich keine Illusionen machen, dass man noch wo unterkommt. Das ist
mir am AMS auch so mitgeteilt worden.“ Er bekam eine befristete
Berufsunfähigkeitspension.

Nach zwei Jahren besserte sich sein Zustand schließlich. Doch dann
kam der nächste Schlag: Die Berufsunfähigkeitspension wurde nicht
verlängert. Herbert R. erlitt einen Rückfall. Hilfesuchend wandte er
sich an die AK. Schließlich sprach das Gericht Herbert R. die
dauerhafte Pension zu. Der mittlerweile 60-Jährige sagt: „Es geht mir
wieder etwas besser, aber ich möchte das jetzt abhaken. Ich möchte
die schöne Zeit in Erinnerung behalten, nicht das unschöne Ende.“

AK Präsidentin Renate Anderl sagt: „Trotz des Booms am Arbeitsmarkt
verbessert sich die Situation für Arbeitslose über 50 Jahre kaum.“
Arbeitsplatzförderungen könnten hier Abhilfe schaffen, z.B. wie im
Rahmen der ,Aktion 20.000‘. Anderl: „Leider hat die Regierung
beschlossen, hier am Menschen zu sparen. Das belastet das System:
Anstatt nur eines Lohnkostenzuschusses muss der gesamte
Lebensunterhalt für die Menschen finanziert werden.“

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKW

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