„matinee“ x 2: „Grabgeschichten“ mit Heller & Stermann, Habjan-Collage über Dirigent Böhm, Doku über Williams und Spielberg

Außerdem: Finale „Epochen der Musikgeschichte“, Ruhrgebiet-Porträt, „Die Kulturwoche“

Wien (OTS) - Feiertagsbedingt gibt es auch in dieser Woche ein kulturelles „matinee“-Doppel in ORF 2. Zu Allerheiligen, am Donnerstag, dem 1. November 2018, steht zunächst ein existenzieller Spaziergang mit anekdotischem Mehrwert auf dem Programm:
„Grabgeschichten: André Heller und Dirk Stermann besuchen den Hietzinger Friedhof“ (9.05 Uhr). Danach ist unter dem Titel „Böhm“ (9.50 Uhr) eine Aufzeichnung aus dem Schauspielhaus Graz zu sehen:
eine Puppentheater-Collage von und mit Nikolaus Habjan über den Dirigenten Karl Böhm. Durch den Vormittag führt Teresa Vogl.
Die von Clarissa Stadler präsentierte „matinee“ am Sonntag, dem 4. November, ist anlässlich der laufenden Viennale geprägt von Film und Musik: Die Doku „John Williams und Steven Spielberg. Das Abenteuer geht weiter“ (9.05 Uhr) beleuchtet die Zusammenarbeit zwischen dem Filmkomponisten und dem Regisseur und Produzenten. Danach steht die finale Folge des Zweiteilers „Epochen der Musikgeschichte: Moderne – Avantgarde, Weltenbrand und Megastars“ (9.30 Uhr) auf dem Programm, gefolgt von einer Ausgabe der Reihe „Meine Stadt“ (10.15 Uhr), die dem rauen Charme des Ruhrgebiets auf den Grund geht. Abschließend präsentiert „Die Kulturwoche“ (10.45 Uhr) Berichte und Tipps zum aktuellen heimischen Kulturgeschehen.

Donnerstag, 1. November:

„Grabgeschichten – André Heller und Dirk Stermann besuchen den Hietzinger Friedhof“ (9.05 Uhr)

Ein Friedhof ist ein geschichtsträchtiger Ort. Hier versammeln sich all jene, die zu Lebzeiten niemals zueinander gefunden hätten. André Heller ist im Wiener Bezirk Hietzing aufgewachsen. Der örtliche Friedhof ist ihm seit seinen Tagen als Ministrant vertraut, unzählige Geschichten ranken sich um dessen „Belegschaft“. Hier liegen unter anderem begraben: der Maler Gustav Klimt und der Architekt Otto Wagner; die TV-Legende Heinz Conrads und die Geliebte des Kaisers, Katharina Schratt. Die Gräber von Engelbert Dollfuß und Alban Berg kann man entdecken sowie jenes vom Chef des Generalstabs Österreich-Ungarns, Conrad von Hötzendorf. Hier findet man Franz Grillparzer neben dem letzten Kammerdiener von Ludwig VI., und auch Elise Stein liegt hier begraben, wenig bekannt und doch weltberühmt, hat Beethoven ihr zuliebe „Für Elise“ komponiert. André Heller kennt zahlreiche Anekdoten, Begebenheiten und Gerüchte zu den Damen und Herren des Hietzinger Friedhofs und lässt im Gespräch so manchen toten Zeitgenossen sehr lebendig erscheinen. Regie: Lukas Sturm, André Heller.

„Böhm“ (9.50 Uhr)

Der 1894 in Graz geborene Karl Böhm war einer der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, und gleichzeitig ein Künstler, der sich nicht scheute, sich mit dem Nationalsozialismus zugunsten seiner Karriere anzufreunden. Wie so viele andere Zeitgenossen arrangierte er sich mit dem Regime und stand wie Furtwängler oder Karajan auf der Liste der „Gottbegnadeten“. Kaum ein anderer österreichischer Künstler verkörpert wie er diese Ambivalenz des Mitläufers während der NS-Zeit. Schriftsteller Paulus Hochgatterer und Nestroy-Preisträger Nikolaus Habjan erschufen in ihrem Puppentheaterstück „Böhm“ eine raffinierte Collage über das Leben und Wirken des 1981 in Salzburg verstorbenen Stardirigenten. Es entstand ein Bild voller Widersprüche und offener Fragen: Ist Musik wirklich so harmlos wie viele vermuten, und wie politisch kann Musik eigentlich sein?
Die TV-Regie der Aufzeichnung dieses Bühnenabends im Grazer Schauspielhaus übernahm Felix Breisach.

Sonntag, 4. November:

„John Williams und Steven Spielberg. Das Abenteuer geht weiter“ (9.05 Uhr)

In der 90-jährigen Geschichte des Tonfilms gibt es nur wenige langjährige Kooperationen zwischen Komponisten und Regisseuren, die an den Erfolg von John Williams und Steven Spielberg herankommen. Seit mittlerweile mehr als 40 Jahren arbeiten die beiden als kongeniales Duo zusammen. Der Erfolg von Filmen wie „Der weiße Hai“, „E. T. – Der Außerirdische“, oder „Schindlers Liste“ (am 9. November in ORF 2) ist auf die perfekte Symbiose von bewegtem Bild und Filmmusik zurückzuführen. Nach mehr als zwei Dutzend gemeinsamen Filmen planen John Williams und Steven Spielberg ein neues Projekt, bei dem sie der Regisseur Laurent Bouzereau mit der Kamera begleitet hat. Das Abenteuer geht weiter!

„Epochen der Musikgeschichte: Moderne – Avantgarde, Weltenbrand und Megastars“ (9.30 Uhr)

Die letzte Folge der Reihe „Epochen der Musikgeschichte“, die Lena Kupatz und Axel Brüggemann gestalteten, führt in die Moderne, ins 20. Jahrhundert – ein Jahrhundert der Extreme mit technischen Revolutionen und zwei Weltkriegen. Diese Ära spiegelt sich auch in der Musik wider: Sie war und ist Experiment, Unterhaltung und Botschaft. Man denke etwa an die 7. Symphonie Dimitri Schostakowitschs, die von der deutschen Besetzung Leningrads erzählt. Die russische Armee spielte die Symphonie von den Lautsprechern ihrer Panzer und beschallte die Schützengräben während des Gefechts. Musik wurde zur moralischen Waffe erkoren. So wurde „Lili Marleen“ von Lale Andersen zum Sehnsuchtslied und zur Heimwehballade der Soldaten. In mehr als 48 Sprachen übersetzt, wurde das Lied zu einem Mythos, der auch zur satirischen Umdeutung einlud.
Viele Künstler waren geflohen und nahmen die Tradition der europäischen Klassik mit. Hollywood wurde zum Zentrum des Experiments, zur Hochburg der Filmindustrie, und Beverly Hills avancierte zum Zuhause der neuen Elite. Hier wohnten Frank Sinatra, Bing Crosby, George Gershwin, Charlie Chaplin, aber auch Igor Strawinsky, Erich Wolfgang Korngold, Sergei Rachmaninow, Arnold Schönberg und der Philosoph und Musiktheoretiker Theodor Adorno. Sie alle gaben Hollywood den Soundtrack.
Während die Klassik im Kino immer populärer wurde, experimentierten Komponisten an neuen, extremeren Klängen. Darmstadt und Donaueschingen avancierten zu Pilgerorten der Neutöner. Hier wurden Fragen diskutiert wie: Darf Musik noch verführen? Wie darf neue Musik nach den Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs überhaupt noch klingen? Pierre Boulez zählt sicherlich zu den wichtigsten Pionieren zeitgenössischer Musik. Ihm folgten Komponisten wie John Cage, Philip Glass oder Steve Reich, denen es gelang, die Musikwelt immer wieder neu zu erfinden.

„Meine Stadt: Das Ruhrgebiet“ (10.15 Uhr)

In der Dokureihe „Meine Stadt“ erkundet der Wiener Architekt Jakob Dunkl faszinierende Bauwerke in europäischen Metropolen. Auf der Suche nach visionären Planern, die mit ihrer Experimentierfreude Städte verändern, trifft er auf Kollegen, Künstler, Stadtplaner und spricht mit Menschen, die mit der Architektur leben. Welche Lösungen finden Städte auf die urbanen Fragen unserer Zeit?
Mit dem Ruhrgebiet assoziiert man wohl kaum architektonische Schönheit. Als die Industrialisierung den Ruhrpott schuf, wurde das reiche Kohlevorkommen zum Treibstoff der Entwicklung. Spuren der industriellen Vergangenheit verbreiten einen rauen, aber faszinierenden Charme. Jakob Dunkl erforscht die Entwicklung einer Region, in der früher Kohle und Stahl den Puls der Zeit und das Leben der Menschen diktiert haben. Regie führte Mic Thiemann.

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