• 23.10.2018, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Die Glaubwürdigkeit schmilzt dahin", von Peter Nindler

Ausgabe vom 24. Oktober 2018

Utl.: Ausgabe vom 24. Oktober 2018 =

Innsbruck (OTS) - Wer den Naturschutz wie am Pitztaler Gletscher
derart grob ramponiert, muss sich nicht wundern, dass das Miss-trauen
im Land gegen touristische Vorhaben wächst. Obwohl sich die Politik
genau das Gegenteil erwartet.

Tirol ist einfach „bär-gig“. Und die Berge zählen zum wichtigsten
Kapital und Natur-Schatz im Land: Skifahren oder Tourengehen im
Winter, Klettern, Berggehen und Wandern im Sommer. Obendrein wird das
Bergidyll gern als politische Botschaft ausgeschlachtet, wenn dort
die heimischen Politspitzen als Naturversteher oder als enge
Seilschaft von Bergkameraden herumkraxeln. Herunten im Tal ist die
Gebirgskulisse politisch meist wieder weit weg. Diesen Eindruck muss
man jedenfalls gewinnen, kaum dass in Tirol über Seilbahnprogramme
diskutiert und der Naturschutz am Gletscher wieder einmal ramponiert
wird.
Anspruch und Wirklichkeit lassen sich freilich nur an Taten
messen. Laut hallt die Empörung nach, dass gewisse
Skigebietsverbindungen wie Weer-Hochfügen überhaupt kein Thema sind.
Aber warum wird dann eine Tür dafür geöffnet, wenn ohnehin niemand
durchgehen möchte? „Bazweich“ wie der Frühjahrsschnee sind sie
deshalb geworden, die neuen Seilbahngrundsätze. Anstatt klare
Endausbaugrenzen für Skigebiete zu definieren, wird der
Interpretationsspielraum zum Programm erhoben. Je nach Lesart sind
neue Seilbahnen möglich oder auch nicht. Willkommen in der
schwarz-grünen Tiroler Politwirklichkeit! Schon jetzt versuchen die
Grünen mit einem Aufruf zur Bürgerbeteiligung, ihre eigenen
Beschlüsse in der Landesregierung gerade für Weer-Hochfügen zu
verhindern.
Andererseits lässt sich die Dreistigkeit mancher Seilbahner wie am
Pitztaler Gletscher, wo ohne naturschutzrechtliche Genehmigung und
trotz Baustopps erneut gebaggert wird, nur damit erklären, dass sie
jahrelang von der ÖVP-dominierten Landesregierung politisch
gehätschelt wurden. Man redet sich solche lästigen
Nebensächlichkeiten in Tirol einfach aus, schließlich ist der Skiweg
sowieso schon in Fels eingemeißelt. Und für das Große und Ganze im
Land muss man eben zusammenstehen: vor und nach den Wahlen.
Die Außenwirkung ist jedoch verheerend. Die vielfach beschworene
Tourismusgesinnung wird von den eigenen Aushängeschildern weiter
ausgehöhlt, und der touristische Argwohn, auch gegenüber sinnvollen
Projekten und Seilbahnplänen, wächst. Wer den Gletscherschutz
dermaßen missachtet, der verspielt außerdem für den forcierten
Zusammenschluss von Pitztaler und Ötztaler Gletscher bald jeden
Kredit. Die Politik muss deshalb mutig sein und Klartext mit den
betroffenen Seilbahnern reden. Ansonsten leistet sie dem „bär-gigen“
Tirol nur einen Bärendienst.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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