- 21.10.2018, 08:00:02
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Helene Maimann porträtiert für 3sat die Coudenhove-Kalergis
„Europa im Herzen, zuhause in der Welt“ am 24. Oktober um 21.05 Uhr in 3sat
Utl.: „Europa im Herzen, zuhause in der Welt“ am 24. Oktober um
21.05 Uhr in 3sat =
Wien (OTS) - Die Coudenhove-Kalergis sind eine außergewöhnliche
Familie. Deutschböhmischer Hochadel, ursprünglich aus den
Niederlanden, mit einem Stammbaum, der ins 13. Jahrhundert
zurückreicht. Eine europäische Familie mit vielen ungewöhnlichen
Lebensgeschichten: Verschiedene Sprachen, Länder und Religionen
prägen die Familie, der Nationalismus ebenso fremd ist wie
Standesdünkel. Einige haben große politische Karrieren gemacht, wie
Richard Coudenhove-Kalergi, Gründer der Paneuropa-Bewegung und
Vordenker der Europäischen Union. Andere wurden Weltenwanderer,
Aussteiger, Bohemiens, Künstler, Schriftsteller, Journalisten und
erfolgreiche Unternehmer. Zum Mythos, besonders in Japan, wurde die
Mutter von Richard und Großmutter von Barbara Coudenhove-Kalergi,
Mitsuko Aoyama, eine der ersten Japanerinnen, die in Europa lebten.
In Helene Maimanns Film „Die Coudenhove-Kalergis. Europa im Herzen,
zuhause in der Welt“, den 3sat am Mittwoch, dem 24. Oktober 2018, um
21.05 Uhr zeigt, sagt Barbara Coudenhove-Kalergi: „Jede Familie ist
ein Roman. Ich glaube, in jeder Familie gibt es Spinner und Träumer
und mehr oder weniger exzentrische Figuren. Bei uns haben sie sich
vielleicht ein bisschen versammelt.“
Die Familie lebt heute in Washington, New York, London, Tokio und
Wien und hält engen Kontakt untereinander. Für Helene Maimanns Film
trafen sich die Coudenhove-Kalergis in Wien, um den Familienroman vor
der Kamera zu erzählen. Die heutigen Coudenhove-Kalergis stammen alle
von den Eltern Barbaras und ihren drei Brüdern Hans Heinrich, Jakob
und Michael ab: Ein Sohn von den sieben Kindern von Mitsuko und
Heinrich Coudenhove-Kalergi, Gerolf, heiratete (als einziger
standesgemäß) die junge Gräfin Sophie Pálffy nad Erdöd auf Schloss
Breznitz, von dessen Kapelle Barbara sagt: „Die Breznitzer
Schlosskapelle mal unendlich, so habe ich mir als Kind den Himmel
vorgestellt.“ Die Coudenhoves sind heute also auch Pálffys.
Barbara und ihr Bruder Michael, ihre Nichten und Neffen Clemens,
Sophia, Katharina und Lorenz und vier der jüngsten Generation, Lukas,
Max, Camillo und Mia Coudenhove-Kalergi begleiten das Filmteam durch
die Geschichte und durch Wien, quer durch Böhmen bis nach Prag, um
sich zu erinnern und Neues zu entdecken. Sie steigen tief ins Depot
des Wiener Burgtheaters hinunter, um sich das Gemälde von Ida Roland
anzusehen, der Frau von Richard Coudenhove-Kalergi. Sie spazieren
quer durch den Stadtpark und führen durch das Theresianum, die
ehemalige Kaderschmiede der Monarchie. Sie suchen in drei böhmischen
Schlössern nach den Spuren ihrer Vorfahren, um schließlich in Prag
die dramatischen Kapitel der jüngsten Geschichte Europas und der
eigenen Familie zu erzählen. Sie endete, wie für drei Millionen
andere Deutschböhmen, 1945 mit ihrer Vertreibung, buchstäblich von
einem Tag auf den anderen, mit nichts als dem, was sie am Leib trug.
„Das ist der Lauf der Geschichte“, erklärte der Vater der 13-jährigen
Barbara, bevor er sich mit den Seinen auf den langen Fußmarsch durch
Böhmen und Bayern nach Österreich machte. „Durch die Geschichte sind
wir in dieses Land herein gekommen, und durch die Geschichte müssen
wir wieder hinaus.“
Das änderte nichts daran, dass die Familie sich weiterhin dem Land
ihrer Vorfahren verbunden fühlt. „Diese Landschaft“, sagt Katharina
Coudenhove-Kalergi, „hat so viel Tiefe und gibt mir so viel – das ist
ganz einfach mein Böhmen, mein Tschechien, wunderschön.“ Für Barbara
Coudenhove-Kalergi, die wie ihre Geschwister in Prag geboren wurde,
ist das die schönste Stadt nördlich der Alpen, „ein Paradies des
Barock und für mich nach wie vor ein sehr geliebter und wichtiger
Ort.“ Die Grande Dame des österreichischen Journalismus war lange
Jahre Berichterstatterin des ORF aus Osteuropa, 1989 wurde sie Chefin
des ORF-Büros in Prag. Sie informierte Österreich über die
Demokratiebewegungen in Osteuropa und über das Ende der
kommunistischen Regime.
So wird das Familienporträt eine Erzählung der Geschichte Europas im
20. Jahrhundert: Erinnert wird an den letzten Glanz der k. u. k.
Monarchie, an den Ersten Weltkrieg, der aus der Familie loyale
tschechische Staatsbürger machte, an das traditionelle Schlossleben
in der Zwischenkriegszeit, das, wie Barbara Coudenhove sagt, „so
verschwunden ist wie die Steinzeit“. Die Familie erzählt von den
Spuren, die Nationalismus und Faschismus bis heute hinter sich
ziehen, vom Zweiten Weltkrieg, von den Vertreibungen der Deutschen,
egal ob sie Nazis gewesen waren oder nicht, und der Nachkriegszeit in
Österreich, für Barbara Coudenhove-Kalergi sehr spannend und
keineswegs langweilig. Auch für Michael Coudenhove-Kalergi, Barbaras
jüngsten Bruder, inzwischen ein anerkannter Künstler, waren diese
Jahre, in denen er nachts in einer umgebauten Waschküche und tagsüber
im Café Hawelka wohnte und sich von Fischkonserven, Punschkrapferl
und Wodka ernährte, „nicht die schlechteste Zeit.“
Für das Publikum, das Barbara Coudenhove-Kalergi als sachliche
Korrespondentin in Erinnerung hat und sonst wenig über sie und die
Familie weiß, werden diese sehr persönlichen, bewegenden und heiteren
Erzählungen ohne jede Nostalgie aus fünf Generationen, in denen auch
über große Lebenslieben und große Verluste berichtet wird, eine Reise
durch ein ebenso großartiges wie schreckliches Jahrhundert. Und sie
bleiben fest in der heutigen turbulenten Zeit verankert.
Helene Maimann über ihren Film: „2016 habe ich die Erinnerungen von
Barbara Coudenhove-Kalergi gelesen und dann jene ihrer beiden Onkel
Richard und Karl Heinrich, genannt Ery. ‚Im Atlas‘ schrieb dieser
Onkel Ery, ‚habe ich einmal eine Linie gezogen, quer durch Europa
nach Asien, von Holland (der Heimat der Coudenhove) bis nach Japan
(woher meine Mutter kommt). Und eine zweite von Norden nach Süden,
von Skandinavien (der Heimat meiner Ururgroßmutter) bis tief ins
Mittelmeer, nach Kreta, woher die Kalergis stammen. Diese Linien
kreuzen sich in Westböhmen, in der kleinen Stadt Ronsperg, nicht weit
von Pilsen, wo ich geboren wurde.‘
Was für eine großartige Familie! dachte ich. Der Tradition und ihrer
Herkunft verhaftet und dennoch Neuerer ohne jedes Ressentiment und
Nonkonformisten! Sie repräsentieren nicht nur sich selbst, sondern
auch Europa, sie sind Europa. Konnte daraus ein Film werden? Es
konnte – dank der Coudenhove-Kalergis, die wirklich alle mitgemacht
haben.“
Der Film entstand als Koproduktion von Langbein & Partner, ORF/3sat
und Česká televize
gefördert von Filmfonds Wien, Verwertungsgesellschaft für
audiovisuelle Medien VAM mit Unterstützung des Zukunftsfonds der
Republik Österreich.
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