• 19.10.2018, 10:16:46
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„Ich wünsche mir nur ein demokratisches Österreich“

Zeitzeuge Karl Pfeifer mahnt bei Journalistenveranstaltung kritischen Journalismus ein

Zeitzeuge Karl Pfeiffer zu Gast bei "Medien im
Zeitgeist".

Utl.: Zeitzeuge Karl Pfeifer mahnt bei Journalistenveranstaltung
kritischen Journalismus ein =

Wien (OTS) - Als Kooperationsveranstaltung zwischen dem
Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) und dem Hotel Zeitgeist
Vienna fand gestern zum elften Mal ein Abend der Veranstaltungsreihe
„Medien im Zeitgeist“ statt. Unter dem Titel „Einzig dem Gewissen
verpflichtet?“ war der Journalist und Zeitzeuge Karl Pfeifer im
Gespräch mit ÖJC-Vorstandsmitglied und [Statement]-Redakteur Florian
Müller im Hotel beim Hauptbahnhof zu Gast. Erstmals wurde die
Veranstaltung live auf Okto Community TV übertragen.

1928 in Baden bei Wien geboren, musste der 10jährige Karl Pfeifer mit
seiner Familie vor den Nazis nach Budapest flüchten, da sie Juden
waren. Auf abenteuerliche Weise schlug sich Pfeifer bis nach
Palästina durch, um 1951 nach Europa zurückzukehren, aus „purer
Abenteuerlust“. Zunächst schlug sich der mittlerweile mit dem
Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
ausgezeichnete Karl Pfeifer als Hotelkaufmann durch. Er knüpfte
Kontakte zu ungarischen Intellektuellen und bot dem damaligen
Außenpolitik-Chef der Arbeiterzeitung, Georg Hoffmann-Ostenhoff,
Stories über den „Gulaschkommunismus“ an. Dieser läutete mit dem
Satz: „Karl, host a Schreibmaschin‘?“ im zarten Alter von 51 Jahren
seine journalistische Karriere ein.

Als Redakteur der jüdischen Zeitschrift „Die Gemeinde“ wurde er zum
unermüdlichen Mahner gegen Antisemitismus, egal woher er kam: „Als
ich über den Antisemitismus von Kreisky und SPÖ-Leuten schrieb, wurde
mir vorgeworfen, dass ich im Solde der ÖVP stehe. Später, als ich
Kurt Waldheim kritisiert habe für den antisemitischen Wahlkampf,
wurde mir vorgeworfen, dass ich im Solde der SPÖ stehe. In
Wirklichkeit war ich besoldet von der Kultusgemeinde.“

Als Karl Pfeifer im Auftrag der „Gemeinde das Jahrbuch der
freiheitlichen Akademie rezensierte, attestierte er einem Artikel von
Werner Pfeifenberger zahlreiche „Nazitöne“. Pfeifenberger verklagte
Pfeifer und verlor in zwei Instanzen. Fünf Jahre nach dem Erscheinen
des Artikels erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Werner
Pfeifenberger wegen Wiederbetätigung, der daraufhin Selbstmord
beginn. Was folgte, war eine Kampagne von „Zur Zeit“-Herausgeber
Andreas Mölzer gegen Karl Pfeifer, der böse Jude hätte Pfeifenberger
in den Tod getrieben. Karl Pfeifer klagte gegen Mölzer, wurde vom
Landesgericht für Strafsachen und Oberlandesgericht abgewiesen, erst
der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte die
Republik Österreich zu einer Entschädigung von fünftausend Euro.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als Nachvollziehbar, wenn der
heute im Alter von 90 Jahren noch höchst aktive Journalist und
Zeitzeuge in Schulen vor einer „Orbanisierung“ Österreichs warnt und
auch die Einschränkung der Pressefreiheit in Ungarn plastisch
beschreiben kann, ein Land übrigens, aus dem er insgesamt viermal
wegen zu kritischer Berichterstattung ausgewiesen wurde. Karl Pfeifer
mahnte ein, dass sich Journalistinnen und Journalisten nicht der
Verantwortung entziehen können, kritische Fragen zu stellen. Was er
sich zu seinem 90. Geburtstag wünsche, fragte Moderator Florian
Müller abschließend: „Ich wünsche mir nur ein demokratisches
Österreich.“

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Medien im Zeitgeist“
findet am Donnerstag, den 15. November 2018 um 19.00 im Vienna
International Press Center des ÖJC in der Blutgasse 3, 1010 Wien
statt. Thema des Abends: „Neue Strategien für den Journalismus der
Zukunft und den der digitalen Leser“ mit Philipp Graf Montgelas und
Johannes Eversmann von Readly, Europas größter
Magazin-Streaming-Plattform für Magazine.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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