Fachkräftemangel: Schramböck will neue Zielgruppen zur Lehre motivieren

Opposition protestiert gegen Abschaffung der Lehre für AsylwerberInnen

Wien (PK) - Für die Attraktivierung der Lehre als bestes Mittel gegen den Fachkräftemangel in Österreich wirbt Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Ihr zufolge plant die Regierung daher mit mehreren Maßnahmen neue Zielgruppen für eine Lehrausbildung zu gewinnen, wie sie heute im Wirtschaftsausschuss des Nationalrats sagte. So sollte auch von MaturantInnen die Lehre häufiger für eine Berufskarriere genutzt werden, derzeit würden nicht einmal 3% von ihnen einen Meistertitel anstreben. Außerdem will Schramböck die Mobilität von Lehrlingen fördern und mit einer Digitalisierungsoffensive die Kompetenzen in diesem Bereich stärken. In der Unterredung mit den Abgeordneten auch auf die Situation von AsylwerberInnen in Lehrausbildung angesprochen, hielt die Ministerin an der Regierungslinie fest. Asyl für Fachkräftezuzug heranzuziehen, sei der falsche Weg, hier brauche es ein "Erwachsenwerden" Österreichs und der Europäischen Union, richtete sie SPÖ, NEOS und Liste Pilz aus.

Thematisiert wurden in der Aussprache mit der Ministerin unter anderem auch das geplante Standortentwicklungsgesetz, eine Reform des Internationalen Währungsfonds sowie die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich und weltweit.

Opposition bricht Lanze für AsylwerberInnen in Lehrausbildung

Unisono appellierten die Abgeordneten Josef Schellhorn (NEOS), Bruno Rossmann (PILZ) und Nurten Yilmaz (SPÖ) an Ministerin Schramböck, die angekündigte Abschaffung der Lehrmöglichkeit für Asylwerbende zurückzuziehen. Ein junger Asylwerber, der vorhabe "der beste afghanische Koch in Österreich zu werden", dürfe nicht um diese Option gebracht werden, drängte Schellhorn darauf, dieses "Mosaiksteinchen" zur Lösung des Fachkräftemangels nicht wegzunehmen. Als "desaströs" für die Integrationsarbeit bezeichnete Rossmann das Regierungsvorhaben, zumal österreichische Firmen in die Ausbildung der jungen AsylwerberInnen investiert hätten. Schramböck hielt entgegen, 10.000 Asylberechtigte unter 20 Jahren und ebenso viele junge Menschen in überbetrieblicher Lehrausbildung (ÜBA) stünden 12.000 freien Lehrstellen gegenüber, weswegen sie den Fokus auf die Vermittlung dieser Personen lege. Rückendeckung erhielt sie dabei von Gabriel Obernosterer (ÖVP), der gerade von Asylberechtigten im Osten Österreichs erwartet, offene Lehrstellen auch in westlichen Bundesländern anzunehmen.

Schramböck: Lehrausbildung muss breiter werden

Zur allgemeinen Förderung der Mobilität von Lehrlingen angesichts der regionalen Unterschiede beim Fachkräftebedarf würden 10 Mio. € bereitgestellt, so Wirtschaftsministerin Schramböck. Als weitere Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel nannte sie verpflichtende Firmenpraktika von ÜBA-Lehrlingen und das Heranführen junger Frauen an für sie "atypische" Lehrausbildungen, vor allem im Technikgewerbe. Für diesen Ansatz zur Verbreiterung der Möglichkeiten für weibliche Lehrlinge stelle ihr Haus 5 Mio. € an Förderungen zur Verfügung, jedoch brauche es auch eine Bewusstseinsbildung in den Familien.

Zur Lehre nach der Matura laufe aktuell ein Probemodell in Oberösterreich mit auf zwei Jahre verkürzter Ausbildungszeit. Immerhin übernehme das Arbeitsmarktservice bereits jetzt die Lohndifferenz zum Fachkräftegehalt, wenn Unternehmen Über-18-Jährige als Lehrlinge anstellen. Für die Positionierung Österreichs bei EU-weiten Talentepools will Schramböck die Betriebsansiedlungsagentur ABA zur Fachkräftesuche beiziehen, die Rot-Weiß-Rot-Karte für qualifizierte Drittstaatenangehörige soll entbürokratisiert werden. Generell sei es hoch an der Zeit, das Image der Lehre zu verbessern, machte sich Schramböck dafür stark, den Meistertitel auf eine Ebene mit Ingenieur und Bachelor zu heben.

Digitalisierung in der Bildung vorantreiben

An den Schulen arbeite sie mit Bildungsminister Heinz Faßmann an einer Stärkung digitaler Fähigkeiten, auf deren Mangel sich vielfach die Arbeitslosigkeit begründe, erklärte Schramböck in Richtung Eva-Maria Himmelbauer (ÖVP), die digitale Kompetenzen heutzutage als "Grundvoraussetzung" für alle Bereiche des Arbeitsmarkts sieht. Neben einer Verbesserung der Breitband-Infrastruktur geht es laut Schramböck bei der Digitalisierung im Schulbereich auch um die Unterstützung der Lehrkräfte und die Definition der pädagogisch geeigneten Online-Inhalte. Die 200 bestehenden Lehrberufe gelte es, auch in dieser Hinsicht rasch zu überarbeiten, denn "alle müssen digitale Inhalte haben".

Mit ihrem "Pakt für digitale Kompetenz/Fit4Internet" wolle sie aber auch ältere, weniger Internet-affine Zielgruppen erreichen. Der Plan sei, ab nächstem Jahr gemeinsam mit Wirtschaft und Verwaltung österreichweit entsprechende IT-Kurse anzubieten. Überdies sei angedacht, den "Talente-Check" für SchülerInnen an sämtlichen Schulen einzuführen, und zwar mit ausreichender Vorlaufzeit bis zum Schulabschluss. Einen Bildungsauftrag in Sachen Lehrausbildung nicht nur bei den Betrieben, sondern auch bei der Politik macht NEOS-Wirtschaftssprecher Schellhorn ebenfalls aus. Allerdings bemängelte er am heimischen Schulsystem, die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg erfolge zu früh, wodurch die Talente vieler junger Menschen unerkannt blieben und sie ungeachtet ihrer Eignung eine akademische Ausbildung anstreben.

Standortentwicklungsgesetz soll 2019 kommen

Der Kritik Bruno Rossmanns (PILZ) und der SPÖ-Mandatarinnen Cornelia Ecker und Doris Margreiter am geplanten Standortentwicklungsgesetz entgegnete Ministerin Schramböck, Rechtsexperten würden derzeit an gesetzeskonformen Regelungen arbeiten, mit dem Ziel, das Inkrafttreten des Gesetzes am 1.1.2019 zu ermöglichen. Wichtig sei ihr, so Schramböck, dass bei großen Bauprojekten von öffentlichem Interesse schnelle Entscheidungen erfolgen, selbst wenn diese negativ ausfielen. Konkret hatte Rossmann bemängelt, der im Entwurf zwecks Verfahrensbeschleunigung enthaltene "Genehmigungsautomatismus" sei keinesfalls rechtskonform, genauso wenig wie die bereits beschlossene Novelle zu den Umweltverträglichkeitsprüfverfahren, wie auch Margreiter konstatierte. Ecker monierte, das Gesetzesvorhaben mute an, "von der Industriellenvereinigung bestellt" zu sein.

Geeinte Position der EU im Welthandel

Zum von Rossmann angesprochenen "Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt" meinte die Ministerin, die EU setze hier auf Deeskalation. Entscheidend sei, dass die EU-Mitgliedstaaten geschlossen auftreten, das Verhandlungsmandat bei den Gesprächen mit den USA liege bei der Europäischen Kommission. Für das Exportland Österreich sei wichtig, der durch die internationalen Unstimmigkeiten zurückgehenden Exportdynamik beizukommen. Positiv wertete Schramböck vor diesem Hintergrund den Abschluss neuer Handelsabkommen zwischen EU und Staaten wie Singapur sowie Japan. Abgesehen davon sei beim jüngsten informellen Ratstreffen der EU-HandelsministerInnen die Zukunft der Welthandelsorganisation WTO Thema gewesen, berichtete Schramböck weiter und bekannte sich zum Erhalt des Multilateralismus im Handel. Überlegenswert sei in diesem Zusammenhang die Aufgabe des Einstimmigkeitsprinzips bei Entscheidungen der WTO. Eine Reform der Welthandelsorganisation halte sie jedenfalls für notwendig.

Die Sorge von FPÖ-Abgeordnetem Walter Rauch, angesichts unterschiedlicher Zinsentwicklungen im europäischen Raum und in den Vereinigten Staaten könnte eine erneute Wirtschaftskrise drohen, entkräftete die Wirtschaftsministerin mit dem Hinweis, Österreich habe eine robuste Wirtschaft. Für nächstes Jahr werde eine Exportsteigerung von 3,7% erwartet. Dennoch ortet die Ministerin aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums teilweise eine "Überhitzung". Das Wirtschaftsforschungsinstitut prognostiziere in Österreich nach einem kräftigen 3%igen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2018 im nächsten Jahr eine abflauende Konjunktur mit einem BIP-Zuwachs von nur noch 2%. (Fortsetzung Wirtschaftsausschuss) rei

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