GLOBAL 2000-AktivistInnen bei Großdemonstration am Hambacher Wald: „Hambi bleibt!“

UmweltschützerInnen protestieren friedlich und bunt für Klimaschutz sowie den Erhalt eines wertvollen Stücks Natur.

Der Hambacher Wald darf nicht am Altar einer rücksichtslosen Energiepolitik geopfert werden. Wir müssen raus aus Kohle und rein in erneuerbare Energien
Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000

Wien/Köln (OTS) - Heute findet eine Großdemonstration für den Erhalt des Hambacher Waldes in der Nähe von Köln statt. Mit dabei sind auch AktivistInnen aus Österreich von der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Der Einsatz für Klima- und Umweltschutz kennt keine Staatsgrenzen. Wir wollen den Menschen hier zeigen, dass es auch außerhalb Deutschlands Viele gibt, die mitfiebern und denen der Erhalt dieses wertvollen Stücks Natur am Herzen liegt. Heute ist für alle hier auch ein Tag der Freude, weil gestern gerichtlich ein Rodungsstopp verordnet wurde. Für uns steht fest: Der Hambacher Wald darf nicht am Altar einer rücksichtslosen Energiepolitik geopfert werden. Wir müssen raus aus Kohle und rein in erneuerbare Energien“, fordert Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Bei der Demonstration werden mehr als 20.000 TeilnehmerInnen erwartet, die entlang der Waldgrenze friedlich protestieren werden. Der gestern gerichtlich verfügte Rodungsstopp, kommt jetzt einer verordneten Nachdenkpause gleich. Der Energiekonzern RWE konnte dem Gericht gegenüber nicht glaubhaft machen, dass die Rodung des Waldes für die Energie-Versorgungssicherheit unabdingbar sei, dagegen konnten UmweltschützerInnen den ökologischen Wert des Waldes deutlich machen. Der Hambacher Wald selbst ist uralt und konnte sich seit dem Ende der letzten Eiszeit praktisch ungestört entwickeln. Von dem ursprünglich 4.000 Hektar großen Gebiet musste ein Großteil bereits den Kohlebaggern weichen. 550 Hektar ursprünglicher Wald sind aber noch vorhanden. Er beherbergt seltene Tier- und Pflanzenarten, wie den Mittelspecht, den Springfrosch, die Bachsteinfledermaus oder die Haselmaus. Tierarten, die teilweise stark gefährdet sind und unter strengem Schutz stehen. „Die Nachdenkpause durch den gerichtlich verfügten Rodungsstopp muss jetzt zu einem Umdenken genutzt werden. in Zeiten der globalen Klimakrise muss dieser einzigartige Wald rasch unter Naturschutz gestellt sowie erweitert werden“, sagt Wahlmüller.

Gleichzeitig ist die Kohleverstromung die klima- und gesundheitsschädlichste Form der fossilen Energiegewinnung. Europaweit gibt es als Folge von Luftschadstoffemissionen der Kohleverstromung jährlich 18.200 vorzeitige Todesfälle und 8.500 neue Fälle chronischer Bronchitis. Allein im Gesundheitssystem entstehen dadurch europaweit Folgekosten im Ausmaß von jährlich 42,8 Mrd. Euro.* Das in der Nähe von Hambach betriebene Kohlekraftwerk Neurath zählt zu den zehn dreckigsten und gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerken in der gesamten Europäischen Union.

Würden die massiven Schäden an Natur, Klima und der Gesundheit der Bevölkerung in den Strompreis der Kohle eingerechnet werden, wäre sie heute bereits nicht mehr konkurrenzfähig. Statt fairer Wettbewerbsbedingungen am Strommarkt, gibt es aber noch weitere Begünstigungen für die Kohleindustrie: Europaweit werden Milliardengelder an Subventionen für die Kohleverstromung über sogenannte „Kapazitätsmärkte“ bezahlt. Derzeit wird auf EU-Ebene diskutiert, ob es diese Milliardensubventionen weiter geben soll. Den Vorsitz bei diesen Verhandlungen führt Umweltministerin Elisabeth Köstinger. GLOBAL 2000 sieht deshalb auch die österreichische Umweltministerin in der Pflicht: „Im Hambacher Wald sieht man die desaströsen Folgen einer rückwärtsgewandten und unverantwortlichen Energiepolitik hautnah. Umweltministerin Köstinger muss bei den EU-Verhandlungen unter österreichischem Vorsitz deshalb sicherstellen, dass die völlig verfehlten Milliardensubventionen an die Kohleindustrie mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Wir dürfen die Zerstörung der Natur, des Klimas und unsere Gesundheit nicht auch noch mit Steuergeldern belohnen“, betont Wahlmüller.

GLOBAL 2000 sieht aber auch Handlungsbedarf in Österreich. Derzeit gibt es hierzulande noch zwei Kohlekraftwerke. Das Kohlekraftwerk in Mellach (Stmk.) wird vom Verbund betrieben und soll nächstes Jahr vom Netz genommen werden. Das zweite Kohlekraftwerk in Dürnrohr (Niederösterreich) wird von der EVN betrieben und soll noch bis voraussichtlich 2025 laufen, dann wäre das Kraftwerk 38 Jahre alt. Niederösterreich, das bereits heute damit wirbt zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom versorgt zu werden, wäre dann ab nächstem Jahr das einzige Bundesland in Österreich, in dem noch ein Kohlekraftwerk betrieben wird. Für GLOBAL 2000 ist ein rascher Ausstieg notwendig: „Wir müssen in Österreich auch vor der eigenen Tür kehren. In der Klima- und Energiestrategie ist ein beschleunigter Ausstieg aus der Kohle beschlossen worden und nicht ein Hinauszögern auf den St. Nimmerleinstag. Wir appellieren an den Betreiber EVN, den Ausstieg aus der Kohle nicht unnötig hinauszuschieben und einem Kohleausstieg bis 2020 nicht länger im Weg zu stehen“, so Wahlmüller abschließend.

Bildmaterial von der Demo wird im Laufe des Tages unter https://www.flickr.com/photos/global2000 eingestellt

*) HEAL (2013): Die wahren Kosten der Kohle


 

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In Wien: Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Vor Ort in Köln/Hambacher Wald: Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, 0699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at

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