Österreich – eine Tierschutz-Erfolgsgeschichte?

VIER PFOTEN Fazit zum Welttierschutztag: Es bleibt noch viel zu tun

Wien (OTS) - Zum Welttierschutztag am 4. Oktober zieht VIER PFOTEN Bilanz über die Situation des Tierschutzes in Österreich. Das Fazit von VIER PFOTEN Gründer und Präsident Heli Dungler: „Wir können uns über einige Erfolge zu Recht freuen. Auf der anderen Seite muss man ganz klar sagen: Es bleibt viel zu tun.“

VIER PFOTEN ist heuer 30 Jahre alt und einer der Pioniere der Tierschutzarbeit in Österreich. Die Geschichte der Organisation hängt daher eng mit der Entwicklung des Tierwohls hierzulande zusammen. „Die Herausforderung zu Beginn von VIER PFOTEN, also Ende der Achtziger Jahre, war es, die Leute zu informieren und aufzuklären“, erzählt Heli Dungler. Denn damals waren sowohl Pelztierfarmen als auch die Haltung von Legehennen in Legebatterien sowie Wildtiere im Zirkus in Österreich erlaubt.

Die Kampagnen von VIER PFOTEN und anderer Tierschützer fielen auf fruchtbaren Boden. Beispiel Eier: Zwei Drittel der konsumierten Eier in Österreich stammten noch in den Neunziger Jahren von Hühnern, die in Legebatterien gehalten wurden. In der damaligen allgemeinen Aufbruchsstimmung zeigte sich auch der Handel offen für Veränderungen und setzte immer mehr auf Eier aus Freilandhaltung.

Der Gesetzgeber folgte erst später: Das Verbot der Käfighaltung von Legehennen trat am 1. Jänner 2005 mit dem Bundestierschutzgesetz in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt waren Neubauten von Legebatterien verboten, die bestehenden konventionellen Käfige mussten bis Anfang 2009 gesperrt werden, die bestehenden so genannten „ausgestalteten“ Käfige (bieten den Hühner grade einmal den zusätzlichen Platz eines Bierdeckels) sind mit Anfang 2020 auch endlich Geschichte. In der EU wurden konventionelle Käfige übrigens erst 2012 verboten, ausgestaltete Käfige haben nach wie vor kein Ablaufdatum.

Das Bundestierschutzgesetz: ein Meilenstein im österreichischen Tierschutz

Das Bundestierschutzgesetz von 2005 kann überhaupt als echter Meilenstein im österreichischen Tierschutz bezeichnet werden. Es beinhaltet nämlich auch ein Verbot der Pelztierhaltung zur Gewinnung von Pelz sowie ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Heli Dungler: „Wenn wir uns die Situation der EU ansehen, so können wir sagen: Auch heute, im Jahr 2018, sind diese Verbote längst nicht selbstverständlich. Deutschland lässt beispielsweise noch immer Wildtiere im Zirkus auftreten, in einigen EU-Ländern ist die Pelztierzucht nach wie vor erlaubt.“

In den Jahren danach folgten kleinere Erfolge. Im Jahr 2009 zeigte eine VIER PFOTEN Kampagne gegen den Import von gestopften Gänsen und Enten Wirkung: Große Teile des Handels in Deutschland und Österreich verzichteten auf Produkte aus der tierquälerischen Stopfmast. „Die Stopfmast an sich war ohnehin verboten in Österreich. Aber natürlich konnte und kann man nach wie vor diese Produkte importieren. Auch wenn gestopfte Gänse und Enten bis heute konsumiert werden: Der Verbrauch ist doch deutlich zurückgegangen, weil ein Bewusstsein für dieses Problem entstand. Wir werden aber auch nicht müde, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen“, sagt Dungler. 

Den nächsten großen Erfolg für die Tiere feierten Tierschützer im Jahr 2015: das Ende des sinnlosen Kükensterbens in der österreichischen Bio-Branche. Auf Druck von VIER PFOTEN verpflichteten sich die Betriebe der Bio Austria dazu, die männlichen, „wertlosen“ Küken der Legehennen nicht mehr, wie üblich, gleich nach dem Schlupf zu töten, sondern einige Wochen großzuziehen. Heli Dungler: „Ja! Natürlich und VIER PFOTEN hatten dafür mit dem gemeinsamen Projekt „Haushuhn & Gockelhahn“ entscheidende Pionierarbeit geleistet. Es zeigte, dass eine Lösung möglich war.“

Im Jahr 2016 wurde Wiens traditionsreiches Ponykarussell im Prater nach intensiven Verhandlungen mit VIER PFOTEN endlich geschlossen – nach jahrelangen Protesten gegen eine anachronistische Praxis, die Tiere stundenlang zu lauter Musik im Kreis gehen ließ. Auch das kann Österreich als Pluspunkt für den Tierschutz verbuchen. Ebenso die Tatsache, dass sich 2017 sämtliche österreichische Bettenwarenhersteller nach einer VIER PFOTEN Kampagne dazu verpflichteten, die tierqualfreie Herkunft ihrer Daunen sicherzustellen – das heißt: keine Stopfmast, kein Lebendrupf mehr in österreichischen Bettenwaren.

Nach einer Novelle des Tierschutzgesetzes im Jahr 2017 dürfen Tiere nur noch von registrierten Züchtern bzw. im Rahmen einer genehmigten Haltung (z.B. Zoofachhandel) online inseriert werden. Privatpersonen dürfen dies nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen tun. Dafür hatte VIER PFOTEN jahrelang gekämpft. Denn der boomende Tierhandel über Online-Plattformen hatte den illegalen Welpenhandel enorm angetrieben.

Vor kurzem hat Bundesministerin Hartinger-Klein ein Verbot der Privathaltung von Bären angekündigt. Heli Dungler dazu: „Das ist ein sehr sinnvoller Schritt, der in Zukunft die tierquälerische Haltung von Bären unter völlig unzureichenden und schlechten Bedingungen ein für alle Male ausschließt.“

Es bleibt aber noch vieles offen!

Aufgrund dieser Erfolge wird Österreich oft als Tierschutz-Musterland angesehen. Dennoch: Es gibt für VIER PFOTEN und den Tierschutz allgemein noch viel zu tun. Besonders was die Situation der Nutztiere in Österreich angeht, ist Heli Dungler alles andere als zufrieden.

„Das ist in erster Linie die Folge einer völlig verfehlten Landwirtschaftspolitik, die sich vor allem in viel zu niedrigen Preisen für unsere Lebensmittel ausdrückt. Diese „Geiz ist geil“-Mentalität fordert langfristig drei Opfer: zunächst die Tiere, die aufgrund des Preisdrucks unter schrecklichen Bedingungen gehalten werden. Dann die Landwirte, die für ihre Arbeit nicht entsprechend entlohnt werden und außerdem unter der Konkurrenz jener Länder leiden, die überhaupt keine Tierschutz-Standards haben. Und letztlich die Konsumenten, die Billigprodukte vorgesetzt bekommen (und natürlich auch kaufen), die qualitativ minderwertig sind und bei denen oft schlicht nicht das am Etikett steht, was wirklich drin ist“, sagt Dungler.

Die niedrigen Standards bedeuten für die Tiere extreme Qualen. Schweine in der konventionellen Landwirtschaft werden beispielsweise völlig legal auf extrem engem Raum, auf Spaltenböden und mit kupierten (also abgeschnittenen) Schwänzen gehalten. Die Schwänze werden deshalb abgeschnitten, weil die Tiere unter den gegebenen Umständen beginnen, sie sich gegenseitig anzuknabbern. Männliche Ferkel dürfen ohne Betäubung kastriert werden. Sauen werden zum Abferkeln noch immer wochenlang in Kastenständen eingepfercht, ohne jede Bewegungsfreiheit. Schweine sind jedoch nur ein Beispiel, das zeigt, dass gewisse Tiere und tierische Produkte schlicht nichts mehr wert sind. Man könnte genauso Rinder aufzählen, die das ganze Jahr über angebunden werden dürfen.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass etwas Wertvolles wie unsere Lebensmittel zu Billigprodukten werden“, so Heli Dunglers leidenschaftliches Plädoyer für ein Umdenken. „Wir brauchen höhere Tierschutzstandards in der Landwirtschaft. Nicht nur für unsere Tiere. Sondern letztendlich auch für unsere Landwirte, damit ihnen über höhere Preise auch mehr vom Ertrag übrigbleiben kann. Vor allem aber für uns alle: Geben wir uns als Konsumenten nicht mit Billigware zufrieden! Fordern wir die Qualität, die uns und natürlich den Tieren zusteht!“

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