Offener Brief an die Bundesregierung zur Exzellenzinitiative

Die Wissenschaftlichen Direktoren der Vienna BioCenter Institute, von CeMM und IST Austria regen ein neues Förderinstrument an

Wien (OTS) - Exzellenzinitiative

Wir begrüßen das jüngst präsentierte Vorhaben der Bundesregierung, eine Initiative zur Stärkung und Weiterentwicklung der kompetitiven Grundlagenforschung zu etablieren. Der österreichische Wissenschaftsfonds hat in den letzten Jahrzehnten sehr erfolgreich zur Internationalisierung und Qualitätssteigerung der österreichischen Forschung beigetragen. Das an internationalen Standards orientierte System des “Peer Review”, die Offenheit für neue, von ForscherInnen initiierte Themen und die ausschließlich der wissenschaftlichen Exzellenz verpflichteten Förderungsentscheidungen sind inzwischen zentrale Eckpfeiler der österreichischen Forschungsförderung. In seiner Strategie 2020 hat sich der FWF die weitere Stärkung der Exzellenz durch Erhöhung kompetitiver Mittel als explizites Ziel gesetzt.

Durch die Initiative verschiedener Forschungseinrichtungen und Förderstellen wurde Österreich in den letzten Jahren auch ein interessanter Standort für junge ForscherInnen aus aller Welt. Es ist in verschiedenen Disziplinen gelungen, talentierte Wissenschaftlerinnen ins Land zu holen, aber wir müssen feststellen, dass sehr viele dieser KollegInnen das Land nach einigen Jahren wieder verlassen. Warum ist das so?

Im Gegensatz zu anderen Ländern mit einem gut ausgebauten Forschungsförderungssystem fehlt es hierzulande an einem geeigneten Förderungsprogramm für etablierte ForscherInnen. Dabei sprechen wir von einem Förderungsprogramm, das auf Basis einer strengen wissenschaftlichen Evaluierung eine international angemessene Finanzierung für eine Forschungsgruppe (wissenschaftliches Personal, Verbrauchsmaterial und Investitionen) über 5 Jahre zur Verfügung stellt. Für naturwissenschaftliche Gruppen wird dafür ein Betrag von ca. 2,5 Mio.€, vergleichbar mit einem Advanced ERC Grant, benötigt. Bei entsprechender Qualität sollte diese Förderung verlässlich und wiederkehrend vergeben werden. Das entspricht den Paketen, die etablierten ForscherInnen in Ländern wie den USA, Deutschland, der Schweiz oder Schweden zur Verfügung stehen.

Wenn es nicht gelingt, hier ein vergleichbares Förderungskonzept auf die Beine zu stellen, sind viele der durchaus erfolgreichen Bemühungen, junge ForscherInnen ins Land zu holen, von geringer Nachhaltigkeit für den Forschungsstandort und man kann als Steuerzahler zu Recht die Frage stellen, warum wir nach geleisteter Aufbauarbeit die erfolgreichsten Wissenschaftler in der Phase ihrer höchsten Produktivität einfach ziehen lassen.

Um das große Potential Österreichs als zentraleuropäisches Zentrum für Forschung und Innovation zu realisieren, braucht es eine kohärente Strategie, international vergleichbare Finanzierungsbedingungen über die gesamte Laufbahn hinweg anzubieten. Die Universitäten sind im Rahmen ihrer Basisfinanzierung weder in der Lage, solche Pakete zu finanzieren, noch sollten sie es tun. Auch in den erwähnten Ländern, zu denen wir aufschließen wollen, wird ein wesentlicher Teil der Finanzierung etablierter Forschungsgruppen — aus guten Gründen — über kompetitive Drittmittel bereitgestellt.

Wir ersuchen die Bundesregierung und den FWF, im Rahmen der Exzellenzstrategie ein neues Förderungsprogramm mit einer nach strenger internationaler Evaluierung erneuerbaren 5-jährigen Finanzierung einzurichten, um das ERC System zu komplementieren und Exzellenz beizubehalten. Der FWF ist ohne jeden Zweifel die dafür geeignete Förderungsagentur.

Hochachtungsvoll

Prof. Dr. Arndt v. Haeseler – MFPL
Prof. Dr. Magnus Nordborg – GMI
Prof. Dr. Thomas Henzinger – ISTA
Prof. Dr. Jan-Michael Peters - IMP
Prof. Dr. Jürgen Knoblich – IMBA
Prof. Dr. Giulio Superti Furga - CeMM

Erging an:

  • Herrn Bundesminister Univ-Prof. Dr. Heinz Faßmann, BM für Bildung, Wissenschaft, Forschung
  • Herrn Präsident Prof. Dr. Klement Tockner, FWF Der Wissenschaftsfonds Mitglieder Präsidium, FWF Der Wissenschaftsfonds

Rückfragen & Kontakt:

IMP Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie
Dr. Benedikt Mandl
Tel.: +43 1 79730 3627
benedikt.mandl@imp.ac.at

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