FIW: Schlüsseltechnologien der Digitalisierung und ihre Effekte auf die Außenwirtschaft

Wien (OTS) - Der FIW Policy Brief Nr. 41 "Schlüsseltechnologien der Digitalisierung und ihre Effekte auf die Außenwirtschaft" von Dr. Bernhard Dachs (AIT – Austrian Institute of Technology) ist als kostenloser Download unter https://www.fiw.ac.at/ erschienen.

Die Digitalisierung wird Geschäftsmodelle, Unternehmensbeziehungen und internationale Wertschöpfungsketten vielfach grundlegend verändern. Für den Außenhandel können ins­gesamt Vorteile erwartet werden, argumentiert Bernhard Dachs vom Austrian Institute of Technology.

Neue technologische Entwicklungen wie die Eisenbahn oder die Elektrizität haben der Welt­wirtschaft in der Vergangenheit immer wieder entscheidende Impulse gegeben. Heute erle­ben wir mit der Digitalisierung wieder einen solchen Umbruch. Industrie 4.0, künstliche Intelli­genz, Blockchains oder additive Fertigungsverfahren (3D-Druck) finden zunehmend in der Wirt­schaft Verbreitung. Ein neuer Policy Brief des Kompetenzzentrums "Forschungsschwerpunkt In­ternationale Wirtschaft" (FIW) im Auftrag des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirt­schaftsstandort untersucht mögliche Auswirkungen der Digitalisierung auf die Exportwirtschaft.

Die Digitalisierung wird Geschäftsmodelle, Unternehmensbeziehungen und internationale Wertschöpfungsketten vielfach grundlegend verändern. Für den Außenhandel können insge­samt Vorteile erwartet werden. Die Digitalisierung kann zu einer stärkeren internationalen Ar­beitsteilung und zu einem höheren Grad an Spezialisierung einzelner Länder in Wertschöpfungs­ketten führen. Neue Technologien könnten insbesondere auf den internationalen Handel mit Dienstleistungen positiv wirken.

Die Vorteile der Digitalisierung für den Außenhandel ergeben sich im Wesentlichen aus vier Effekten:

Erstens erlauben neue Informations- und Kommunikationstechnologien die Koordination von Produktionsaktivitäten und Warenströmen innerhalb und zwischen Unternehmen in Echtzeit. Damit können sie ihren räumlichen Handlungsspielraum wesentlich erweitern.

Zweitens können neue Technologien die Transaktionskosten im Außenhandel wesentlich ver­ringern. Internet-Plattformen helfen, die Kosten der Informationssuche über potentielle Han­delspartner, Abwicklungskosten und die Kosten für die Kontrolle der Einhaltung von Termin‑, Qualitäts‑, Mengen‑ und Preisvereinbarungen wesentlich zu senken. Technologien wie die Blockchain ersetzen heute versuchsweise bereits Frachtpapiere und könnten die Abwicklungs­kosten von Exporten und Exportfinanzierungen in Zukunft wesentlich verringern.

Drittens hilft die Digitalisierung, aus ortsgebundenen Dienstleistungen über das Internet handel­bare Produkte zu machen, in dem das zugrunde liegende Wissen standardisiert und kodifiziert wird. Kodifizierung bedeutet hier, Fähigkeiten und implizites Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wissen zu verwandeln, das aufgeschrieben und weitergegeben werden kann.

Zuletzt erhoffen sich Unternehmen durch die Digitalisierung Produktivitätssteigerungen bei höherer Flexibilität und Qualität. Ziel ist hier, die Kostenvorteile der industriellen Massenproduk­tion mit der Flexibilität einer Produktion individueller Produkte zu verbinden. Bei Dienstleistungen kann die Digitalisierung die Automatisierung unterstützen und so die Produktivität steigern.

Digitalisierung bietet Chancen für Österreichs Exportwirtschaft

Die Digitalisierung bietet Chancen für Österreichs Wirtschaft. Bereits jetzt gehört Österreich im EU-Vergleich zu jenen Ländern, in denen Unternehmen das Internet häufig für Exporte nutzen: Insgesamt verkaufen 14 Prozent aller österreichischen Unternehmen über das Internet in die EU, ein Wert der nur von Irland übertroffen wird. 8 Prozent aller österreichischen Unternehmen nut­zen das Internet für Exporte außerhalb der EU. Wir sehen hier, dass österreichische Unternehmen innerhalb von Europa mit zu den Vorreitern gehören. Eine stärkere internationale Arbeitsteilung wird insbesondere neue Marktchancen für die Unternehmen der österreichischen Zulieferin­dustrie eröffnen. Wachstumschancen ergeben sich auch für wissensintensive unternehmens­bezogene Dienstleistungen. Dienstleistungsunternehmen müssen für eine internationale Ver­marktung ihrer Leistungen oftmals im Ausland präsent sein. Die Digitalisierung kann Exporte sol­cher Dienstleistungen wesentlich vereinfachen.

Chancen können allerdings nur genützt werden, wenn österreichische Unternehmen konse­quent in die Digitalisierung investieren. Internationale Vergleiche zeigen, dass es in Österreich bei der Digitalisierung noch Steigerungspotential gibt. Die Politik kann Investitionen in die Digitalisierung in mehrfacher Hinsicht unterstützen. Die Digitalisierung braucht einen belastba­ren rechtlichen Rahmen, der etwa Fragen des Eigentums an angefallenen Daten oder Datensicherheit klärt und so Hindernisse für den Datenaustausch reduziert. Die Schaffung eines solchen rechtlichen Rahmens ist vor allem die Aufgabe der europäischen Ebene. Standards auf europäischer Ebene für Datensicherheit, Internet of Things und in anderen Bereichen könnten europäischen Unternehmen mehr Gewicht gegenüber Unternehmen in den USA geben.

Weiters erfordert die Digitalisierung oftmals komplementäre Kompetenzen, die in den Unter­nehmen vielfach noch nicht vorhanden sind. Big Data und künstliche Intelligenz etwa verlan­gen von Unternehmen Kompetenzen für die Analyse industrieller Daten. Aus- und Weiterbil­dung sollte deshalb eine Priorität jeder Politik zur Förderung der Digitalisierung sein. Die Unsi­cherheit der zukünftigen technologischen Entwicklung erfordert von der Politik auch einen brei­ten Ansatz zur Förderung von technologischen und nichttechnologischen Innovationen auf Ba­sis von digitalen Technologien. Auch die Förderung von Unternehmensgründungen ist ein wich­tiger Baustein einer solchen Strategie. Daneben erfordert Digitalisierung eine leistungsfähige Infrastruktur. Die österreichische Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm das Ziel ge­setzt, bis 2025 österreichweit leistungsstarkes Breitband sowie mobile Dienste mit 5G zu verwirk­lichen.

Zuletzt – und vielleicht am wichtigsten – sollte die Politik aktiv an die Digitalisierung herangehen. Wer versucht, aus Angst vor drohenden Arbeitsplatzverlusten den Strukturwandel zu verhindern, vergibt möglicherweise die Chancen der Digitalisierung.

Präsentation im Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort

Dr. Bernhard Dachs präsentierte den 41. FIW Policy Brief am 26. September 2018 im Marmorsaal des BMDW im Rahmen der 30. AW-Vorlesung. Diese Veranstaltungsreihe bringt regelmäßig Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaftspolitik zusammen, um über aktuelle Themen der österreichischen Außenwirtschaft zu diskutieren. Dipl.-Ing. Roland Sommer, MBA steuerte ein Koreferat bei. Der Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0 Österreich erläuterte anhand praktischer Beispiele die Chancen und Herausforderungen für Österreichs Unternehmen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung. Besonders hob er die Stärken der österreichischen Unternehmen im Bereich "Managing Complexity" hervor.

Dr. Bernhard Dachs ist Senior Scientist am Center for Innovation Systems & Policy des AIT (Aus­trian Institute of Technology) in Wien. Seine Spezialgebiete sind Innovationsökonomie, insbe­sondere im Hinblick auf die Internationalisierung von F&E, Innovation im Dienstleistungssektor und die Beschäftigungswirkungen von Innovationen. Er war in einer Reihe von Beratungs- und Forschungsprojekten für österreichische als auch internationale Auftraggeber tätig.

Beide Präsentationen sind auf https://fiw.ac.at/ als kostenloser Download verfügbar.


Das Kompetenzzentrum "Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft" (FIW) ist ein Projekt von drei Institu­ten – Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Rechenzentrum (WSR) – im Auftrag des Bundesministeriums für Digitali­sierung und Wirtschaftsstandort (BMDW); unterstützt wird das Projekt u. a. von der Oesterreichischen Nationalbank, der Industriellenvereinigung und dem Bundeskanzleramt. Die Kooperationsvereinbarungen des FIW mit der Wirtschaftsuni­versität Wien, der Universität Wien, der Johannes Kepler Universität Linz und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck werden aus Hochschulraumstrukturmitteln gefördert. Das FIW bietet Zugang zu internationalen Außenwirtschafts-Da­tenbanken, eine Forschungsplattform und Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten Themen.

Das FIW-Projekt veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen Policy Briefs zu aktuellen außenwirtschaftlichen Themen. In diesen Policy Briefs soll eine Aufbereitung aktueller, politikrelevanter Informationen stattfinden. Hierbei soll insbeson­dere auf die spezifische Situation Österreichs eingegangen werden.

Kontakt:
FIW-Projektbüro
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung – WIFO
1030 Wien, Arsenal, Objekt 20
Telefon: (+43 1) 798 26 01-335
E-Mail: fiw-pb@fiw.ac.at
Website: https://www.fiw.ac.at/

Rückfragen & Kontakt:

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Dr. Bernhard Dachs, Tel. +43 50550 4563, Bernhard.Dachs@ait.ac.at

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