„Let’s make more money“ - durch ein Weniger an Demokratie und Sozialstaat

Die große Finanzkrise war eigentlich ein Kapitalverbrechen. Seither sind wir der Krise nicht mehr entkommen, weil die Ursachen so tief sitzen.

Wien (OTS) - „Die Krisen der letzten Jahre führten direkt zu einem Abbau von Demokratie und sozialer Sicherheit. Es wird Zeit, etwas daraus zu lernen!“, so lautete das Resümee der Politik- und Wirtschaftswissenschafterin Gabriele Michalitsch und des Filmemachers Erwin Wagenhofer bei der Veranstaltung „Zehn Jahre Let´s Make Money“ der Akademie für Gemeinwohl und dem Depot am 26. September 2018 in Wien.

Diesen Herbst jährt sich nicht nur die Finanzkrise zum 10. Mal, sondern auch Erwin Wagenhofers wegweisender Dokumentarfilm „Let´s Make Money“. Mit den Arbeiten daran hatte er bereits lange vor der großen Krise begonnen. Wagenhofer heute: „In den zehn Jahren nach der so genannten Finanzkrise - die ja in Wirklichkeit ein Kapitalverbrechen war - sind Krisen in unseren Gesellschaften zum Normalfall geworden. Nach der Finanz- kam die Eurokrise, danach die Klimakrise und zuletzt die Flüchtlingskrise. Eines haben all diese Krisen gemeinsam: Sie sind von Menschen, sie sind von uns selbst gemacht.“

Michalitsch betonte in ihrer Rede die ganz konkreten Auswirkungen der globalen Krisen auf die Menschen in Österreich. „Seit 2008 lautet die Devise „Let’s make more money“ - durch weniger Demokratie, Sozialstaat und Kritik. In Österreich heißt das für die große Mehrheit: mehr Angst und Anpassung durch das Entziehen sozialer Sicherheit und verhärtete Konkurrenz; mehr Entmündigung und Zerstreuung durch marktorientierte Ausbildung und digitalisierte Kulturindustrie; und mehr Ablenkung durch rassistische und anti-islamische Feindbildproduktion.“

Mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 erreichte die größte weltweite Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte ihren ersten Höhepunkt. Zur selben Zeit erschien Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let's Make Money", der schonungslos die systemimmanenten und moralischen Gründe für das Versagen des Finanzkapitalismus vor Augen führt. "Zehn Jahre danach zeigt sich, dass Lehren aus dem Desaster bei weitem nicht ausreichen, die getroffenen Maßnahmen vor allem kosmetischer Natur waren, und wirtschaftspolitische Alternativen dringender denn je vorangetrieben werden müssen.", so schlussfolgert Christina Buczko, die Leiterin der Akademie für Gemeinwohl, der Bildungseinrichtung der Genossenschaft für Gemeinwohl.

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Über die Genossenschaft für Gemeinwohl

Die 2014 gegründete Genossenschaft für Gemeinwohl ist die Plattform für gemeinwohlorientierte Menschen und Organisationen rund um das Thema Geld und Finanzen. Sie hat die Crowdfunding-Plattform initiiert, um gemeinwohlgeprüfte Projekte zu fördern. Die Akademie für Gemeinwohl bietet Aufklärung, Alternativen und Wissen rund um Geld und Finanzen. Die Genossenschaft hat über 6.000 Mitglieder aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die sich für eine Ausrichtung der Geldwirtschaft am Gemeinwohl engagieren.

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