Arzt droht im Iran die Todesstrafe: Ärztekammer ersucht Republik Österreich um Unterstützung

Während einer Kongressreise verhaftet – Offener Brief an Außenministerin Karin Kneissl und WKÖ-Präsident Harald Mahrer

Wien (OTS) - In einem an Außenministerin Karin Kneissl und den Präsidenten der Österreichischen Wirtschaftskammer Harald Mahrer adressierten offenen Brief ersucht die Ärztekammer dringend, sich für die Freilassung des im Iran inhaftierten und zum Tode verurteilten Arztes Ahmadreza Djalali nachhaltig einzusetzen. Unterschrieben ist der Brief von Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sowie dem Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins Hemayat und Co-Gruppensprecher der ai-Medizinergruppe, Siroos Mirzaei. ****

Hintergrund sind die vom 22. bis 25. September 2018 in Wien anberaumten Gespräche mit einer politisch-wirtschaftlichen Delegation aus dem Iran. Szekeres und Mirzai appellieren dabei an Kneissl und Mahrer „in Eigenschaft Ihrer Vertretungsfunktion Österreichs und im Einklang mit unserer Dachorganisation, der World Medical Association (WMA), alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um die Freilassung von Dr. Ahmadreza Djalali, einem schwedisch-iranischen Kollegen, zu erwirken“.

Zur Vorgeschichte: Im April 2016 war Djalali gemeinsam mit Kollegen zu Seminaren nach Teheran und Schiras gereist. Er ist Katastrophenmediziner und unterstützt Krankenhäuser beim Umgang mit Opfern von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder bewaffneten Konflikten unter Bedingungen extremer Armut. Seine Ausbildung absolvierte er am Karolinska Institut in Schweden, seine Spezialisierung an der Universität des Piemont (CRIMEDIM), zuletzt arbeitete er in der Forschungsabteilung der Freien Universität Brüssel (VUB).

Djalali wurde bei seiner Reise in den Iran von den iranischen Behörden verhaftetet und mehr als ein Jahr später wegen angeblicher „Spionage für Israel“ im Oktober 2017 wegen „Zusammenarbeit mit einem feindlichen Staat“ zum Tode verurteilten. Seit seiner Festnahme engagiert sich Amnesty International für den inhaftierten Arzt. Noch im November, nach dem Todesurteil, schrieben 75 Nobelpreisträger an den iranischen UN-Botschafter mit der Bitte, ihn freizulassen. Mitte Jänner dieses Jahres organisierten die schwedische Wissenschaftsakademie, Amnesty International sowie sein ehemaliger Arbeitgeber, das Karolinska Institut, eine gemeinsame Demonstration für Djalali.

Einzelhaft und psychische Folter

Nach Informationen der WMA war Djalali sehr lange in Einzelhaft und psychischer Folter ausgesetzt. Mittlerweile hat die iranische Justiz alle Rechtsmittel gegen die Todesstrafe abgelehnt. Um auf seine Situation aufmerksam zu machen, ist Djalali mehrmals in Hunger-und Durststreik getreten. Er benötigt dringend medizinische Hilfe. Auch die „United Nations Working Group on Arbitrary Detention“ hat die Haftumstände von Djalali laut Aussendung der WMA schärfstens kritisiert.

Djalali, der schwedische Staatsbürger ist und mit seiner Frau und zwei Kindern in Schweden lebt, ist für die Ärztekammer „ein Gewissensgefangener des Iran“. Alle Fakten sprechen laut Szekeres und Mirzaei dafür, dass seine Tätigkeiten „ausschließlich einem medizinischen und humanitären Ziel geschuldet sind“. Auch habe er stets bestritten, für irgendwelche ausländischen Geheimdienste gearbeitet zu haben.

Der Brief endet: „Sehr geehrte Frau Minister, sehr geehrter Herr Präsident, anlässlich des bevorstehenden Besuchs der politisch-wirtschaftlichen Delegation aus dem Iran ersuchen wir Sie, sich für die Freilassung des EU-Bürgers Dr. Djalali einzusetzen. Eine Intervention seitens der Republik Österreich, die stets traditionell gute Beziehungen zum Iran pflegt, und auch derzeit in der zusätzlichen Funktion Österreichs als EU-Vorsitzland, könnte aus humanitärer Sicht großen Einfluss auf diesen tragischen Fall haben und womöglich die Freilassung unseres zum Tode verurteilten Kollegen in die Wege leiten.“ (hpp)

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