Fachkräftemangel: Der 4-Stufen-Plan der Grünen Wirtschaft

Nach jahrelangem Schönreden der Dualen Ausbildung braucht es eine Modernisierung der Berufsausbildung. Nur so können auch Kleinstbetriebe Fachkräfte ausbilden.

Wer Fachkräfte braucht, muss auch ausbilden können. Dafür müssen insbesondere Kleinstbetriebe eine umfangreiche Unterstützung bekommen, denn wir verlieren jährlich rund 1500 Ausbildungsbetriebe in Österreich. Gleichzeitig sollten aber auch durch eine veränderte Einbettung der Berufsschulen ins Ausbildungssystem Jugendliche stärker an die Lehre herangeführt bzw. in der Ausbildung gehalten werden. 
Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft

Wien (OTS) - Bei der heutigen Präsentation der Studie zur Situation der fehlenden Fachkräfte durch WK-Präsident Harald Mahrer und Generalsekretär Johannes Kopf wurde erneut auf die Probleme in der Lehrlingsausbildung in Österreich hingewiesen. Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft: „Wenn WK-Präsident Mahrer einmal mehr auf die lang bekannten und in den Zeiten der ÖVP-Regierungsbeteiligung ungelösten Problemen im Bildungssystem verweist, die Werbetrommel für das Image der Lehre rührt und die Mängel in den Curricula anprangert, geht das nicht weit genug. Schön geredet wurde unser Berufsausbildungssystem nun lange genug!“ 

Wer Fachkräfte braucht, muss ausbilden können

Was es wirklich braucht, ist eine weitaus größere Reform der Berufsausbildung, um mehr Betriebe zu Ausbildungsbetrieben zu machen. Jungwirth: Wer Fachkräfte braucht, muss auch ausbilden können. Dafür müssen insbesondere Kleinstbetriebe eine umfangreiche Unterstützung bekommen, denn wir verlieren jährlich rund 1500 Ausbildungsbetriebe in Österreich. Gleichzeitig sollten aber auch durch eine veränderte Einbettung der Berufsschulen ins Ausbildungssystem Jugendliche stärker an die Lehre herangeführt bzw. in der Ausbildung gehalten werden. 

Der 4-Stufen-Plan der Grünen Wirtschaft zur Modernisierung der Berufsausbildung

Die Grüne Wirtschaft hat in einer österreichweiten und branchenübergreifenden Arbeitsgruppe Vorschläge zur Modernisierung der Berufsausbildung erarbeitet und in einem 4-Stufen-Plan zusammengefasst:

1. Verlängerung der Schulpflicht bis 16 Jahre. Viele 15-Jährige brechen ihre Lehre ab. Deshalb braucht es eine längere Orientierungsphase vor der Berufs- bzw. Ausbildungswahl, die in der Pflichtschule in allen Schultypen Platz finden muss.
2. Regionale Ausbildungsplattform (RAP) als zentrale Drehscheibe und Kompetenzzentrum. Die RAP sollte neben der theoretischen Wissensvermittlung zur zentralen Drehscheibe aller Elemente der Berufsausbildung in einer Region werden – von der Organisation über Berufsorientierung, Vermittlung und Koordination von Ausbildungsplätzen sowie Qualitätssicherung bis hin zum Troubleshooting. Die notwendigen Ergänzungen der Lehrpläne im Bereich der Digitalisierung sind dort vorzunehmen. Die Integration von EPU bzw. Kleinstbetrieben in die Berufsausbildung kann durch die Übernahme von koordinierenden Aufgaben durch die RAP gelingen.
3. Solidarische Finanzierung der Berufsausbildung. Genau wie die Schulausbildung sollten die Ausbildungskosten der Betriebe als Solidaraufgabe verstanden werden. Die Betriebe, die MitarbeiterInnen beschäftigen, leisten dazu einen Beitrag in Form einer Abgabe an einen Ausbildungsfonds.
4. Einheitliche Ausbildungsentschädigung für alle Berufe, gestaffelt nach Ausbildungsjahren – egal, welchen Beruf die Jugendlichen erlernen. Nur so kann endlich die Problematik der Konzentration auf einige wenige Berufsfelder bei den Jugendlichen aufgeweicht werden. Die einheitliche Ausbildungsentschädigung würde außerdem einen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter leisten, denn damit wären die klassischen Männer- und Frauenberufe zumindest während der Ausbildungsphase gleich entlohnt.

Bessere Rahmenbedingungen, gezielte Zuwanderung

Zusätzlich zur Modernisierung der Berufsausbildung braucht es gezielte Zuwanderung. Dazu gehört auch das Aufenthaltsrecht für in Ausbildung stehende, jugendliche Asylsuchende, für das sich bereits die Präsidenten der Länderwirtschaftskammern gemeinsam mit tausenden UnternehmerInnen eingesetzt haben. 

Vertiefende Informationen über die Lösungsvorschläge der Grünen Wirtschaft durch Modernisierung der Berufsausbildung finden Sie hier als Download.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Lina Bibaric
Kommunikation Grüne Wirtschaft
lina.bibaric@gruenewirtschaft.at
+43 (0) 664 883 273 40

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | DGW0001