Wolf gefährdet klein strukturierte Weidewirtschaft

Nur große Nutztierherden können sich behaupten

  • Wenn man sich zusammentut wie in der Schweiz und eine Herde mit 700, 800 Köpfen bildet, dann kann man einen Hirten engagieren mit Hunden, und dann kann man auch in Wolfsgebieten verlustfrei Schafe halten.“ 
    Prof. Kurt Kotrschal, Biologe, Verhaltensforscher an der Universität Wien, Wissenschaftler des Jahres 2010, Leiter des Wolf Science Center Ernstbrunn, Autor und langjähriger Kolumnist der Tageszeitung „Die Presse“ („Mit Federn, Haut und Haar“)
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  • Da ist es wie mit dem Experiment der Laborratten im Labyrinth. Die Belohnung ist das Schaf, die Zäune sind die Hindernisse. Das Risiko war gleich null, und man hat dem Wolf während Jahren beigebracht, die Hindernisse zu umgehen.
    Laurent Garde, stellvertretender Leiter des Forschungszentrums für Viehzucht in der Region Alpes Maritimes, Frankreich
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  • Ich rede von den kleinen und mittleren Bauern. Von denen, die ihr Vieh noch kennen, die einen Bezug dazu haben. Die Tierleid sehen, und, wenn die Zeit da ist, töten können. Wo es kein Widerspruch ist, ein (Nutz)Tier zu mögen, es zu respektieren und es trotzdem zu schlachten. Genau dahin kommt der Wolf.“ 
    DI Thomas Huber, Wildbiologe, Jäger und Nebenerwerbs-Bergbauer
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Graz (OTS) - Der Wolf beschäftigt die heimischen Bauern. Herdenschutz stellt die kleinen und mittleren Betriebe vor unlösbare Aufgaben.

Selbstständig agierende große Herdenschutzhunde müssen als Rudeltiere mindestens zu zweit in der Herde laufen und fressen mehr Fleisch, als mit den durchschnittlich 25 Schafen und 7 Ziegen österreichischer Bauern überhaupt erzeugt werden kann. 90 oder 120 cm hohe Elektrozäune allein bieten langfristig keinen ausreichenden Schutz. In Frankreich empfiehlt man für Nachtpferche inzwischen 3 Meter. Der Ökologe Laurent Garde: „Da ist es wie mit dem Experiment der Laborratten im Labyrinth. Die Belohnung ist das Schaf, die Zäune sind die Hindernisse. Das Risiko war gleich null, und man hat dem Wolf während Jahren beigebracht, die Hindernisse zu umgehen.“ 3 Meter hohe Fixzäune mit Untergrabeschutz bedürften einer Baubewilligung und wären unfinanzierbar. Mobile Elektronetze dieser Höhe wären nicht zu handhaben. Die Anstellung eines Hirten ist erst ab einer Herdengröße von 500 Tieren finanziell tragbar.

Wolfsschützer raten daher zu großen Herden. Der österreichische Verhaltensbiologe Prof. Kurt Kotrschal: „Wenn man sich zusammentut wie in der Schweiz und eine Herde mit 700, 800 Köpfen bildet, dann kann man einen Hirten engagieren mit Hunden, und dann kann man auch in Wolfsgebieten verlustfrei Schafe halten.“
Doch der Großteil der heimischen Weideflächen ist für so viele Tiere zu klein. Es können sich auch nur Züchter derselben Rasse zusammenschließen. Und die kleinen zerstreuten Bestände gefährdeter alter Rassen lassen sich nicht zu Riesenherden vereinigen.

Trotz vorbildlicher staatlicher Förderung des Herdenschutzes in der Schweiz ist dort die Zahl der Weideschafe in den vergangenen drei Jahren um 30% zurückgegangen. Die Tendenz geht zu großen Herden, aber auch dort kommen Wolfsattacken vor. In den italienischen Abruzzen hat die Ausbreitung der Wölfe zu einem Rückgang der Weideschafe um 60% geführt. Nur die größten Herden konnten sich halten. In Frankreich mit seinen 300 Wölfen betrug die Zahl der bestätigten Nutztierrisse trotz staatlich geförderter Herdenschutzmaßnahmen im Jahr 2017 bereits fast 11.000. Immer mehr Bauern hören auf, Steilhänge erodieren.

Der Wolf zerstört gerade die tiergerechteste Weidewirtschaft. Der Wildbiologe, Jäger und Bergbauer DI Thomas Huber: „Ich rede von den kleinen und mittleren Bauern. Von denen, die ihr Vieh noch kennen, die einen Bezug dazu haben. Die Tierleid sehen, und, wenn die Zeit da ist, töten können. Wo es kein Widerspruch ist, ein (Nutz)Tier zu mögen, es zu respektieren und es trotzdem zu schlachten. Genau dahin kommt der Wolf.“

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