Die Illusion von einem "Sozialismus mit menschlichem" Antlitz.

Wien (OTS) - In wenigen Tagen jährt sich der 50ste Jahrestag des "Prager Frühlings". Aus diesem Anlass fand in Weitra dem Kompetenzzentrum zur Geschichte des Eisernen Vorhangs eine Gesprächsrunde mit hochgradigen Zeitzeugen statt. 

Pavol Dubcek, den Sohn des seinerzeitigen Generalsekretärs der Kommunistischen Partei und politischen Kopf der Reformbewegung Alexander Dubcek, weiß zu berichten, dass sein Vater viel Kontakt mit den Bürgern hatte und daher um deren Sorge sowie die Notwendigkeit des Wechsels von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft Bescheid wusste. Für ihn steht fest, dass für seinen Vater angesichts der politischen Machtverhältnisse im damaligen Ostblock nur eine Demokratisierung unter dem Dach der KP möglich gewesen sei. Und es hatte auch lange den Anschein, dass dies möglich sein sollte. Ausschlaggebend für den Einmarsch von Truppen des Warschauer Staates in die CSSR sei letztlich der Druck aus der DDR und Polen gewesen.

Mit der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings verschwand, so der ehemalige Staatspräsident der Republik Tschechien. Vaclav Klaus, der Glaube an die Gesellschaft fast in der ganzen Gesellschaft. Im November 1989 als auch in der CSSR das kommunistische Regime zusammenbrach wollte niemand mehr den Kommunismus retten oder verbessern, strebte niemand nach einem Kommunismus mit menschlichem Gesicht. Man wollte auch keinen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, sondern freie Marktwirtschaft und pluralistische Demokratie. Der November des Jahres 1989 war die Leugnung des Jahres 1968, nicht seine Verwiklichung. Das aber hätten die Menschen in Westeuropa nicht richtig verstanden.

Für Juraj Alner, einem slowakischen Publizisten sowie Anhänger der Reform- und Dissidentenbewegung, stand schon vor 50 Jahren fest, dass Demokratisierung unter dem Dach einer kommunistischen Partei nicht möglich ist. Für ihn war daher ein Sozialismus mit menschlichem Antlitz immer schon eine Illusion. Und er widerspricht damit auch dem Anspruch Dubceks. Alner findet übrigens den Begriff "Prager Frühling" für nicht ganz zulässig, seien doch die Slowaken viel offener und reformfreudiger gewesen als  die Tschechen. Bemerkenswert findet er die Tatsache, dass man dieses historischen Ereignisses in Österreich offenbar mehr gedenkt als in seiner Heimat.

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