Work-Life-Balance und Karriere mit Teilzeit

Hernstein Management Report Nr. 2/2018: Wie balancieren Führungskräfte Beruf und Freizeit und ist Karriere mit Teilzeit ein frommer Wunsch oder Wirklichkeit?

Wien (OTS) - Der 2. Hernstein Management Report für 2018 erhebt, dass über 2/3 der befragten Führungskräfte eine ausgeglichene Work-Life-Balance erleben. 62% fühlen sich darin in hohem Maß von ihren Unternehmen unterstützt. Den Begriff „Work-Life-Blending“ kennen 43% der Führungskräfte nicht. 42% halten dieses Konzept im Alltag für irrelevant, gleichzeitig geben knapp 2/3 der Befragten an, einen Anruf ihres Vorgesetzten beim Abendessen zuhause zu beantworten und im Bedarfsfall Arbeitsaufgaben am Wochenende mit nach Hause zu nehmen. Zum Thema Teilzeit: 54% der Befragten können sich nicht vorstellen, ihre Arbeitszeit aus persönlichen Gründen zu reduzieren. Rund 1/3 haben Bedenken, dass die eigene Karriere als Führungskraft davon negativ beeinflusst wird. Ist es aufwändiger, Teilzeitkräfte zu führen? 53% der Führungskräfte meinen, es macht keinen Unterschied. 25% halten es für schwieriger. 

„Die zentrale Frage rund um Life-Balance oder Work-Life-Blending ist der eigene Umgang damit. Dieser hängt sehr stark von der inneren Haltung ab. Und inwiefern man als Führungskraft gelernt hat damit umzugehen. Dabei gilt es, sich im ersten Schritt der eigenen Stressmuster und Grenzen bewusst zu werden und sie folglich zu berücksichtigen“, so Mag. (FH) Michaela Kreitmayer, Leiterin Hernstein Institut für Management und Leadership. Ergänzend fügt sie hinzu: „Selbstführung ist ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Arbeit als Führungskraft. Und diese kann man sich erarbeiten.“

Work-Life-Balance – Wie balancieren Führungskräfte durchs Leben?

94% der befragten Führungskräfte in Deutschland und Österreich geben an, in hohem Maß eigenmotiviert zu arbeiten und täglich ihr Bestes zu geben. Über 2/3 sagen, dass sie ihr Arbeits- und Privatleben im Großen und Ganzen gut miteinander vereinbaren können. Mehr als die Hälfte davon (37%) stimmen dieser Aussage sogar ausdrücklich zu. Das bedeutet, dass rund ein Drittel der befragten Führungskräfte ein deutliches Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatleben erleben.

Spannende Unterschiede zeigen sich bei den verschiedenen Arbeitszeitmodellen: 67% der Vollzeit-Führungskräfte erleben Arbeits- und Privatleben als ausgeglichen. Deutlich öfter trifft das bei den Teilzeit-Führungskräften zu: 78% der befragten Teilzeit-Führungskräfte, die mehr als 20 Stunden arbeiten, geben an, dass die Balance gelingt. Ein interessantes Detail: Im oberen und Top-Management hat jede zweite Führungskraft (55%) das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Im unteren Management sind es lediglich 31%.

Wir wollen, dass es dir gut geht! Wie Unternehmen Führungskräfte unterstützen

Führungskräfte, die den Ausgleich zwischen ihrem Beruf und Privatleben positiv erleben, fühlen sich von ihrem Unternehmen (62%) und von ihrem Vorgesetzten (61%) unterstützt. Personen, die bereits in Teilzeit arbeiten, schätzen die Unterstützung signifikant höher ein als Vollzeitkräfte. Führungskräfte der oberen und Top-Managementebene erleben die Unterstützungsmaßnahmen wesentlich positiver (76%) als jene der unteren Managementebene (58%).

Unterstützungsangebote im Bereich Work-Life Balance. Danke, aber nein, danke?

Unternehmen bieten im Bereich Work-Life-Balance eine Vielzahl an Instrumenten zur Unterstützung an, die über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen: Karenz/Väterkarenz (58%), Laufbahnwechsel (41%), Kinderbetreuungsangebote (36%), Sabbatical (33%) und Jobsharing (22%). Überraschend wenige Führungskräfte (durchschnittlich 10%) nutzen diese Angebote. 12% denken daran, diese Angebote in Zukunft (wieder) nutzen zu wollen. 53% der Unternehmen bieten Teilzeitarbeit für Führungskräfte über die gesetzlich geregelte Eltern- oder Altersteilzeit hinaus an. Lediglich 16% nehmen es in Anspruch. Weitere 25% geben an, diesbezügliche Angebote in der Zukunft nutzen zu wollen.

Work-Life-Blending: Arbeit in der Freizeit – Freizeit in der Arbeit

43% der Befragten haben noch nie von dem Begriff Work-Life-Blending gehört. 30% der Befragten kennen ihn zwar, verbinden aber keine konkrete Vorstellung damit. Auf 35% der Befragten wirkt er eher negativ, auf 30% eher positiv, auf weitere 35% ambivalent. 42% meinen, dass Work-Life-Blending im Alltag kein Thema ist. Allerdings: 64% der Befragten würden einen Anruf ihres Vorgesetzten beim Abendessen zuhause auf jeden Fall beantworten. 62% nehmen im Bedarfsfall wichtige Arbeitsaufgaben am Wochenende mit nach Hause. 74% würden einen Anruf ihres Partners während der Arbeitszeit auf jeden Fall annehmen. 50% geben an, im Bedarfsfall Kinder für eine Stunde mit ins Büro bringen zu können. Es zeigt sich also: Der Begriff Work-Life-Blending ist als eigenständiges Konzept mehrheitlich unbekannt, dennoch ist er bereits Realität.

Darf´s ein bisschen weniger sein? Ist Teilzeit ein Thema für Führungskräfte?

Können sich Vollzeit-Führungskräfte vorstellen, ihre Arbeitszeit aus persönlichen Gründen zu reduzieren? Knapp die Hälfte der Führungskräfte (46%) sagt ja, etwas mehr als die Hälfte (54%) schließt es für sich aus. Vor allem die zu erwartenden finanziellen Einbußen (39%) sind ein wichtiger Grund für die ablehnende Haltung. Knapp die Hälfte (45%) der Führungskräfte ist optimistisch, dass Teilzeit-Optionen sich nicht negativ auf die Karriere auswirken. 56% sind da nicht so zuversichtlich. Jeder Zweite sieht Teilzeitarbeit also als Risiko für die Karriere. Die oberen und Top-Management­ebenen empfinden das deutlich positiver als die unteren. Auch Teilzeit-Führungskräfte antworten optimistischer bezüglich einer Karriere als Teilzeitkraft als Vollzeitkräfte. Dennoch: mehr als ein Drittel der Führungskräfte in Teilzeit (38%) ist der Meinung, dass ihre Karriere von der Entscheidung für Teilzeit negativ beeinflusst sein wird.

Ist es aufwändiger, Teilzeitkräfte zu führen? 25% der Führungskräfte sagen ja zu dieser Aussage, 53% stimmen nicht zu. Die persönlichen Erfahrungen scheinen einen Einfluss zu haben: Führungskräfte, die selbst Teilzeit arbeiten, bewerten das Führen von Teilzeitkräften positiver (80% gegenüber 60% bei Vollzeitführungskräften). Hätten Führungskräfte lieber eine Vollzeitkraft in ihrem Team oder zwei Teilzeitkräfte, die sich das Stundenausmaß teilen? Knapp die Hälfte der Befragten (44%) favorisieren die Vollzeitkraft. 41% meinen, dass es keinen Unterschied macht.

Über die Studie

Der Hernstein Management Report erhebt seit 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern in Österreich und Deutschland.

Befragungszeitraum: April 2018, befragte Personen: 1.516 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 510 in Österreich und 1.006 in Deutschland, Befragungsart: Online‐Befragung, durchgeführt von vieconsult GmbH.

Den vollständigen Report mit Infografiken finden Sie unter www.hernstein.at/hmr

Rückfragen & Kontakt:

Hernstein Institut für Management und Leadership, Mag. Isabelle Maurer, MSc
t +43/1/51450‐5617, isabelle.maurer@hernstein.at

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