- 27.07.2018, 09:23:19
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AK Studie: Pflegeversicherungen mit Lücken 1
Überschaubarer Markt, ähnliche Produkte, hohe und teils stark gestiegene Prämien
Utl.: Überschaubarer Markt, ähnliche Produkte, hohe und teils stark
gestiegene Prämien =
Wien (OTS) - Der Markt für private Pflegeversicherungen ist klein.
Die Produkte sind ähnlich, die Prämien sind teuer und stark
gestiegen. Und: Sie können im Fall der Pflegebedürftigkeit anfallende
Kosten, zum Beispiel die einer 24-Stunden-Betreuung, kaum abdecken.
Das zeigt eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im
Auf-trag der AK.
Kleiner Markt: Der Markt für private Pflegeversicherungen ist
überschaubar. Derzeit teilen sich sechs Anbieter den Markt: Allianz,
Donau Versicherung, Nürnberger, S-Versicherung, Uniqa und Wiener
Städtische.
Fast einheitliche Angebotspalette: Die Versicherer bieten ähnlich
ausgestaltete Pflegeversicherungstarife an, die sich meistens – außer
Nürnberger Versicherung – bei der Leistung (monatliche Auszahlung im
Pflegefall) an den gesetzlichen Pflegegeldstufen orientieren. Beim
gesetzlichen Pflegegeld gibt es sieben Pflegestufen, die sich am
Pfle-gebedarf in Stunden pro Monat ausrichten. Eine private
Pflegversicherung leistet fixe Zahlungen pro Pflegestufe (je höher
die Stufe, desto höher die Leistung). Das entspricht von der Tendenz
her einer Verdoppelung des gesetzlichen Pflegegeldes. Zum Beispiel
beträgt das gesetzliche Pflegegeld in der Stufe 5 derzeit 920,30
Euro. Die Leistungen der Pflegeversicherer betragen – je nach
Versicherer – zwischen 920,30 und 1.000 Euro.
Wissenswertes, um vor Überraschungen gefeit zu sein: Erstens, eine
Pflegeversicherung ist eine Risikoversicherung: Tritt der
Leistungsfall der Pflegebedürftigkeit nicht ein, dann ist die Prämie
„weg“ – es gibt keine Kapitalauszahlung wie etwa bei einer
kapitalbildenden Lebensversicherung. Das kann bei kapitalbildenden
Spar- und Veranlagungsprodukten (etwa Sparbuch) nicht passieren – das
Angesparte bleibt erhalten.
Zweitens, leisten etliche Tarife erst ab Pflegestufe 3 oder höher –
in Pflegestufe 1 und 2 gibt’s also kein Geld von der Versicherung,
wenn der Pflegefall nach der Pflegestufe 1 oder 2 eintritt. Bei Uniqa
gibt es überhaupt erst ab Pflegestufe 4 eine Leistung. Die Statistik
zeigt, dass rund zwei Drittel der gesetzlichen Pflegegeldbezieher in
Stufe 1, 2 oder 3 eingestuft sind. Beispiel zur Illustration, was von
einer privaten Pflegversicherung zu erwarten ist: Ein/e 40-jährige
Frau/Mann schließt eine Pflegeversicherung ab. Er/sie zahlt eine
Monatsprämie von 67,95 Euro. Im Alter von 75 Jahren tritt die
Pflegebedürftigkeit nach Pflegestufe 2 ein (Pflegebedarf von mehr als
95 Stunden pro Monat). Er/Sie erhält nach dem Bundespflegegeldgesetz
290 Euro pro Monat. Hingegen erfolgt von der Versicherung keine
Leistung. Das bedeutet, dass die/der VersicherungsnehmerIn bis zum
Ein-tritt der Pflegebedürftigkeit in Summe 28.539 Euro (35 Jahre bzw.
420 Monate zu je 67,95 Euro Monatsprämie) einbezahlt hat – in den
Pflegestufen 1 und 2 jedoch aufgrund vertraglicher Vereinbarung leer
ausgeht.
Drittens, auch wenn die Pflegeversicherung eine Geldleistung
erbringt, dann können die anfallenden Pflegekosten pro Monat kaum
oder gar nicht abgedeckt werden. Beispiel: Die Kosten für
24-Stunden-Betreuung betragen etwa 2.400 Euro. In der Pflegestufe 4
(mehr als 160 Stunden Pflegebedarf pro Monat) beträgt das gesetzliche
Pflegegeld 677,60 Euro. Dieses gesetzliche Pflegegeld kann die 2.400
Euro nicht abdecken – es entsteht eine Lücke von 1.722,30 Euro. Die
private Pflegeversicherung kann diese Finanzierungslücke allerdings
auch nicht zur Gänze schließen. Denn die Leistung der Versicherung in
Pflegestufe 4 beträgt 700 Euro: sie verringert lediglich die Lücke –
also die Differenz aus Pflegekosten von 2.400 Euro minus gesetzlichem
(677,60 Euro) Pflegegeld und privater Versicherungsleistung (700
Euro) – auf 1.022,30 Euro.
Ab wann rentiert sich nun eine private Pflegeversicherung? Zum
einen, wenn die Pflegversicherung für eine volle Deckung der
monatlich anfallenden Pflegekosten sorgt. Aber dafür müssten
KonsumentInnen tief in die Tasche greifen. Sprich, sie müssten eine
sehr hohe Versicherungsprämie – einige hundert Euro pro Monat –
zahlen, um sich eine volle Kostendeckung für zum Beispiel eine
24-Stunden-Betreuung zu erkaufen. Und eine Versicherung zahlt sich
auch dann aus, wenn die Leistungen aus der Versicherung die
Prä-mienzahlungen übersteigen. Die/der 40-jährige
Versicherungsnehmer, der bis zum 75 Lebensjahr bzw. zum Eintritt der
Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe 4) eine Prämiensumme von 28.539 Euro
(420 Monate zu je 67,95 Euro) einbezahlt hat, erhält eine monatliche
Versicherungsleistung von 700 Euro. Das heißt, dass er/sie nach rund
41 Bezugsmonaten – Prämiensumme von 28.539 Euro dividiert durch 700
Euro pro Monat - die Versicherungsleistungen die Prämienzahlungen
übersteigen. Unter diesem Aspekt rentiert sich die private
Pflegeversicherung – nach 35-jähriger Prämienzahlungsdauer (420
Monate) und Bezug der Versicherungsleistung (700 Euro/Monat) ab dem
75. Lebensjahr -, wenn die/der VersicherungsnehmerIn 78,4 Jahre alt
ist.
Überdies haben sich die Prämien für Pflegeversicherungen erheblich
verteuert. Ein neu abgeschlossener Pflegeversicherungsvertrag für
eine/n 40-jährige/n Frau/Mann kostet im Vergleich zu 2014 im Schnitt
um 57 Prozent mehr – bei keiner oder eher geringer
Leis-tungssteigerung. Fazit: Private Pflegeversicherungen sind teuer
und weisen etlichen Leistungslücken auf.
(Forts.)
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