Solvabilität und Finanzlage der Österreichischen Versicherungen

Verbesserte Risikotragfähigkeit, hohe Eigenmittelqualität

Wien (OTS) - Die Versicherungsunternehmen in Österreich haben ihre Ausstattung mit Eigenmitteln weiter verbessert, um die Risiken, die sich aus ihrer Tätigkeit ergeben, tragen zu können. Das geht aus der aktuellen Überprüfung der Jahresberichte über Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report, SFCR) der Versicherungen hervor, die von der Österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) analysiert wurden. Die Eigenmittel der 37 in Österreich konzessionierten Versicherungen betrugen mit Stichtag 31.12.2017 im Mittelwert (Median) 251,5 % der aufsichtlichen Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR). Im Jahresvergleich bedeutet das eine Verbesserung um 14 Prozentpunkte (2016: 237 %). Der österreichische Versicherungssektor liegt damit deutlich über dem europäischen Mittelwert von 214 %[1].

Neben der Höhe der Eigenmittel legt die FMA im Sinne ihrer Aufsichts- und Prüfschwerpunkte auch einen speziellen Fokus darauf, dass die Unternehmen ihre Risiken konsistent ermitteln. „Interne Modelle und Übergangsmaßnahmen dürfen nicht dazu führen, dass Risiken verzerrt dargestellt oder kleingerechnet werden. Die von den Unternehmen gemeldeten Zahlen müssen für Aufsicht, Markt und Kunden aussagekräftig sein.“, so die Vorstände der FMA, Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller. Die SFCR müssen von den Unternehmen auch auf deren Website veröffentlicht werden. 

Die Solvenzkapitalquoten werden seit 2016 laut dem europäischen Solvabilität II Regime ausgewiesen, das bis ins Jahr 2032 diverse Übergangsmaßnahmen für die Berechnung erlaubt und Unternehmen auch die Möglichkeit einräumt, statt der einheitlichen Standardformel interne Modelle anzuwenden. Die internen Modelle müssen von der FMA vorab genehmigt werden. Gegenwärtig ermitteln vier Versicherungen in Österreich ihr SCR auf Basis eines partiellen und zwei weitere auf Basis eines vollen internen Modells. 17 Unternehmen nehmen Übergangs- oder sonstige Maßnahmen für langfristige Verpflichtungen in Anspruch. Eine hypothetische Berechnung der Bedeckung, unter Herausrechnung der Maßnahmen für langfristige Verpflichtungen, führt zu einer Quote von 235,2 % (Median). Diese Reduktion um 16 Prozentpunkte ist von einigen wenigen Unternehmen getrieben, deren Eigenmittelausstattung die FMA besonders genau beobachtet. Zahlen der Europäischen Regulierungsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) zeigen, dass die Bedeckungsquoten am österreichischen Markt damit deutlich weniger von diesen Maßnahmen abhängig sind als der Europäische Gesamtmarkt[2]. 

Die Analyse der FMA ergab, dass zum Stichtag 31.12.2017 alle 37 in Österreich konzessionierten Versicherungsunternehmen ihr SCR zu mindestens 100 % erfüllten. 31 Unternehmen verfügten über eine Quote von mehr als 200 %, weitere fünf Unternehmen lagen über 150 % und lediglich ein Unternehmen lag mit 142,3 % unter dieser Schwelle. 21 Unternehmen konnten eine höhere Quote als im Vorjahr ausweisen, 16 lagen darunter. Die Detailanalyse zeigt die wesentlichen Treiber der Eigenmittelanforderungen. Von den laut Standardformel ermittelten SCR entfielen 81 % auf das Marktrisiko, also das Risiko, das aus der Veränderung des Marktwerts der Finanzanlagen entsteht. Lediglich 3 % entfallen auf das Gegenparteirisiko. 

Positiv hervorzuheben ist, dass 92 % der anrechenbaren Eigenmittel aller Versicherungsunternehmen Eigenmittel bester Qualität (sogenanntes Tier 1 Kapital) sind. Nur acht Unternehmen rechnen Tier 2 Kapital an, Tier 3 Kapital weisen lediglich drei Unternehmen aus. 

In den SFCR wird die finanzielle Stabilität der Versicherungsunternehmen nicht nur rein zahlenmäßig betrachtet. Sie geben auch einen Überblick über die Qualität ihrer Geschäftsorganisation und ihres internen Kontrollsystems. Dazu die FMA-Vorstände Ettl und Kumpfmüller: „Der Markt und die Versicherungskunden bekommen dadurch einen umfassenden Einblick in die finanzielle Stabilität der Unternehmen. In der FMA wissen wir aus langjähriger Erfahrung, dass nackte Zahlen dafür oft zu wenig sind. Eine umsichtige Unternehmensführung und gute Organisation sind genauso wichtig. Daher legen wir großen Wert auf die Governance und das Risikomanagement.“


[1] https://eiopa.europa.eu/Publications/Insurance%20Statistics/SQ_Accompanying%20note.pdf

[2] https://eiopa.europa.eu/Publications/Reports/2017-12-20%20LTG%20Report%202017.pdf Anm.: EIOPA verwendet den gewichteten Durchschnitt der Quoten.

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