Abtei Mehrerau: Anselm van der Linde legt sein Amt als Abt nach fast zehn Jahren nieder

Bregenz/Mehrerau (OTS) - „Nach zehn ereignisreichen, schwierigen, aber auch erfolgreichen Jahren lege ich mein Amt mit Dankbarkeit und in großer Demut nieder“, so Abt Anselm van der Linde. „Für diesen Schritt ist auch Papst Benedikt XVI ein Vorbild, der im Jahr 2013 sein Amt zurücklegte. Im Hören auf Gott zu erkennen, wann die Zeit gekommen ist, die Leitung – in meinem Fall des Klosters und die Leitung der Mehrerauer Kongregation – in neue Hände zu übergeben.“

Abt Anselm hat Papst Franziskus von seinem Schritt informiert. Er bleibt bis zur Wahl eines neuen Abtes noch de jure im Amt.

Zahlreiche Herausforderungen gemeistert

Abt Anselm: „Ich habe im Jahr 2009 die Abtei Wettingen-Mehrerau in einer für sie sehr schwierigen Zeit übernommen. Eine meiner vorrangigen Aufgaben war es, eine wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Basis für die Klostergemeinschaft herzustellen.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch hat nicht nur mich persönlich, sondern auch unsere Hausgemeinschaft, ja die Kirche Österreichs und darüber hinaus zutiefst erschüttert. Die Aufarbeitung dieser beschämenden und unverzeihlichen Ereignisse haben mich unglaubliche Kraft und Energie gekostet. Krisen sind immer auch Chancen. Wir haben sie unter anderem dazu genutzt, gemeinsam mit externen Expertinnen und Experten für unsere Schule und das Internat klare Verhaltens- und Umgangsregeln zu erarbeiten, die bis heute für alle gültig sind.

Der Brand in unserer Tischlerei, der dadurch entstandene Schaden sowie der Wiederaufbau sind ebenso Marksteine in den letzten Jahren, wie die – leider notwendige – Schließung des Sanatoriums. Dass uns hier mit dem Land Vorarlberg und der Caritas eine gute Lösung gelungen ist, macht mich sehr dankbar.

Die erfolgreiche Neuausrichtung unserer Schule, die Öffnung für Mädchen, die Einrichtung einer Volksschule sowie die großartige Zusammenarbeit mit der Fußballakademie und den anderen Kooperationspartnern haben ebenfalls Zeit und großen Einsatz gefordert. Auch hier, denke ich, sind zukunftsfähige Konzepte entstanden.“

Internationale Verantwortung und Aufgaben mit großen Herausforderungen

Neben seiner Aufgabe als Abt von Wettingen-Mehrerau war Abt Anselm auch in den Generalrat der Zisterzienserkongregation berufen. Vor allem aber war er für insgesamt 21 ZisterzienserInnen-Klöster in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, den USA, Tschechien und Slowenien verantwortlich. „Diese internationale Aufgabe, die dem Abt der Mehrerau automatisch zukommt“, so van der Linde, „bedeutet nicht nur ungezählte Reisen, sondern vor allem eine große Verantwortung für die einzelnen Klöster. Vorrangige Aufgabe des Abtpräses ist es, immer die konkreten Menschen der zahlreichen Hausgemeinschaften im Blick zu haben. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren bedauerlicherweise zwei Klöster geschlossen werden mussten. Die Abwicklung, der Verkauf der Liegenschaften, die Neuordnung der Mönchsgemeinschaften bedeuteten einen großen Aufwand. Zu guter Letzt“, so van der Linde weiter“, ist der Abt der Mehrerau auf Grund der Tatsache, dass die Abtei kirchenrechtlich eine Territorialabtei ist, Mitglied der österreichischen Bischofskonferenz.“

Dankbarkeit

Anselm van der Linde: „Ich habe hautnah erlebt, dass der Wahlspruch unserer Abtei ‚non mergor‘ – ‚ich gehe nicht unter‘ absolut stimmt. Ich danke dafür meinen Mitbrüdern, die mich getragen und unterstützt haben. Ich danke alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Schule und Betriebe. Mein Dank gilt allen, die mit uns ein Stück des Weges gegangen sind, ob in der Politik, der Verwaltung oder in der Kirche. Mein Dank gilt allen Menschen, die uns begleitet haben. Vor allem aber danke ich Gott dafür, dass er uns auch in schwierigen Zeiten mit seinem Geist und seinem Segen geleitet hat. Im Blick auf all das, was geworden ist, kann ich beruhigt und mit Zuversicht mein Amt ab- und in neue Hände übergeben. Meinem Nachfolger wünsche ich das Allerbeste und Gottes reichen Segen. Den Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern wünsche ich Wohlergehen und den Segen Gottes.“

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Harald Schiffl
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