- 05.07.2018, 13:22:39
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Kocevar/Handlfinger/Akranidis-Knotzer: SPÖ NÖ für kostenfreie, ganztägige Kinderbetreuungseinrichtungen
Eltern brauchen Wahlmöglichkeiten, um Arbeitsleben gestalten zu können
Utl.: Eltern brauchen Wahlmöglichkeiten, um Arbeitsleben gestalten
zu können =
St. Pölten (OTS) - „Die Betreuung unserer Kinder bis zum
Schuleintritt ist eine der größten Herausforderungen für
Niederösterreichs Familien. Die meisten Kindergärten haben im Sommer
zumindest drei Wochen geschlossen, pro Jahr gibt es bis zu acht
kindergartenfreie Wochen – dem stehen fünf bis sechs Urlaubswochen
der Eltern gegenüber. Dennoch die Kinderbetreuung zu organisieren,
erfordert eine ausgeklügelte Logistik und hohe Bereitschaft von
Familie und Freunden, hier zu unterstützen. Wenn das nicht möglich
ist, muss für Kinderbetreuung oft tief ins Geldbörsl gegriffen
werden“, weiß SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar,
Bürgermeister in Ebreichsdorf und selbst Vater einer kleinen Tochter:
„Niederösterreichische Kindergärten haben im Jahr 31,7 Schließtage,
damit liegt unser Bundesland im unteren Mittelfeld. Im Sommer kommt
es oft vor, dass Eltern nicht gemeinsam Urlaub machen können, weil
die Kinderbetreuung aufgeteilt werden muss.“ Vergleich Schließtage
der Kindergärten: Wien 3, Steiermark 23, 6, Oberösterreich 27,2,
Vorarlberg 33, Kärnten 33,1, Salzburg 33,5, Burgenland 35,7, Tirol
42,5; der österreichweite Durchschnitt liegt bei 26,5 Schließtagen.
Knapp ein Viertel der NÖ Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. ein
Drittel der Kindergärten bieten gar keine Nachmittagsbetreuung an.
Zudem sei das Gratis-Kindergartenjahr nur halbtägig, die Eltern
brauchen aber ganztägige Angebote. In Niederösterreich haben nur 17,2
Prozent der Kindergärten nach 17 Uhr geöffnet. Zum Vergleich: In Wien
sind das 85,7 Prozent, 36,8 Prozent in Kärnten, 32,3 Prozent in der
Steiermark, 28,1 Prozent im Burgenland, 23,1 Prozent in Salzburg, 21
Prozent in Vorarlberg, 19 Prozent in Tirol, 14,6 Prozent in
Oberösterreich, der österreichweite Durchschnitt liegt bei 32,3
Prozent.
„Gute Wirtschaft und ein soziales NÖ brauchen eine gute
Kinderbetreuung. Deshalb wollen wir flächendeckende
Kinderbetreuungseinrichtungen, die sich an den Erfordernissen
arbeitender Eltern orientieren“, erklärt Kocevar: „Es ist höchste
Zeit, die Familien organisatorisch und finanziell zu entlasten und
ganztägige Kinderbetreuungseinrichtungen zu schaffen, die auch am
Nachmittag kostenfrei sind. Die Eltern müssen die Wahlmöglichkeit
haben: Diese ist nicht gegeben, da Betreuungskosten monatlich mehrere
hundert Euro ausmachen können. Eltern mehrerer Kinder bleibt so
unterm Strich kaum etwas, trotz höherem Arbeitsstundenausmaß.“
Dazu komme die von der Regierung geplante Ausweitung des Arbeitstages
auf zwölf Stunden, gleichzeitig sollen aber die Mittel für den Ausbau
der Kinderbetreuungseinrichtungen gekürzt werden. „Dafür fehlt mir
das Verständnis – von den ArbeitnehmerInnen wird verlangt, flexibler
zu sein, aber mit diesen geplanten Kürzungen wird Eltern der Alltag
noch mehr erschwert“, sagt Kocevar. Die Statistik Austria hat dieser
Tage Daten veröffentlicht, wonach in Niederösterreich 96,7 der Drei-
bis Sechsjährigen in den Kindergarten gehen (hier greift auch das
verpflichtende Kindergartenjahr; 94 Prozent österreichweit), aber nur
23,5 Prozent der unter Dreijährigen (26 Prozent österreichweit). „Der
Bedarf an (Ferien-)betreuung steigt, aber die schwarz-blaue Regierung
kürzt die Mittel. In fast jeder Gemeinde gibt es unterschiedliche
Öffnungszeiten. Es braucht eine einheitliche Lösung: Wir wollen, dass
die Kindergärten werktags mindestens 9,5 Stunden geöffnet sein
müssen“, fordert Kocevar, der ankündigt, dass die SPÖ NÖ mit einer
landesweiten Kampagne „In den Ferien dürfen Familien nicht ins
Schwimmen kommen“ startet und Unterschriften sammelt für
flächendeckend ganztägige und kostenfreie
Kinderbetreuungseinrichtungen das ganze Jahr über, in denen auch ein
gesundes Mittagessen angeboten wird.
Zwt.: Gemeinden müssen besser unterstützt werden
Es sei eine gewaltige Herausforderung für die Eltern, die
Kinderbetreuung zu organisieren – bei kleinen Kindern, aber auch bei
Volksschulkindern, erklärt Rainer Handlfinger, Bürgermeister in
Ober-Grafendorf: „Für die Gemeinden bedeutet es einen enormen
Aufwand, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung zu organisieren. Von
der Errichtung eines Kindergartens bis hin zur Erhaltung sind bis zu
75 Prozent der Gesamtkosten von den einzelnen Gemeinden zu tragen“,
erklärt Handlfinger, der mehr finanzielle Unterstützung und
Kompetenzen des Landes für die Gemeinden erhalten möchte: „Nur dann
kann auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung unserer
Kinder gewährleistet werden.“
Er weist darauf hin, dass die Nachmittagsbetreuung für Eltern viel
Geld kostet: laut Landesgesetz müssen die Gemeinden dafür mindestens
500 Euro jährlich einheben, für das Mittagessen fallen noch einmal
rund 675 Euro an – und das bei Schließzeiten von drei Wochen im
Sommer und in den anderen Ferienzeiten.
„Wir SozialdemokratInnen fordern mit dem Ausbau von flächendeckend
ganztägigen und kostenfreien Kinderbetreuungsplätzen nichts
Unmögliches, sondern wollen Mindeststandards etablieren – wir wollen
in Niederösterreich Einrichtungen anbieten, die die Eltern
unterstützen und wo die Betreuungszeiten an die aktuelle Arbeitswelt
angepasst werden“, erklärt der Bürgermeister. Er weist auch darauf
hin, dass in Ober-Grafendorf derzeit eine dritte Gruppe in der
Kleinkindbetreuung gebaut werde, weil weiterer Bedarf vorhanden sei.
Angeboten werden soll nicht nur die Kleinkindbetreuung, sondern auch
schulische Nachmittagsbetreuung und Mittagessen. „Wenn Eltern
arbeiten, dann muss es die Möglichkeit für eine optimale
Kinderbetreuung geben. Wir haben in unseren Betreuungseinrichtungen
Kinder aus 13 Gemeinden, weil es in vielen Orten keine Möglichkeiten
gibt“, sagt Handlfinger, dem es als Vater zweier Kinder ein wichtiges
Anliegen ist, qualitativ hochwertige Betreuungseinrichtungen, die auf
die Bedürfnisse der Eltern ausgerichtet sind, in seiner Gemeinde
anbieten zu können.
Zwt.:Schließzeiten bei Kinderbetreuung sind Hindernis
„Für unsere Kinder ist der Kindergarten die allererste
Bildungseinrichtung im Leben, hier wird spielerisch eine immens
wichtige soziale Basis gelegt“, sagt Sandra Akranidis-Knotzer,
Stadträtin für Kinder und Jugend in Traiskirchen und Mutter zweier
Kinder im Alter von einem Jahr und fünf Jahren, die ebenfalls
Investitionen von Bund und Land in die Kinderbetreuung fordert.
Sie wird ab November wieder in ihren Beruf einsteigen und deshalb
kommt auch das jüngste Kind dann in eine
Kleinstkindbetreuungs-Einrichtung. „Wenn man auf die Öffnungszeiten
von Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen ist, ist die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur schwer möglich – auch wenn es
in Traiskirchen eine Kleinstkinderbetreuung gibt, die ganzjährig
geöffnet ist“, sagt die junge Mutter. Sie kann auf die Unterstützung
der Großeltern zurückgreifen, was es leichter macht, den
Arbeitsalltag mit der Betreuung beider Kinder zu organisieren.
Für sie gilt auch, dass wertvoller Erholungsurlaub nicht dafür
aufgebraucht werden dürfe, die zahlreichen Tage der geschlossenen
Kinderbetreuungseinrichtungen abzudecken und plädiert ebenso für
ganzjährig geöffnete, kostenfreie Angebote: „Gerade mit kleinen
Kindern hätte man die Möglichkeit, in der Vor- oder Nachsaison Urlaub
zu machen – aber das bedeutet, dass zusätzliche Urlaubstage anfallen
und es dann noch schwieriger wird, Schließtage der
Betreuungseinrichtungen mit dem Beruf zu vereinbaren.“
Zwt.: Wahlmöglichkeiten schaffen
„Es braucht endlich echte Wahlmöglichkeiten: Mit einer kostenfreien
Betreuung und ganztägigen Betreuungsplätzen, die dem Arbeitsleben
entsprechen, stärken wir diese für alle Frauen und Männer“, plädiert
der SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar für eine Lösung im
Sinne aller Eltern und Kinder. Dem Land NÖ müsse die Bildung und
Betreuung unserer Kinder etwas wert sein, die Kosten könnten nicht
auf die Gemeinden abgewälzt werden. Dazu komme, dass auch
PädagogInnen und BetreuerInnen dann auch besser entlohnt werden
müssten. Auch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr und ein
klarer, bundesweiter Qualitätsrahmen sind längst überfällig.
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