Kocevar/Handlfinger/Akranidis-Knotzer: SPÖ NÖ für kostenfreie, ganztägige Kinderbetreuungseinrichtungen

Eltern brauchen Wahlmöglichkeiten, um Arbeitsleben gestalten zu können

St. Pölten (OTS) - „Die Betreuung unserer Kinder bis zum Schuleintritt ist eine der größten Herausforderungen für Niederösterreichs Familien. Die meisten Kindergärten haben im Sommer zumindest drei Wochen geschlossen, pro Jahr gibt es bis zu acht kindergartenfreie Wochen – dem stehen fünf bis sechs Urlaubswochen der Eltern gegenüber. Dennoch die Kinderbetreuung zu organisieren, erfordert eine ausgeklügelte Logistik und hohe Bereitschaft von Familie und Freunden, hier zu unterstützen. Wenn das nicht möglich ist, muss für Kinderbetreuung oft tief ins Geldbörsl gegriffen werden“, weiß SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar, Bürgermeister in Ebreichsdorf und selbst Vater einer kleinen Tochter:
„Niederösterreichische Kindergärten haben im Jahr 31,7 Schließtage, damit liegt unser Bundesland im unteren Mittelfeld. Im Sommer kommt es oft vor, dass Eltern nicht gemeinsam Urlaub machen können, weil die Kinderbetreuung aufgeteilt werden muss.“ Vergleich Schließtage der Kindergärten: Wien 3, Steiermark 23, 6, Oberösterreich 27,2, Vorarlberg 33, Kärnten 33,1, Salzburg 33,5, Burgenland 35,7, Tirol 42,5; der österreichweite Durchschnitt liegt bei 26,5 Schließtagen. Knapp ein Viertel der NÖ Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. ein Drittel der Kindergärten bieten gar keine Nachmittagsbetreuung an. Zudem sei das Gratis-Kindergartenjahr nur halbtägig, die Eltern brauchen aber ganztägige Angebote. In Niederösterreich haben nur 17,2 Prozent der Kindergärten nach 17 Uhr geöffnet. Zum Vergleich: In Wien sind das 85,7 Prozent, 36,8 Prozent in Kärnten, 32,3 Prozent in der Steiermark, 28,1 Prozent im Burgenland, 23,1 Prozent in Salzburg, 21 Prozent in Vorarlberg, 19 Prozent in Tirol, 14,6 Prozent in Oberösterreich, der österreichweite Durchschnitt liegt bei 32,3 Prozent.

„Gute Wirtschaft und ein soziales NÖ brauchen eine gute Kinderbetreuung. Deshalb wollen wir flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen, die sich an den Erfordernissen arbeitender Eltern orientieren“, erklärt Kocevar: „Es ist höchste Zeit, die Familien organisatorisch und finanziell zu entlasten und ganztägige Kinderbetreuungseinrichtungen zu schaffen, die auch am Nachmittag kostenfrei sind. Die Eltern müssen die Wahlmöglichkeit haben: Diese ist nicht gegeben, da Betreuungskosten monatlich mehrere hundert Euro ausmachen können. Eltern mehrerer Kinder bleibt so unterm Strich kaum etwas, trotz höherem Arbeitsstundenausmaß.“

Dazu komme die von der Regierung geplante Ausweitung des Arbeitstages auf zwölf Stunden, gleichzeitig sollen aber die Mittel für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen gekürzt werden. „Dafür fehlt mir das Verständnis – von den ArbeitnehmerInnen wird verlangt, flexibler zu sein, aber mit diesen geplanten Kürzungen wird Eltern der Alltag noch mehr erschwert“, sagt Kocevar. Die Statistik Austria hat dieser Tage Daten veröffentlicht, wonach in Niederösterreich 96,7 der Drei-bis Sechsjährigen in den Kindergarten gehen (hier greift auch das verpflichtende Kindergartenjahr; 94 Prozent österreichweit), aber nur 23,5 Prozent der unter Dreijährigen (26 Prozent österreichweit). „Der Bedarf an (Ferien-)betreuung steigt, aber die schwarz-blaue Regierung kürzt die Mittel. In fast jeder Gemeinde gibt es unterschiedliche Öffnungszeiten. Es braucht eine einheitliche Lösung: Wir wollen, dass die Kindergärten werktags mindestens 9,5 Stunden geöffnet sein müssen“, fordert Kocevar, der ankündigt, dass die SPÖ NÖ mit einer landesweiten Kampagne „In den Ferien dürfen Familien nicht ins Schwimmen kommen“ startet und Unterschriften sammelt für flächendeckend ganztägige und kostenfreie Kinderbetreuungseinrichtungen das ganze Jahr über, in denen auch ein gesundes Mittagessen angeboten wird.

Zwt.: Gemeinden müssen besser unterstützt werden
Es sei eine gewaltige Herausforderung für die Eltern, die Kinderbetreuung zu organisieren – bei kleinen Kindern, aber auch bei Volksschulkindern, erklärt Rainer Handlfinger, Bürgermeister in Ober-Grafendorf: „Für die Gemeinden bedeutet es einen enormen Aufwand, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung zu organisieren. Von der Errichtung eines Kindergartens bis hin zur Erhaltung sind bis zu 75 Prozent der Gesamtkosten von den einzelnen Gemeinden zu tragen“, erklärt Handlfinger, der mehr finanzielle Unterstützung und Kompetenzen des Landes für die Gemeinden erhalten möchte: „Nur dann kann auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung unserer Kinder gewährleistet werden.“

Er weist darauf hin, dass die Nachmittagsbetreuung für Eltern viel Geld kostet: laut Landesgesetz müssen die Gemeinden dafür mindestens 500 Euro jährlich einheben, für das Mittagessen fallen noch einmal rund 675 Euro an – und das bei Schließzeiten von drei Wochen im Sommer und in den anderen Ferienzeiten.

„Wir SozialdemokratInnen fordern mit dem Ausbau von flächendeckend ganztägigen und kostenfreien Kinderbetreuungsplätzen nichts Unmögliches, sondern wollen Mindeststandards etablieren – wir wollen in Niederösterreich Einrichtungen anbieten, die die Eltern unterstützen und wo die Betreuungszeiten an die aktuelle Arbeitswelt angepasst werden“, erklärt der Bürgermeister. Er weist auch darauf hin, dass in Ober-Grafendorf derzeit eine dritte Gruppe in der Kleinkindbetreuung gebaut werde, weil weiterer Bedarf vorhanden sei. Angeboten werden soll nicht nur die Kleinkindbetreuung, sondern auch schulische Nachmittagsbetreuung und Mittagessen. „Wenn Eltern arbeiten, dann muss es die Möglichkeit für eine optimale Kinderbetreuung geben. Wir haben in unseren Betreuungseinrichtungen Kinder aus 13 Gemeinden, weil es in vielen Orten keine Möglichkeiten gibt“, sagt Handlfinger, dem es als Vater zweier Kinder ein wichtiges Anliegen ist, qualitativ hochwertige Betreuungseinrichtungen, die auf die Bedürfnisse der Eltern ausgerichtet sind, in seiner Gemeinde anbieten zu können.

Zwt.:Schließzeiten bei Kinderbetreuung sind Hindernis
„Für unsere Kinder ist der Kindergarten die allererste Bildungseinrichtung im Leben, hier wird spielerisch eine immens wichtige soziale Basis gelegt“, sagt Sandra Akranidis-Knotzer, Stadträtin für Kinder und Jugend in Traiskirchen und Mutter zweier Kinder im Alter von einem Jahr und fünf Jahren, die ebenfalls Investitionen von Bund und Land in die Kinderbetreuung fordert.

Sie wird ab November wieder in ihren Beruf einsteigen und deshalb kommt auch das jüngste Kind dann in eine Kleinstkindbetreuungs-Einrichtung. „Wenn man auf die Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen ist, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur schwer möglich – auch wenn es in Traiskirchen eine Kleinstkinderbetreuung gibt, die ganzjährig geöffnet ist“, sagt die junge Mutter. Sie kann auf die Unterstützung der Großeltern zurückgreifen, was es leichter macht, den Arbeitsalltag mit der Betreuung beider Kinder zu organisieren.

Für sie gilt auch, dass wertvoller Erholungsurlaub nicht dafür aufgebraucht werden dürfe, die zahlreichen Tage der geschlossenen Kinderbetreuungseinrichtungen abzudecken und plädiert ebenso für ganzjährig geöffnete, kostenfreie Angebote: „Gerade mit kleinen Kindern hätte man die Möglichkeit, in der Vor- oder Nachsaison Urlaub zu machen – aber das bedeutet, dass zusätzliche Urlaubstage anfallen und es dann noch schwieriger wird, Schließtage der Betreuungseinrichtungen mit dem Beruf zu vereinbaren.“

Zwt.: Wahlmöglichkeiten schaffen
„Es braucht endlich echte Wahlmöglichkeiten: Mit einer kostenfreien Betreuung und ganztägigen Betreuungsplätzen, die dem Arbeitsleben entsprechen, stärken wir diese für alle Frauen und Männer“, plädiert der SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar für eine Lösung im Sinne aller Eltern und Kinder. Dem Land NÖ müsse die Bildung und Betreuung unserer Kinder etwas wert sein, die Kosten könnten nicht auf die Gemeinden abgewälzt werden. Dazu komme, dass auch PädagogInnen und BetreuerInnen dann auch besser entlohnt werden müssten. Auch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr und ein klarer, bundesweiter Qualitätsrahmen sind längst überfällig.

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