• 03.07.2018, 11:58:54
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  • OTS0088

AK Anderl zu Kinderbetreuung: „Vereinbarkeit bleibt Utopie!“

Nur jede 10. Einrichtung hat länger als 12 Stunden geöffnet

Utl.:
Nur jede 10. Einrichtung hat länger als 12 Stunden geöffnet =

Wien (OTS) - Familienministerin Juliane Bogner-Strauß hat heute
angekündigt, dass ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung für Drei-
bis Sechsjährige nicht mehr nötig wäre. „Ich frage mich, wo die
Lorbeeren sind, auf denen sich die Bundesregierung hier ausruht“,
sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Denn die Kindertagesheimstatistik
spricht eine andere Sprache – vor allem in Bezug auf die
Öffnungszeiten. „Einen gesetzlichen 12-Stunden-Tag beschließen, aber
nicht weiter in Kinderbetreuung investieren – wie soll das gehen“,
fragt Anderl.

Nur zehn Prozent der Kinderbetreuungseinrichtungen in Österreich
haben länger als zwölf Stunden geöffnet. Diese sind mitunter nötig,
um eine Vollzeit-Stelle annehmen zu können. „Sich auf dem Status-quo
ausruhen zu wollen, das ist Realitätsverweigerung“, sagt AK
Präsidentin Anderl zu den heutigen Erläuterungen der
Familienministerin. Und dabei ist dieses Bild noch schön gemalt: Denn
nimmt man Wien aus der Statistik heraus, hält nur ein mickriges
Prozent der Einrichtungen seine Pforten länger als 12 Stunden am Tag
offen. Knapp die Hälfte (wieder ohne Wien) schließt bereits um 15
Uhr. „Wer behauptet, dass nicht mehr in die Betreuung der Drei- bis
Sechsjährigen investiert werden muss, hat noch nie Beruf und Familie
vereinbaren müssen“, sagt Anderl. Und weiter: „Und dabei reden wir
hier nur über die Öffnungszeiten und nicht über den
Betreuungsschlüssel oder über zusätzliche pädagogische Angebote im
sportlichen, sprachlichen und kreativen Bereich“, so die AK
Präsidentin. Zudem würde die fehlende Fortsetzung des Ausbaus, wie es
die Familienministerin heute angekündigt hat, Tagesmütter und –väter
zu Lückenbüßern degradieren, die an den Tagesrandzeiten einspringen
müssen.

Eine Vollzeit-Beschäftigung wird vor diesem Hintergrund vor allem
den Müttern weiterhin verwehrt. Besonders schwierig ist für sie die
Situation, nach der Karenz wieder in den Beruf einzusteigen. Denn wie
soll der Wiedereinstieg nach zwei Jahren gelingen, wenn Österreich
das Barcelona-Ziel – eine Betreuungsquote von 33 Prozent der unter
Dreijährigen – nicht erfüllt? Dazu Anderl: „Gerade einmal Wien wird
dieser Vorgabe gerecht, das Burgenland kommt zumindest in die Nähe,
aber auf ganz Österreich bezogen beträgt der Prozentsatz 26,1. Damit
hat nur jedes Vierte Kind unter drei Jahren einen Betreuungs-platz.
Und dann kommt vielleicht auch noch ein 12-Stunden-Arbeitstag dazu
und die Vereinbarkeit wird unmöglich!“ Frauen werden so in
Teilzeit-Jobs gedrängt – mit entsprechend niedrigem Einkommen,
entsprechend geringen Pensionen und der drohenden Gefahr der
Altersarmut.

Die AK fordert daher einen Ausbau der Kinderbetreuung – und zwar
für alle Altersklassen und nicht nur für die unter Dreijährigen. Der
Bund muss mindestens jährlich 100 Millionen Euro bereitstellen. Zudem
müssen Gemeinden, die in Kinderbetreuungs- und -bildungseinrichtungen
investieren, bei den laufenden Kosten für Personal und Instandhaltung
budgetär und strukturell unterstützt werden. Die AK setzt sich daher
für die Berücksichtigung von Investitionen in Kinderbetreuung im
Rahmen eines aufgabenorientierten Finanzausgleichs ein. Das Prinzip,
wer mehr investiert, soll mehr bekommen, muss eingeführt werden – sei
es im Finanzausgleich oder einem eigenen Fonds für Kinderbetreuung-
und -bildung.

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