Mehr als 1.200 BelegschaftsvertreterInnen bei ÖGB-Konferenz zum 12-Stunden-Tag

ÖGB-Präsident Katzian: „Gesetzesvorschlag ist ein Angriff auf die Gesundheit und Geldbörsen der ArbeitnehmerInnen“

Wien (OTS) - Mehr als 1.200 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und GewerkschafterInnen aus allen sieben Fachgewerkschaften kamen am Montag in der ÖGB-Zentrale in Wien zusammen, um die von der Regierung geplante Einführung des 12-Stunden-Tages und der 60-Stunden-Woche zu besprechen.

Zum Auftakt kündigte der Vorsitzende der Gewerkschaft younion, Christian Meidlinger, an, Widerstand gegen die Pläne der Regierung zu leisten, denn „wenn diese Regelungen durchgesetzt werden, wird das die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer viel kosten: Freizeit, Geld und Gesundheit.“

Für die ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann sorgen vor allem die Jubelmeldungen von ÖVP und FPÖ, dass der 12-Stunden-Tag bzw. die 60-Stunden-Woche die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtern würden, für Kopfschütteln: „Die Betreuungsstruktur in Österreich macht es Frauen jetzt schon schwer, 40 Stunden zu arbeiten. Mit einer generellen Ausweitung der Arbeitszeit auf zwölf Stunden pro Tag wäre eine Vollzeitbeschäftigung künftig noch weniger möglich.“ Abschließend betont Schumann: „Die Pläne der Bundesregierung bringen alle Menschen mit Betreuungspflichten in eine ausweglose Situation, sie führen zu einer noch höheren Teilzeitquote und in weiterer Folge zu Altersarmut. Die Gewerkschaften werden das nicht akzeptieren“.

Auf die Schwierigkeiten, die sich durch längere Arbeitszeiten vor allem für Frauen ergeben würden, weisen auch mehrere Betriebsrätinnen hin. Heimhelferin Natascha Feigl berichtet: „In unserer Branche arbeiten vor allem Frauen. Viele sind alleinerziehend. Wir sind bereits jetzt körperlich und psychisch sehr belastet. Eine 60-Stunden-Woche wäre eine Katastrophe“. Ähnlich sieht es Kathrin Lukac, Betriebsrätin bei Zara: „Bei uns ist es jetzt schon schwierig. Unser Betrieb besteht aus 90 Prozent Frauen, darunter viele Mütter und Studentinnen. Wir müssen jetzt schon extrem flexibel sein.“

Kindergartenpädagogin Judith Hintermeier verweist auf die belastende Situation für die Beschäftigten, aber auch für die Eltern und die Kinder, die sich mit dem 12-Stunden-Tag noch verschärfen würde: „Es ist jetzt schon anstrengend, und es wird immer mehr erwartet. Wir sind jetzt schon familienergänzend, bald sind wir Familienersatz. Und so soll es wirklich nicht sein.“

Eine Warnung an „verhaltensoriginelle Führungskräfte“ richtete Harald Funovits, Vorsitzender des Vertrauenspersonenausschusses Ost 1 der A1 Telekom: „Die erste verhaltensoriginelle Führungskraft, die glaubt, dass der 12-Stunden-Tag Usus ist, die wird schauen, was wir gemeinsam für eine Macht haben. Wir drehen euch die Hütte zu!“ Auch Peter Grandits, Konzernbetriebsrat der PORR AG, kündigt eventuelle Kampfmaßnahmen an: „Vor hundert Jahren haben sie einen 8-Stunden-Tag eingeführt, weil sie gesehen haben, dass sich die Leute zu Tode arbeiten. Und jetzt bewegen wir uns hundert Jahre zurück! Wenn es hart auf hart geht, werdet ihr im Radio hören: ‚Die Westautobahn ist gesperrt, da haben sie Schotter verloren. Die Flughafenautobahn ist gesperrt, da haben sie Beton verloren. Alle Wege nach Wien sind gesperrt.’ Da kennen wir nichts!“

Arbeitsinspektor Ferdinand Loidl verweist darauf, dass die Unfallhäufigkeit ab der neunten Stunde massiv ansteigt und nennt dementsprechend die Verkürzung der Ruhezeiten ein „absolutes No-Go“. Viel Applaus bekam er für seine Aussage: „Es sollte eher in die Richtung gehen, die Arbeitszeit zu verkürzen und nicht zu verlängern – das wäre für uns alle gut!“ Auch Christian Hackl, Betriebsrat bei Manner, stellt sich klar gegen längere Arbeitszeiten. Mit Bezug auf den Werbeslogan der Waffel-Firma sagt er: „Eines kann ich euch ganz sicher sagen: Wir wollen keine 12 Stunden. Die mag man eben nicht! Wir lassen uns das nicht gefallen, wir gehen auf die Barrikaden!“

Zum Abschluss ruft ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian zur Teilnahme an der Großdemonstration unter dem Motto „Nein zum 12-Stunden-Tag“ am 30. Juni um 14 Uhr am Wiener Westbahnhof auf: „Was mir am meisten auf die Nerven geht, ist, dass irgendwelche Hobbyjuristen, die sich nicht einmal mit dem Gesetz auseinandergesetzt haben oder den eigenen Antrag erklären können, sagen, die Gewerkschaft betreibt Propaganda. Dieser Gesetzesvorschlag ist ein Angriff auf die Gesundheit und Geldbörsen der ArbeitnehmerInnen – das bestätigen auch anerkannte Juristen“, sagt der ÖGB-Präsident. „Wenn einer sagt, bei uns bleibt alles wie es ist, dann überprüft das genau und glaubt es nicht. Denn natürlich können sie regelmäßig 12 Stunden anordnen. Im Extremfall 13 Wochen, 12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche und dann 4 Wochen frei. Das ist möglich. Das ist kein Märchen! Dagegen setzen wir uns zur Wehr – jetzt, am Samstag und darüber hinaus! Wir wollen ein gutes Leben für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer!“

SERVICE: Die heutige Konferenz zum Nachsehen finden Sie unter: http://bit.ly/BRkonferenz (dm)

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