• 21.06.2018, 11:23:34
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Zerstörtes sichtbar machen: Das Projekt OT

Wien (OTS/RK) - Ein urbanes Gedenkprojekt des Jüdischen Museums Wien,
ein Museum der Wien Holding, in Kooperation mit der Universität für
Angewandte Kunst Wien, setzt ab November 2018 einheitliche,
künstlerisch gestaltete Lichtzeichen an die Stelle der 1938
zerstörten Synagogen und Bethäuser Wiens.

Am 9. und 10. November 1938 fanden als so genannte
Vergeltungsaktion nach dem Anschlag auf einen deutschen Diplomaten
durch einen jungen Juden brutale Aktionen gegen Jüdinnen und Juden
statt. In Wien wurden 27 Jüdinnen und Juden ermordet, 88 schwer
verletzt, mehr als 6.500 Juden wurden verhaftet, Geschäfte zerstört
und geplündert. Die Wiener Synagogen und Bethäuser wurden bis auf
eine Ausnahme zerstört.

Daran gilt es im Jahr 2018 zu erinnern. An vielen der ehemaligen
Standorte gibt es heute keinen Hinweis mehr auf die tragischen
Ereignisse des Novembers 1938. 80 Jahre später, soll ein bleibendes
Zeichen an das Novemberpogrom erinnern. Die ehemaligen Bethäuser
werden dadurch wieder in das kollektive Bewusstsein der Stadt und
ihrer BewohnerInnen gerückt.

Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018

„In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurden die fast einhundert
Synagogen und Betstuben in Wien vollkommen zerstört – mit Ausnahme
des Stadttempels. Bis heute blieben die Spuren der jüdischen Gemeinde
vor 1938 weitgehend verschwunden. Umso wichtiger ist das Projekt ‚OT‘
des Jüdischen Museums Wien gemeinsam mit der international
renommierten österreichischen Künstlerin Brigitte Kowanz. Durch die
Lichtinstallationen in Form eines verbogenen Davidsterns wird nicht
nur den jüdischen Opfern der Pogromnacht gedacht, sondern werden auch
die Spuren der jüdischen Gemeinde vor 1938 sichtbar. Es freut mich
sehr, dass auf kreative Weise ein Zeichen gegen Diskriminierung
gesetzt wird und uns gleichzeitig bewusst gemacht wird, dass die
jüdische Gemeinde ein bedeutender und unverzichtbarer Teil der Stadt
Wien war.“, sagt Bundespräsident a.D. und Vorsitzender des Beirats
für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 Heinz Fischer.

Als Beitrag zum offiziellen Gedenkjahr werden im November 2018, an
den 25 ehemaligen Standorten der Synagogen in 16 Wiener Bezirken,
Licht-Zeichen zum Gedenken an diese verloren gegangenen Orte sowie
deren Geschichte errichtet. Finanziert wird das Projekt durch eine
Förderung der Republik Österreich sowie durch das Jüdische Museum
Wien, den Nationalfonds, die Sektion II des Bundeskanzleramtes –
Kunst und Kultur sowie KÖR, Kunst im öffentlichen Raum.

Projekt OT

Danielle Spera betonte: „Im Gedenkjahr 2018 wird damit ein
einzigartiges Projekt umgesetzt, das bewusst machen soll, was neben
der Vertreibung und Ermordung der Wiener Jüdinnen und Juden an
Kulturgut für immer verloren gegangen ist.“

„OT“ steht in der hebräischen Sprache für das deutsche Wort Symbol
oder Zeichen. Im frühen Judentum hat es aber nicht nur diese
Bedeutung, sondern ist auch ein spirituelles Merkmal der Beziehung
zwischen Gott und Mensch.

„Stets aufs Neue überzeugt das Jüdische Museum Wien mit spannenden
und eindrucksvollen Themen. Das Projekt ‚OT‘ zeigt deutlich einen
Bereich auf, den es in der Gesellschaft aufzuarbeiten gilt. Die
Verluste dieser Nacht sollen nie vergessen werden“, so die
interimistische Geschäftsführerin der Wien Holding Doris
Rechberg-Missbichler.

Das Projekt OT ist zivilgesellschaftlich und generationenübergreifend
an der Nahtstelle von Wissenschaft, Kunst und Vermittlung sowie
zwischen Museum, Universität und privater Initiative entstanden.
Ausgangspunkt war die Ausstellung „Wiener Synagogen. Ein Memory“ im
Jüdischen Museum Wien 2016. Dieses wiederum wurde durch ein
langjähriges Forschungsprojekt an der TU Wien ermöglicht, in dem
Prof. Bob Martens gemeinsam mit dem Architekten Herbert Peter und
zahlreichen Diplomanden die zerstörten Wiener Synagogen virtuell
rekonstruierten.

Dieses Projekt und eine Initiative von Maria Graff inspirierten die
Künstlerin Brigitte Kowanz und ihre Klasse für Transmediale Kunst an
der Universität für angewandte Kunst dazu, gemeinsam mit dem
Jüdischen Museum Wien, das Projekt OT ins Leben zu rufen.

Aktives Gedenken – Orte der Erinnerung

Aus den Projekten der einreichenden KünstlerInnen wurde, von einer
unabhängigen Jury, das Projekt „Sternstele“ von Lukas Maria Kaufmann
zum Siegerprojekt gekürt. Die Skulptur in Form eines ca. 5 Meter
hohen Metallmastes trägt einen ineinander verflochtenen leuchtenden
Davidstern. Die Intention des Künstlers ist es, die BetrachterInnen
bzw. PassantInnen zu TeilnehmerInnen in einer
Wahrnehmungschoreographie zu machen. „Indem sie sich der Skulptur
nähern und die wirren geschwungenen Linien des Leuchtkörpers sich
kontinuierlich zur gleichmäßigen Struktur des Davidsterns ordnen.“,
so Lukas Maria Kaufmann. Auf jeder Stele wird nicht nur die
Information über die jeweilige Synagoge angebracht, sondern auch per
QR Code deren virtuelle Rekonstruktion abrufbar sein.

Die Skulpturen beleuchten damit nicht nur den Stadtraum, sondern
auch ein ausgeblendetes, brutales Kapitel Wiens; jener Stadt, in der
bis 1938 die drittgrößte jüdische Gemeinde Europas zu Hause war. Das
Projekt OT erweitert so die Eigenschaften von „Denkmälern“ zeitgemäß,
indem es „Gedenken“ zu einer aktiven Handlung und einer
kontinuierlichen Erfahrung macht.

Weitere Informationen unter www.jmw.at oder unter [email protected].

Foto- und Pressematerial zu den aktuellen Ausstellungen finden Sie
auf der Homepage des Jüdischen Museums Wien unter
www.jmw.at/de/presse

(Schluss) red

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