• 19.06.2018, 11:28:37
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Asyl: Spitzen der Religionen mahnen mehr Menschlichkeit ein

Kardinal Schönborn, Bischof Bünker, IGGÖ-Präsident Olgun und Gemeinderabbiner Hofmeister unterzeichnen gemeinsame Erklärung zum Weltflüchtlingstag - "Gehört untrennbar zu unserem Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen, Verletzten und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben" -

Utl.: Kardinal Schönborn, Bischof Bünker, IGGÖ-Präsident Olgun und
Gemeinderabbiner Hofmeister unterzeichnen gemeinsame Erklärung
zum Weltflüchtlingstag - "Gehört untrennbar zu unserem
Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen,
Verletzten und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben" - =

Wien (KAP) - Zu einem menschlicheren Umgang mit Flüchtlingen und
einer sachlicheren politischen Diskussion des Asylthemas haben die
Spitzenvertreter der heimischen Kirchen und Religionen aufgerufen.
Kardinal Christoph Schönborn, der evangelische Bischof Michael
Bünker, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Ibrahim
Olgun und Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister von der Israelitischen
Kultusgemeinde unterzeichneten am Dienstag in Wien eine entsprechende
Erklärung.

"Im Vorfeld des Weltflüchtlingstages am 20. Juni 2018 erinnern wir,
dass die Sorge für die Schwachen in der Gesellschaft für JüdInnen,
ChristInnen und Muslime gemeinsam ein Anliegen ist", heißt es in der
Erklärung wörtlich und weiter: "Es gehört untrennbar zu unserem
Selbstverständnis als religiöse Menschen, Vertriebenen, Verletzten
und Heimatlosen Trost und Hilfe zu geben." Die "Vielfalt der Talente,
Kompetenzen und Biographien" seien eine "Bereicherung". Diese gelte
es "wertzuschätzen" und "die persönliche Weiterentwicklung zu
ermöglichen".

Weiter halten die vier Unterzeichner fest: "Wir sehen diese Haltung
auch aus unserem gemeinsamen Menschenbild heraus als wesentlich für
ein gutes Zusammenleben in Österreich, als Teil der internationalen,
insbesondere der europäischen Staatengemeinschaft."

Die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit,
Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte seien wesentliche
Pfeiler "für die Gesellschaft, in der wir miteinander leben wollen".
Gerade die Religionsfreiheit sehen die vier Unterzeichner dabei als
wesentlichen Faktor für den Frieden an. Die Achtung voreinander und
die Wertschätzung der je eigenen Identität sei in der interreligiösen
Begegnung von zentraler Bedeutung.

Die Vertreter der Religionen erinnern zudem an das Jahr 2015, als es
in einer breiten Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen
Initiativen, Religionsgemeinschaften und Einzelpersonen mit den
Behörden gelungen war, eine große Zahl geflüchteter Menschen in
Österreich aufzunehmen und ihnen Perspektiven zu öffnen. Dafür wolle
man allen Beteiligten danken und das sei ein gelungenes Beispiel für
das gesellschaftliche Miteinander in Österreich.

Ohne den Einsatz der vielen tausenden Frauen und Männer,
unterschiedlichen Alters, sozialen Status und unterschiedlicher
Weltanschauung hätte Österreich die Herausforderungen der großen
Fluchtbewegung 2015-2016 nicht bewältigt. Tausende Menschen haben
sich seit 2015 auf die nachhaltige Begleitung von geflüchteten
Menschen eingelassen, viele Freundschaften und Beziehungen sind
entstanden. Ihrem oft emotional auch sehr herausfordernden Einsatz
gilt unser Respekt. Dies ist ein wesentlicher Beitrag für die
Integration der schutzsuchenden Menschen.

Schönborn, Bünker, Olgun und Hofmeister rufen weiters zu einer
Versachlichung im öffentlichen Diskurs auf, "ohne gegenseitige
Schuldzuweisungen". Abschließend heißt es in der Erklärung: "Wir sind
dankbar, dass wir in einem Land leben dürfen, in dem Humanität von
höchster Bedeutung ist und in dem das gemeinsame Engagement für
Menschen in Not eine tragende Grundfeste der Gesellschaft ist. Dazu
wollen wir beitragen und ermutigen alle Bürgerinnen und Bürger
unseres Landes diesen Weg weiterzugehen."

Die Erklärung kam auf Initiative des früheren
Raiffeisen-Generalanwalts bzw. Flüchtlingskoordinators des Bundes,
Christian Konrad, zustande. Dieser hat vor Kurzem mit Mitstreitern,
darunter dem früheren Flüchtlingsbeauftragten der Bundesregierung
Ferdinand "Ferry" Maier, die Allianz "Menschen.Würde.Österreich"
geschaffen. Konrad und Maier wollen damit für ein asyl- und
integrationsfreundliches Klima in Österreich werben und Initiativen,
NGOs und Einzelpersonen, die sich im Integrationsbereich engagieren,
mehr öffentliches Gehör verschaffen.

Schönborn: "Frage der Menschlichkeit und des Willens"

Nur ein ganz kleiner Teil der weltweit mehr als 65 Millionen
Flüchtlinge komme nach Europa, hielt Kardinal Schönborn am Rande der
Unterzeichnung im "Kathpress"-Interview fest. Deshalb sei es sehr
verwunderlich, "dass wir so ein Problem daraus machen, diese
Flüchtlinge zu integrieren, wo andere Teile der Welt mit viel höheren
Flüchtlingszahlen konfrontiert sind". Letztlich sei es eine "Frage
der Menschlichkeit und des Willens". Die Spitzenvertreter der Kirchen
und Religionen wollten mit dieser Erklärung "alle unterstützen und
stärken, die bereit sind, bei der Integration aktiv mitzuhelfen".

Bischof Bünker bekräftigte gegenüber "Kathpress" die Unterstützung
der Kirchen und Religionen für jene, die sich um Integration bemühen.
Derzeit würden Bevölkerungsgruppen werden gegeneinander ausgespielt -
"Einheimische gegen Migranten, die Religionen untereinander" - und
deshalb sei dieses gemeinsames Zeichen wichtig, "dass wir uns nicht
auseinanderbringen lassen sondern zusammenstehen".

IGGÖ-Präsident Olgun sagte, dass sich die Islamische
Glaubensgemeinschaft nach Kräften bemühe, die Flüchtlinge bzw.
Migranten im Land zu integrieren. Freilich: Jeder Flüchtling,
ungeachtet von Herkunft oder Religionszugehörigkeit, besitze die
gleiche Menschenwürde. Die IGGÖ wolle sich bemühen, künftig noch
stärker in der Hilfe für Flüchtlinge tätig zu werden.

Gemeinderabbiner Hofmeister betonte die gesellschaftspolitische
Verantwortung der Religionen und die Notwendigkeit, hinsichtlich der
Flüchtlingsfrage gemeinsam Stellung zu beziehen.

Konrad: "Achse der Menschlichkeit"

Christian Konrad sprach im "Kathpress"-Interview Klartext: "Ich
ärgere mich insgesamt über Europa. Es ist lächerlich, dass man bei
500 Millionen Menschen angesichts von maximal zwei Millionen Menschen
so ein Theater inszeniert, nur weil es politisch opportun ist."
Zuletzt sei von politischer Seite immer wieder das Schlagwort einer
"Achse der Willigen" ins Spiel gebracht worden. "Was wir aber
vielmehr brauchen", so Konrad, "ist eine Achse der Menschlichkeit".
Damit meine er jene Menschen, "die das Christentum bzw. ihre Religion
die Menschenwürde ernst nehmen". Diese müssten lauter werden. Und es
gebe auch viele derartige Menschen, zeigte sich Konrad überzeugt.

Wie derzeit das Asylthema im Land behandelt wird sei für ihn
"unfassbar", so Konrad weiter. Es gehe nur mehr um ein "reines
Baugefühl". Die Ängste vor den Fremden, "die uns die Arbeitsplätze
und Sozialleistungen wegnehmen" seien irrational. "Das stimmt so
alles nicht." Und am größten seien die Ängste bei jenen, die
keinerlei Kontakt zu Fremden hätten. Von der Politik erwarte er sich,
"dass sie den Ton ändert und nicht aus jeder Mücke einen Elefanten
macht", so Konrad abschließend.

Erklärung im Wortlaut unter:
https://www.kathpress.at/goto/meldung/1646441/gemeinsame-sorge-fuer-
die-schwachen-in-der-gesellschaft

Fotos von der Unterzeichnung in Kürze unter: www.kathpress.at/foto

O-Töne von den Unterzeichnern in Kürze unter: www.kathpress.at/audio

((ende)) GPU/PWU
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