ÖSV: Ergebnisse der unabhängigen Expertenkommissionen zu Vorwürfen über Gewalt und nächste Schritte

Wien (OTS) - Im Vorjahr wurden Vorwürfe über Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt gegenüber dem ÖSV und auch anderen sportlichen bzw. schulischen Einrichtungen erhoben. Daraufhin hat der ÖSV Anfang dieses Jahres drei unabhängige Expertenteams beauftragt, diese Anschuldigungen zu prüfen, die Strukturen des ÖSV zu analysieren und Vorschläge für präventive Maßnahmen zu erarbeiten. Diese Ergebnisse liegen nun vor. Es gibt Einzelfälle und Einzeltäter. Laut den Ergebnissen gab und gibt es im ÖSV keine Strukturen, die systematisch sexualisierte Gewalt fördern. Auch für Schüler und Schülerinnen besteht kein erhöhtes Risiko. Die Auseinandersetzung mit den Vorwürfen hat zu einer Sensibilisierung und einem Bewusstseinsprozess über einen vertrauensvollen und respektvollen Umgang miteinander beigetragen.

Ergebnisse Waltraud Klasnic und Expertenbeirat

Bei der von Waltraud Klasnic, LH aD., geleiteten unabhängigen Anlaufstelle für Meldungen über sexuelle Übergriffe gingen bis 31. Mai 2018 ca. 130 Telefonate und ca. 90 Mails mit Meldungen ein, die alle Bereiche der Gesellschaft und vor allem andere Sportarten betrafen. Hinsichtlich des ÖSV gab es anonyme Hinweise auf mögliche Missstände im ÖSV in den 1970er- und 1980er Jahren. Aus jüngerer Vergangenheit wurde in einem Fall ein Aushilfsmasseur (Nordischer Skisport) mit sofortiger Wirkung entlassen. Gemeinsam mit den betroffenen Athletinnen wurde der Fall aufgearbeitet. Die Causa ist gerichtsanhängig.  

In einem weiteren Fall, der an einer Schule und nicht im Mannschaftsbereich des ÖSV stattfand, wurde ein Skitrainer erstinstanzlich verurteilt. Dem Schüler wurde die Rückkehr an die Schule und vom ÖSV psychologische Unterstützung angeboten.

Dem Expertenbeirat gehören an: Waltraud Klasnic (Vorsitz), Prof. Dr. Reinhard Haller, Psychiater; Mag. Caroline List, Präsidentin des Landesgerichts für Strafsachen in Graz; Prof. Dr. Gerald Schöpfer, Präsident des Roten Kreuzes Österreich und Dr. Kurt Scholz, ehemaliger Präsident des Wiener Stadtschulrates. 

Ergebnisse PsychologInnenteam Wimmer-Puchinger

Im Zentrum der Arbeit von a.o. Univ.Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger und ihrem Expertinnenteam stand die Entwicklung von Präventionsansätzen gegen Gewalt in Schulen/Internaten. Gespräche der Psychologinnen mit LehrerInnen und Trainern an den Schulen bzw. Internaten ergaben laut Bericht ein „deutlich professionelles Vorgehen beim Krisenmanagement“ der Verantwortlichen. Gleichzeitig wurde ein modulares Präventionskonzept für Schulen mit einem Sportschwerpunkt ausgearbeitet. Dem Team gehörten neben der Klinischen und Gesundheitspsychologin a.o. Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger auch die Sportpsychologin Mag. Andrea Engleder, die Kinderschutzexpertin Dr. Adele Lassenberger sowie die Sport- und Schulpsychologin Mag. Denise Salamon an. 

Ergebnisse Expertenteam Leibovici-Mühlberger

Univ.Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Leiterin der ARGE Bildung & Management, hat mit ihrem Team die Rahmenbedingungen und Strukturen des ÖSV analysiert. Im Ergebnisbericht heißt es: „Sexuelle Belästigung kommt im Rahmen des ÖSV im Vergleich zu Unternehmen analoger Größenordnung deutlich weniger vor. Es kann daher nur auf höchstbedauerliche Einzelereignisse verwiesen werden, die nicht als strukturimmanente Problemstellung des ÖSV zu sehen sind.“ 

Das von ÖSV-Präsident Schröcksnadel bereits vor Jahren implementierte Trainingsmodell in Kleingruppen fördert laut ExpertInnen das Teamgefühl und den Zusammenhalt der AthletInnen. Es bestehe „ein Erleben einer gemeinsamen Wertekultur“, die von knapp 70% der befragten AthletInnen als „ideale Trainingsbedingungen“ empfunden werden, weitere 25,5% beurteilen sie knapp darunter.   

Reaktion Österreichischer Skiverband

Die Ergebnisse zeigen, dass die Anschuldigungen, so wie sie gegen den ÖSV erhoben wurden, durch keine der drei Expertenkommissionen bestätigt wurden. Weder gibt es im ÖSV ein System, das sexuelle Übergriffe begünstigt, noch kann man von systematisierter

Gewalt, die quasi an der Tagesordnung stehe, reden. Die Expertenuntersuchungen haben ergeben, dass die Strukturen, wie sie im ÖSV aufgesetzt sind, den Erfordernissen für einen

wechselseitigen, respektvollen Umgang von FunktionärInnen, AthletInnen und TrainerInnen entsprechen. Jeglicher Generalverdacht, wie er gegen MitarbeiterInnen bzw. Mitglieder des ÖSV ausgesprochen wurde, kann damit eindeutig zurückgewiesen werden. Die Konfrontation mit den Anschuldigungen hat darüber hinaus das Bewusstsein für die Notwendigkeit von respektvollen Umgang geschärft. 

Es gibt laut Erhebungen leider Einzelfälle und Einzeltäter, aber kein systemimmanentes Verhalten, das Machtmissbrauch oder sexuelle Übergriffe fördert und ermöglicht. „Jeder einzelne Fall, der passiert ist, ist schockierend, zutiefst bedauerlich und furchtbar für den Betroffenen oder die Betroffene. Leider kann auch der ÖSV nicht zu hundert Prozent ausschließen, dass es zu einzelnen Übergriffen kommt. Für Topleistungen braucht es ein Klima, das kooperative Zusammenarbeit und starkes Vertrauen zwischen AthletInnen und Vorgesetzen ermöglicht und fördert. Selbstverständlich gilt auch weiterhin der Grundsatz: Null-Toleranz gegen jedwede Gewalt und Machtmissbrauch. Eltern brauchen sich keine Sorgen machen, dass für Kinder und Jugendliche im Skisport ein erhöhtes Risiko besteht,“ sagt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.   

Peter Schröcksnadel: „Alle Experten in den drei Kommissionen haben ihre Analysen unbeeinflusst und unabhängig durchgeführt. Ich bedanke mich für ihre umfangreiche und sorgfältige Arbeit. Wir werden die Ergebnisse sämtlichen Einrichtungen zur Verfügung stellen, und hoffen so einen wertvollen Beitrag dafür leisten zu können, dass das Bewusstsein für einen respektvollen Umgang miteinander gestärkt wird. Was wir im ÖSV tun können, ist, offen zu sein für qualitative Weiterentwicklungen und Verbesserungen, wenn es um die optimale Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren im Skisport geht. Es braucht Fairness, Respekt und Feingefühl, um die wir uns alle täglich bemühen müssen. Wir haben daher Vorschläge und Anregungen von den Experten aufgenommen, die wir teilweise schon umgesetzt haben bzw. umsetzen werden“.

Maßnahmen ÖSV:

1. Einsetzen einer dauerhaften Ombudsstelle

2. Trainerausbildung für Damenmannschaften neu aufstellen

3. Trainerschulung zur Stärkung der Persönlichkeit und gruppendynamische Effekte in einem Team

4. Regelmäßige Gesprächsrunden mit PsychologInnen für die Teams

5. Engere Zusammenarbeit mit Schulen mit skisportlichen Schwerpunkt und Informations- und Gedankenaustausch 

Leumundszeugnis, Ehrenkodex sind selbstverständlich weiterhin Teil der Arbeit im ÖSV.    

Die Vorschläge der ExpertInnen werden auch den politisch Verantwortlichen und anderen österreichischen Sport-Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

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