• 12.06.2018, 11:26:03
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  • OTS0093

AK: Nachwuchs in Wissenschaft und Kunst bekam Theodor Körner Förderpreis 1

Wien (OTS) - Heute, Dienstag, wurden 17 junge WissenschaftlerInnen
und KünstlerInnen mit dem Theodor Körner Förderpreis ausgezeichnet.
„Wir wollen die konkrete Arbeit unter-stützen, den konkreten
kreativen Prozess, den konkreten Prozess des Entstehens“, sagt
Herbert Tumpel, Kuratoriumspräsident des Fonds und ehemaliger AK
Präsiden „Die vergangenen Preisträgerinnen und Preisträger zeigen,
dass dies ein wichtiger Weg war.“

Das Dissertationsvorhaben im Bereich der Sozialwissenschaften von
Raimund Haindorfer geht der Frage von Lebenszufriedenheit und
subjektivem Pendelerfolg von grenz-übergreifenden
Ost-West-PendlerInnen aus Tschechien, Slowakei und Ungarn in
Österreich nach. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Analyse
subjektiv schlechter Arbeitsmarkterfahrungen (etwa
Diskriminierungserfahrungen, irreguläre Beschäftigung) am
österreichischen Arbeitsmarkt gelegt. Es geht darum, inwieweit
nachteilige Arbeitsmarkterfahrungen im Kontext starker
sozioökonomischer Unterschiede und hoher ökonomischer Anreize zum
grenzübergreifenden Pendeln von den Betroffenen toleriert werden und
welche Konsequenzen sich dadurch für den österreichischen
Arbeitsmarkt ergeben. Dieses Arbeitsvorhaben wurde auch mit dem vom
ÖGB-Verlag gestifteten „Publikations-preis“ ausgezeichnet, womit eine
Veröffentlichung gesichert ist.

Auf der Suche nach einer neuen Klanglichkeit warf die
Preisträgerin aus „Musik“ Astrid Schwarz für ihre Komposition das
Schweißgerät an und entwarf Instrumente aus Stahl.

Im Bereich der „Bildenden Kunst und Kunstfotografie“ wurde Iris
Dittler ausgezeichnet, die sich an einer Verschränkung von Elementen
der bildenden Kunst und dem zeitgenössischen Tanz versucht, womit die
Beziehung zwischen Körper und Objekt hinterfragt wird.

Veronika Eberhart arbeitet an einer raumgreifenden
Sound-Video-Installation, die sich mit dem Feminismus in Albanien in
den dreißiger Jahren und in der Gegenwart beschäftigt. Mit
feministischen Künstlerinnen der älteren Generation als Teil der
Wiener Kunstszene setzt sich Christiana Perschon filmisch
auseinander. Ein weiteres ausgezeichnetes Filmprojekt stammt von
Johannes Gierlinger und behandelt die polnische Stadt Bialystok,
jener einst multikulturellen Stadt in der sich Anarchisten während
der Russischen Revolution 1905 formierten, 1906 ein Pogrom an der
jüdischen Bevölkerung stattfand und später die Nazis ein jüdisches
Ghetto errichteten. Ein ehemals vielschichtiger, kultureller und
revolutionärer Ort, der heute von nationalistischen und rechten
Kräften dominiert wird.

Im Bereich "Literatur" wurde Miriam H. Auer mit ihrem Romankonzept
"Violent Dancing" ausgezeichnet, in dem es um die Wahrheit scheuende
Menschen geht.

Cornelia Hülmbauer beschäftigt sich in ihrem Buchprojekt "Häschen.
Hinterdreingeschichten" mit der Überlieferung von und Erinnerung an
Kriegserfahrungen über Generationen hinweg.

Petra Erdely, Preisträgerin aus "Medizin, Naturwissenschaften,
Technik" forscht an einem Hochtemperatur-Leichtbau-Werkstoff für den
Einsatz in umweltfreundlichen, emissionsarmen Flugzeugtriebwerken,
womit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird.

Durch vergleichende Analysen des Erbgutes von Fischparasiten von
verschiedenen Wirtsarten versucht Christoph Hahn genomische
Mechanismen zu entschlüsseln und Gene zu identifizieren, welche
diesen Unterschieden zugrunde liegen.

Für eine fachgemäße Beurteilung der Erdbebensicherheit von
historischen Fassadenelementen ist die Arbeit von Andreas Rudisch von
großer Relevanz.

Unser Wissen über die Neurobiologie der Schizophrenie und der
Suchtentwicklung wird die Arbeit von Ana Weidenauer über den
Botenstoff des Gehirns Dopamin erweitern.

Im Bereich der "Rechtswissenschaften" wurde Christa Pail
ausgezeichnet. In ihrer juridischen Arbeit beschäftigt sie sich der
Rechtfertigung von Staatlichkeit durch die - auch in unserem Land
derzeit aktive - "Reichsbürgerbewegung". Diese Arbeit ist eine der
ersten, die sich mit dem Phänomen der „Staatsverweigerer” auf einer
(rechts-) wissenschaftlichen Ebene beschäftigt.

In den "Geistes- und Kulturwissenschaften" untersucht Margarethe
Maierhofer-Lischka interdisziplinär Werke aus den letzten 30 Jahren,
die im Grenzfeld von Installation, Konzert, Theater und Oper die
Wahrnehmungsmuster des Publikums auf die Probe stellen und durch
Inszenierung von Klängen ein Theater des Hörens eröffnen.

"Literarische Zeitpraktiken und soziale Ungleichheit in
ausgewählten Werken schwedischsprachiger Arbeiterliteratur der 1970er
Jahre und des 21. Jahrhunderts" sind das Dissertationsthema von
Hannah Tischmann. Durch ihr Augenmerk auf soziale Ungleichheit
liefert diese Arbeit also auch einen
literaturwissenschaftlich-kultursoziologischen Beitrag zur
lebensweltlichen Zeitforschung.

Den von der Stadt Wien gesponserten "Wiener Preis des Theodor
Körner Fonds" be-kam Andreas Huber für sein Dissertationsprojekt über
die Diskriminierung und Protektion im Lehrkörper der Universität Wien
1918–1950 zugesprochen. Vom Ende der Habsburgermonarchie bis zum
Beginn der Zweiten Republik werden in Form einer quantitativen
Analyse zu rund 3.000 Professoren, Dozenten, Assistenten und anderen
wissenschaftlichen Mitarbeitern Karrierewege nachgezeichnet und
Professoren-Netzwerke offengelegt.

Die Theodor Körner Preise werden mittlerweile zum 64. Mal
verliehen. Zu den bisherigen PreisträgerInnen zählen etwa die
Mikrobiologin Renée Schröder, die Schriftstellerin Friederike
Mayröcker oder Clemens Jabloner, ehem. Präsident des
Verwaltungsgerichtshofes.

SERVICE: Eine Liste aller PreisträgerInnen seit 1954 – insgesamt
über 3.629 – erschien 2013 als Buch und geht allen PreisträgerInnen
aktualisiert bis 2018 zu. Die Aufstellung liest sich wie ein „Who is
Who“ der österreichischen Wissenschaft und Kunst und zeigt so die
Bedeutung des Preises. Oliver Rathkolb, Klaus-Dieter Mulley, (Hrsg.),
„Theodor Körner Fonds. PreisträgerInnen 1954 – 2013“. Wien,
ÖGB-Verlag 2013.

(Forts.)

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