Gedenkdienstleistende verweigern Teilnahme bei Besuch von BK Kurz in Yad Vashem

Für die ausreichende finanzielle Förderung der Gedenkdienste statt bloße Lippenbekenntnisse!

Wir als Verein GEDENKDIENST sehen uns deshalb gezwungen, in diesem Jahr keine Auswahl zukünftiger Gedenkdienstleistender vorzunehmen und somit die Entsendetätigkeit einzustellen.
Michael Spiegl, Obmann des Vereins GEDENKDIENST

Wien (OTS) - Am Sonntag, 10. Juni 2018, wird Bundeskanzler Sebastian Kurz im Zuge seiner Israel-Reise die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem besuchen. Geplant war neben diversen Führungen und Gesprächen auch ein Treffen mit allen Gedenkdienstleistenden in Israel. Diese haben gestern ihre Teilnahme abgesagt. Der Verein GEDENKDIENST unterstützt sie in ihrer Entscheidung.

Die Gründe für die Absage liegen in der unzureichenden Förderung der Gedenkdienstleistenden sowie dem massiven Anstieg des bürokratischen Aufwands für die Trägerorganisationen. Letzten Herbst beschloss das Parlament einstimmig die Erhöhung des Fördertopfs für Auslandsfreiwilligendienste. Damit wurde ein klares politisches Zeichen gesetzt. Dennoch gibt es derzeit keine reale finanzielle Verbesserung für die Gedenkdienstleistenden, die durch ihren Einsatz an Holocaust-Gedenkstätten, Forschungsarchiven, Jugendbegegnungsstätten und Altenbetreuungsstellen aktive Gedenkarbeit leisten. „Gedenkdienstleistende zahlen finanziell drauf. Wenn keine Ersparnisse oder unterstützende Familie vorhanden sind, kann man sich Gedenkdienst nicht leisten. Ein Armutszeugnis für die Erinnerungspolitik der Republik Österreich.“, so der Gedenkdiensleistende Benjamin Kirchengast.

Der Verein GEDENKDIENST erhält für die gesetzlich vorgeschriebenen Tätigkeiten als Trägerorganisation keinerlei Basissubvention, sondern nimmt diese Verantwortung überwiegend ehrenamtlich wahr, ist jedoch bald nicht mehr in der Lage, die unzumutbare bürokratische Belastung zu bewältigen. In absehbarer Zeit ist außerdem keine Verbesserung der seit Jahren prekären Fördersituation der Gedenkdienstleistenden zu erwarten. „Wir als Verein GEDENKDIENST sehen uns deshalb gezwungen, in diesem Jahr keine Auswahl zukünftiger Gedenkdienstleistender vorzunehmen und somit die Entsendetätigkeit einzustellen.“, so Michael Spiegl, Obmann des Vereins GEDENKDIENST. Der Verein kann diese erst wieder aufnehmen, wenn die überfällige tatsächliche Erhöhung der individuellen Förderung sowie eine administrative Entlastung umgesetzt werden. Dazu Gedenkdienstleistender Dominik Sölkner: „Es ist unendlich schade, dass der Verein GEDENKDIENST nun gezwungen ist die Entsendetätigkeit einzustellen. Damit verlieren nun Gedenkdienstinteressierte die Möglichkeit Yad Vashem zu unterstützen und dabei einzigartige Erfahrungen zu sammeln.“ und Gedenkdienstleistender Georg Lang: „Auch in Zukunft sollten junge ÖsterreicherInnen die Möglichkeit haben im Gedenkdienst direkt mit Holocaustüberlebenden arbeiten zu können, zumal es schon sehr bald keine ZeitzeugInnen mehr geben wird.“

Gerade im Gedenkjahr 2018 appelliert der Verein an den politischen Willen der EntscheidungsträgerInnen, ihr Bekenntnis zur Aufarbeitung des Holocausts auch in die Tat umzusetzen und das Projekt Gedenkdienst vor dem Aus zu bewahren.  

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Michael Spiegl, Obmann
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E-Mail: michael.spiegl@gedenkdienst.at
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